Neue Spinnenart im Amazonas imitiert parasitären Pilz
Ein internationales Forschungsteam hat eine neue Spinnenart aus dem
ecuadorianischen Amazonasgebiet beschrieben: Taczanowskia waska.
Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Leibniz-Instituts
zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) hat eine neue Spinnenart aus
dem ecuadorianischen Amazonasgebiet beschrieben: Taczanowskia waska. Die
Art zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Form der Mimikry aus: Sie
stellt den ersten dokumentierten Fall dar, in dem eine Spinne das
Erscheinungsbild eines parasitären Pilzes imitiert. Die Ergebnisse wurden
in der Fachzeitschrift Zootaxa veröffentlicht.
Die Entdeckung gelang im Llanganates-Sangay-Korridor, einem der
artenreichsten Gebiete der Erde. Zunächst wurde das Tier bei einer
nächtlichen Exkursion für einen Pilz gehalten - ein Hinweis auf die
bemerkenswerte Tarnstrategie der neuen Art.
*Täuschung durch Form und Verhalten*
Taczanowskia waska ahmt den Fruchtkörper eines Pilzes der Gattung
Gibellula nach, der auf Spinnen wächst. Auffällig sind dabei verlängerte
Strukturen am Hinterleib sowie eine helle, pilzähnliche Oberfläche.
Zusätzlich verharrt die Spinne regungslos an der Unterseite von Blättern –
genau dort, wo auch der Pilz typischerweise vorkommt.
Diese Kombination aus äußerer Erscheinung und Verhalten deutet auf eine
ausgeprägte Anpassung hin. Die Forschenden gehen davon aus, dass die
Mimikry sowohl dem Schutz vor Fressfeinden als auch der Jagd dient: Als
vermeintlich uninteressantes Objekt wird die Spinne möglicherweise
seltener erkannt und kann ihre Beute leichter überraschen.
*Ein bislang einzigartiger Fall*
Laut Studie handelt es sich um den ersten dokumentierten Fall, in dem eine
Spinne einen parasitären Pilz imitiert, der ihre eigenen Artgenossen
befällt. Die Entdeckung liefert damit neue Erkenntnisse zur Evolution von
Mimikry und zur ökologischen Rolle solcher Anpassungen.
Die Gattung Taczanowskia gilt als selten und wenig erforscht. Viele
Aspekte ihrer Lebensweise sind bislang kaum bekannt – auch weil Vertreter
dieser Gruppe in der Natur nur selten beobachtet werden.
An der Studie beteiligt war Nadine Dupérré vom Museum der Natur Hamburg
des LIB. Sie untersuchte Vergleichsexemplare aus wissenschaftlichen
Sammlungen und trug zur taxonomischen Einordnung der neuen Art bei.
*Citizen Science als Ausgangspunkt*
Die Entdeckung begann mit einer Beobachtung auf der Plattform iNaturalist.
Dort wurde das vermeintliche Pilzexemplar von Nutzerinnen und Nutzern als
Spinne erkannt und in der Folge wissenschaftlich untersucht. Der Fund
unterstreicht die Bedeutung von Citizen Science für die
Biodiversitätsforschung.
„Solche Funde zeigen, welchen Wert wissenschaftliche Sammlungen haben. Sie
ermöglichen es, neue Arten einzuordnen und mit historischem Material zu
vergleichen. In Kombination mit internationaler Zusammenarbeit und Citizen
Science eröffnen sich so neue Möglichkeiten, Biodiversität zu erforschen“,
erklärt Nadine Dupérré.
Die Entdeckung verdeutlicht die hohe, oft noch unerschlossene
Artenvielfalt tropischer Regionen. Gleichzeitig zeigt sie, wie wichtig
internationale Zusammenarbeit und neue Datenquellen für das Verständnis
globaler Biodiversität sind.
