Zum Hauptinhalt springen

Neues Labor und Technikum für Forschung an substratbasierten Myzelwerkstoffen

Pin It

Fraunhofer UMSICHT verfügt in Dortmund über ein Labor und Technikum für
die Entwicklung von Werkstoffen auf Basis von Pilzmyzel und bündelt seine
Aktivitäten zur Erforschung von Myzelwerkstoffen unter der Marke
FungiFacturing®. Das ehemals als DEZENTRALE bekannte offene Mitmachlabor
hat sich zu einem Forschungsstandort mit leistungsstarker Infrastruktur
entwickelt, um Myzelmaterial als nachhaltigen Werkstoff zu erschließen.

Im Jahr 2013 entstand die DEZENTRALE in Dortmund als offenes
Gemeinschaftslabor für interessierte Bürger*innen – im Projekt LUZI –
Labor für urbane Zukunftsfragen und Innovation. Ziel war es, neue und
nachhaltige Produkte oder Technologien für Zukunftsfragen zu entwickeln
und eine Bürger*innen nahe Forschung zu betreiben.

Das Team von Fraunhofer UMSICHT startete damals mit ersten Versuchen zu
Myzelmaterial und Pilzzucht - noch mit Do-it-yourself-Geräten. Mithilfe
des Förderprogramms »Nordwärts« der Stadt Dortmund konnten die
Infrastruktur des Labors und die partizipativen Arbeitsansätze z.B. das
überregional bekannte Innovative Citizen Festival realisiert werden.  Im
Jahr 2019 wurde das erste Projekt zum Thema Schallabsorber auf Basis von
Pilzen und Pflanzenfasern mittels 3D-Pastendruck von der Fachagentur für
Nachwachsende Rohstoffe gefördert.

Das Potenzial des biobasierten Werkstoffs ist groß – er ist
ressourcenschonend, zirkulär und für vielseitige Anwendungen in der Bau-,
Verpackungs- oder Automobilindustrie einsetzbar. Myzelwerkstoffe entstehen
dadurch, dass sich ein Pilz von einem bestimmten pflanzlichen Substrat
ernährt, das Substrat durchwächst und somit stabilisiert. Durch
entsprechende Trocknung stirbt der Pilz ab, das Material ist fertig zur
Verwendung Weiterverarbeitung.

Von der Substratentwicklung über den Prototypen bis zur Ökobilanzierung

Die DEZENTRALE existiert aus diesem Grund nicht mehr als Mitmachlabor,
Teile des Makerspaces sind zum Standort Oberhausen von Fraunhofer UMSICHT
umgezogen – nutzbar für Forschungsprojekte des Instituts. Spezialist*innen
aus den Bereich Biologie, Verfahrenstechnik und Maschinenbau widmen sich
nun der Weiterentwicklung der Myzelwerkstoffe und bauten das Technikum für
diesen Zweck in Dortmund aus. Für die Bereiche Substrat- und
Prototypenentwicklung stehen große Konstantklimakammern, Autoklav, 3D-
Keramikdrucker und Wärmeschränke bereit. Die Forschenden wählen passende
Substrate aus, entwickeln die geeigneten Rezepturen für den Anwendungsfall
und können mittels Trocknung und Inkubation die Prototypen der
Myzelmaterialien herstellen. »Uns steht auch ein mikrobiologischer
Laborbereich zur Verfügung«, erklärt Lina Vieres, Abteilung Carbon
Utilization and Mineralization von Fraunhofer UMSICHT.
Werkstoffcharakterisierung und Funktionalisierung des fertigen Materials
übernehmen die entsprechenden Abteilungen bei Fraunhofer UMSICHT in
Oberhausen. Hier stehen die Themen Brandschutz, Abbaubarkeit oder
Wärmeleitfähigkeit und Ökobilanzierungen der neuen Materialien im
Mittelpunkt.

»Wir freuen uns über die sehr gute Ausstattung des Myzeltechnikums, in der
wir innovative Myzelmaterialien herstellen und somit die Bioökonomie
vorantreiben. Wir können unsere Kund*innen von der Idee bis zum
nachhaltigen Werkstoff begleiten und beraten. Außerdem bieten wir auch
Fachworkshops oder Vorträge zum Thema an, um individuelle Lösungen zu
erarbeiten«, ergänzt Lina Vieres.