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Opfer vor dem Untergang: Der Duft von Pompejis Hausaltären

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Ein internationales Forschungsteam der LMU, der Universität Zürich und
weiterer Partner untersuchte Aschereste aus Räuchergefäßen. Die entdeckten
Substanzen zeigen, dass Pompeji Teil eines globalen Handelsnetzwerks war.



•       Ein internationales Forschungsteam analysierte Aschereste aus
Räuchergefäßen in Pompeji und gewann neue Erkenntnisse über die
Opfergaben, die römische Familien für ihre Hausgötter verbrannten.
•       Das Team fand erstmals einen archäologischen Beweis für das
Verbrennen von exotischen Harzen und Wein in häuslichen Ritualen in
Pompeji.
•       Das Räucherharz stammte wahrscheinlich aus tropischen Regenwäldern
in Indien oder Afrika: Ein Beleg für die weitreichenden Handelsnetzwerke
der Bewohner Pompejis.

München, 23. März.2026 – Der Untergang von Pompeji hat auch die Asche auf
den Hausaltären der Bewohner erhalten. Ein internationales Forschungsteam
hat erstmals wissenschaftlich untersucht, was in römischen Räuchergefäßen
aus Pompeji verbrannt wurde – und Überraschendes entdeckt: Neben
heimischen Pflanzen nutzten die Menschen auch importierte Duftstoffe aus
Afrika oder Asien. Was zeigt, dass Pompeji Teil eines globalen
Handelsnetzes war.

79 n. Chr. brach der Vesuv aus und verschüttete das römische Pompeji und
viele weitere Orte und Villen in seiner Umgebung. Die Katastrophe für die
damaligen Menschen ist zugleich ein Glück für die heutige Archäologie,
dank der einmaligen Erhaltungsbedingungen. So hatte sich unter anderem
auch die Asche in den Räuchergefäßen erhalten, mit denen die Römer ihren
Göttern Rauchopfer darbrachten. Die Asche aus zwei solchen Opferschalen
aus Pompeji und einer nahegelegenen Villa wurde nun mit einer Reihe
modernster Laborverfahren analysiert.

Exotische Baumharze aus Afrika oder Asien
„Wir können nun konkret zeigen, welche Düfte im pompejanischen Hauskult
tatsächlich verbrannt wurden“, sagt Johannes Eber von der Universität
Zürich, der die Studie leitete. „Neben regionalen Pflanzen fanden wir auch
Spuren importierter Harze – ein Hinweis auf weitreichende
Handelsverbindungen von Pompeji.“ Besonders bemerkenswert: In einem Gefäß
wurden Reste eines exotischen Baumharzes nachgewiesen, das vermutlich aus
tropischen Regionen Afrikas oder Asiens stammt. „Molekulare Analysen
deuten auch auf ein Traubenprodukt in einem der Räuchergefäße hin“, sagt
Maxime Rageot von der Universität Bonn, der die biomolekularen
Untersuchungen in der Studie durchführte. „Dies würde mit der Verwendung
von Wein in Ritualen übereinstimmen, die in römischen Bildern gezeigt und
in Texten beschrieben wird, und zeigt gleichzeitig, wie wichtig es ist,
archäologische Studien durch wissenschaftliche Analysen zu ergänzen“, so
Rageot. „Die Verbindung verschiedener aktueller chemischer und
mikroskopischer Untersuchungsverfahren macht den religiösen Alltag der
Menschen in Pompeji plötzlich greifbar“, erklärt LMU-Archäologe Philipp W.
Stockhammer, in dessen ERC-Forschungsgruppe die Studie initiiert wurde.

Weitreichendes Handelsnetz vor knapp 2'000 Jahren
Der Archäologische Park von Pompeji, der kürzlich eine neue
Dauerausstellung über den Ausbruch und seine Opfer eingerichtet hat und
dabei auch eine große Anzahl organischer Funde wie Pflanzenreste,
Lebensmittel und Holzgegenstände präsentiert, unterstreicht die Bedeutung
dieser Art von Studien: „Ohne Pompeji wäre unser Wissen über die römische
Welt weniger reich“, sagt der Direktor des Parks, Gabriel Zuchtriegel.
„Doch es handelt sich um einen Reichtum an Daten und Erkenntnissen, den
nur eine nur eine zeitgemäße Archäologie angemessen erschließen kann: Dank
der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften können
wir noch viel über das Leben in der antiken Stadt entdecken.“

Die Untersuchung zeigt: Pompeji war nicht nur eine römische Stadt am Vesuv
– sondern Teil eines globalen Handelsnetzes, dessen Spuren sich sogar im
Duft ihrer Hausaltäre nachweisen lassen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Philipp Stockhammer
LMU, Prähistorische Archäologie (Schwerpunkt Ostmittelmeerraum)
Telefon: +49 (0) 170 6463031
E‐Mail: <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>

Dr. des. Johannes Eber
Universität Zürich, Institut für Archäologie, Klassische Philologie und
Altertumswissenschaften (Fachbereich Klassische Archäologie)
Telefon: +49 (0) 1786249325
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
Johannes Eber, Shira Gur-Arieh, Robert C. Power, Maxime Rageot & Philipp
W. Stockhammer. Ashes from Pompeii: incense burners, residue analyses and
domestic cult practices. In: Antiquity. A Review of World Archaeology,
2026.
https://doi.org/10.15184/aqy.2026.10320