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Start des Forschungsprojekts DECURA

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Dezentrale digitale Unterstützung für die häusliche Pflege

Das DIP startete im Februar 2026 das Forschungsprojekt DECURA. Gemeinsam
mit der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg,
der Universität des Saarlandes und der Firma VIVAI Software AG wird
erforscht, wie dezentrale Datenverarbeitung zur Unterstützung
pflegebedürftiger Menschen sowie ihrer An- und Zugehörigen in der
häuslichen Pflege eingesetzt werden kann.

Ziel des Projekts ist es, durch
dezentrale Datenverarbeitung die Selbstbestimmung der Betroffenen zu
stärken und die Qualität der häuslichen Pflege nachhaltig zu verbessern.

Herausforderung: Komplexe Versorgungsrealität und Informationsbedarf

Gesundheits- und Versorgungsnetzwerke sind komplexe soziale Systeme, in
denen informelles Lernen eine zentrale Rolle spielt. Insbesondere An- und
Zugehörige erwerben pflegerische Kompetenzen häufig praxisnah. „Da
Pflegebedürftigkeit oftmals unerwartet eintritt, besteht ein akuter Bedarf
an verlässlichen, verständlichen und individuell zugeschnittenen
Informationen“, so Projektleiter Prof. Dr. Tobias Hölterhof.

Digitale Gesundheitsanwendungen bieten grundsätzlich großes Potenzial,
diese Unterstützung bereitzustellen. Gleichzeitig führen Bedenken
hinsichtlich des Datenschutzes und der Datensicherheit häufig zu
Überforderung oder Ablehnung, insbesondere bei zentralisierter
Datenverarbeitung. Vertrauen und Sicherheit sind jedoch eine zentrale
Voraussetzung für die Nutzung digitaler Lösungen im sensiblen
Gesundheitskontext.

Zielsetzung: Dezentrale, sichere und personalisierte Unterstützung

Das Projekt DECURA setzt genau hier an. Ein interdisziplinäres Konsortium
unter Konsortialführung des DIP beforscht und entwickelt eine digitale
Anwendung, die Gesundheitsdaten dezentral – also direkt auf den Endgeräten
der Betroffenen – verarbeitet. Auf dieser Grundlage sollen personalisierte
Informationen sowie Lern- und Versorgungsangebote bereitgestellt werden,
die sich an den individuellen Bedarfen der Pflegebedürftigen und ihrer
Sorgegemeinschaft orientieren. Durch die lokale Datenverarbeitung werden
Datenschutzrisiken reduziert und die Kontrolle über sensible Informationen
bei den Nutzerinnen und Nutzern selbst belassen, die Datensouveränität
wird also gestärkt.

Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen im Fokus

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Analyse rechtlicher
und organisatorischer Rahmenbedingungen. Ziel ist es, bestehende Hürden
für dezentrale digitale Systeme im Gesundheitswesen zu identifizieren und
praktikable Lösungsansätze zu entwickeln. Damit leistet DECURA nicht nur
einen Beitrag zur technologischen Innovation, sondern auch zur
strukturellen Weiterentwicklung digitaler Gesundheitsversorgung.

Innovation mit gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Perspektive

Die Kombination aus informellen Lernnetzwerken, personalisierten digitalen
Inhalten und konsequent datenschutzkonformer, dezentraler Technologie
stellt im Pflegekontext ein bislang wenig erforschtes Innovationsfeld dar.
DECURA trägt dazu bei, Vertrauen in digitale Gesundheitsanwendungen zu
stärken, die digitale Teilhabe zu fördern und die Qualität der häuslichen
Pflege zu verbessern. Mit dem Start von DECURA wird ein wichtiger Schritt
hin zu einer selbstbestimmten, sicheren und zukunftsfähigen digitalen
Unterstützung in der häuslichen Pflege gemacht. DECURA wird vom
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit
rund 2 Mio. Euro gefördert.

Das gemeinnützige Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e. V.
(DIP-Institut) ist seit mehr als 25 Jahren An-Institut der Katholischen
Hochschule NRW und trägt gemeinsam mit der im Jahr 2021 ausgegründeten
Dienstleistung, Innovation, Pflegeforschung GmbH als DIP-Plattform mittels
praxisorientierter Forschung und Entwicklung zur Qualitätssicherung im
Pflegebereich und zur Stärkung der Pflegewissenschaft und Pflegepraxis in
Deutschland bei. Die DIP-Plattform ist unabhängig, finanziert sich
ausschließlich über Drittmittel, Mitgliedsbeiträge und Spenden. Seit der
Gründung wurden mehr als 200 Projekte im Gesamtvolumen von mehr als 25
Mio. Euro durchgeführt.