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Was heißt eigentlich „Praxis“? Publikation der EvH Bochum befasst sich mit Perspektiven in der Sozialen Arbeit

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Die Soziale Arbeit lebt von Praxis: sie ist Grundlage professionellen
Handelns, Ort der Begegnung mit Klient_innen und Prüfstein theoretischer
Konzepte. Dennoch zeigt sich in Wissenschaft und Berufspraxis oft ein
unterschiedliches Verständnis davon, was „Praxis“ eigentlich bedeutet und
ausmacht. Genau hier setzt eine neue Publikation an, die mit Beteiligung
der Evangelischen Hochschule Bochum (EvH Bochum) entstanden ist.

Der
Sammelband „Ein Glossar zum Praxisverständnis Sozialer Arbeit. Praxis als
gemeinsame Spurensuche“ vereint Beiträge von Wissenschaftler_innen und
Praktiker_innen, die aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, wie
Praxis gedacht, reflektiert und zugleich gelebt wird.

Warum ein Glossar?

„Ein Glossar bildet nicht nur Begriffe ab – es macht sichtbar, wie
vielfältig und dynamisch der Begriff Praxis ist, wie er in verschiedenen
Kontexten und aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt und interpretiert
wird“, erklärt Herausgeberin Prof. Dr. Selma Haupt,
Erziehungswissenschaftlerin an der EvH Bochum: „Gerade in Disziplinen wie
der Sozialen Arbeit, die in ständiger Wechselwirkung von Theorie und
Praxis stehen, unterstützt ein solcher Glossar den fachlichen Austausch,
die Reflexion im Studium und die Qualität des professionellen Handelns in
Einrichtungen und Wissenschaft.“

„Praxis“ in der Sozialen Arbeit ist also nichts Einheitliches oder klar
Definiertes. Jeder Mensch erlebe Praxis anders – für manche sei sie ein
Balanceakt oder sogar mit Risiko, Fehlern und Scheitern verbunden, sagt
Prof. Haupt: „Der Begriff lässt sich nicht so leicht erfassen, weil es ein
Prozess ist und kein Zustand. Überraschend fand ich, dass Praxis als
Erfahrung und Handeln mit eher spannungsreichen Perspektiven in Verbindung
gebracht wurde, also als Beschämung, als Zumutung, als Scheitern oder als
Verletzung verstanden wird. Dabei wurde deutlich, dass Praxis auch
bedeutet, Unplanbares zu planen, also zu improvisieren, zu entscheiden und
Fehler zu machen. Genau darin liegt auch das Potential mit, durch und in
Praxis zu lernen.“

Gerade weil Praxis so unterschiedlich ist, erfordert sie eine eigene
Positionierung: „Es gilt, sich bewusst zu machen, wofür man steht und wie
gehandelt werden soll“, erklärt Prof. Haupt. Dazu beschreibt das Buch
verschiedene Haltungen, etwa eine kritische

Perspektive auf Machtverhältnisse (z. B. Adultismus), demokratische
Positionierungen oder dekoloniale Ansätze. Der Band richtet sich
gleichermaßen an Studierende, Lehrende, Forschende und in der Praxis
Tätige. Er bietet Impulse und Erfahrungsperspektiven, um das oft
„naheliegende“, aber selten systematisch erfasste Phänomen Praxis neu zu
denken.
Weitere Informationen:

Der Glossar wurde herausgegeben von Prof. Dr. Selma Haupt, Tilman
Kallenbach und Dr. Nils Klevermann und ist Mitte März 2026 im Verlag
Barbara Budrich in der DGSA-Buchreihe „Theorie, Forschung und Praxis der
Sozialen Arbeit“ erschienen.

Weitere Informationen:

Ein Glossar zum Praxisverständnis Sozialer Arbeit. Praxis als gemeinsame
Spurensuche (2026). Theorie, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit,
Band 30. 351 Seiten.

ISBN:
978-3-8474-3411-5

Auch als eBook im Open Access:
978-3-8474-3349-1