Citizen Science: Berliner*innen fordern besseren Zugang zu gesunder Mobilität
Gemeinsame Pressemitteilung des Instituts für ökologische
Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Freien Universität Berlin ► Über 200
Berliner*innen nahmen an der Citizen-Science-Studie „Mobil auf Deine
Weise“ teil. Bürger*innen und Forschende der Freien Universität Berlin und
des IÖW untersuchten darin, wie gesunde und gerechte Mobilität in Berlin
gestaltet werden kann, insbesondere für benachteiligte Gruppen. Das
Forderungspapier der Citizen Scientists sieht den größten Hebel bei einer
besseren Umsetzung bestehender Gesetze und Standards.
Berlin, 27. März 2026 – Ein Jahr lang erforschten über 200 Berliner*innen
gemeinsam mit der Freien Universität Berlin (FU Berlin) und dem Institut
für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), wie eine gesunde und gerechte
Mobilität in Berlin gestaltet werden kann. Am 27. März 2026 stellten sie
ihre Ergebnisse aus dem vom Bundesforschungsministerium geförderten
Projekt „AMBER“ vor. Ihr Fazit: Im Berliner Straßenraum und Nahverkehr
kommen Bedarfe benachteiligter Gruppen bisher zu kurz. Um aktive Mobilität
wie Zufußgehen oder Radfahren für alle attraktiver zu gestalten, braucht
es in erster Linie keine neuen Gesetze oder technischen Innovationen,
sondern die konsequente Umsetzung der bereits geltenden Rechtsgrundlage
und die Stärkung der Infrastruktur. Die an der Studie teilnehmenden
Bürger*innen haben die aus ihrer Sicht zentralen Bedarfe für die
Verbesserung der Berliner Mobilität in einem Forderungspapier an die
Politik zusammengefasst.
Studie macht Bedarfe auch von benachteiligten Menschen sichtbar
Von April 2025 bis März 2026 beantworteten die Teilnehmenden mehrere
Fragebögen zu ihrer alltäglichen Mobilität. Viele von ihnen engagierten
sich zusätzlich in Forschungsgruppen, um ergänzende Daten zu sammeln. „Die
Forschungsgruppen haben unter anderem Interviews geführt, Briefe aus der
Zukunft geschrieben, Stadtteilkarten ausgefüllt und über 130
Schnappschüsse von besonders guten oder besonders schlechten Beispielen
gemacht. Diese Materialien haben wir zusammen gesichtet und sortiert, um
herauszufinden, was sich ändern sollte, damit wir uns in Berlin
wohlfühlen“, sagt Teilnehmerin Ulrike Orlowski.
Ganz besonders richtete sich die Studie an Menschen, die auf ihren Wegen
durch die Stadt Benachteiligung erfahren oder vor besonderen Hürden
stehen: Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen, Personen mit
Rollstuhl, Gehhilfe oder chronischer Erkrankung, gehörlose oder
sehbehinderte Menschen und Personen mit Migrationsgeschichte.
„Citizen Science kann die Vielfalt der Perspektiven sichtbar machen. Das
ist der Beitrag unserer Studie, denn gerade die Bedarfe von
benachteiligten Menschen wurden in der Mobilitätsforschung und -politik
bisher zu wenig gehört“, so Universitätsprofessor Jan Keller von der FU
Berlin, der die Nachwuchsgruppe „Aktive Mobilität zur Förderung von
Gesundheit und Umweltschutz – AMBER“ gemeinsam mit Dr. Vivian Frick vom
IÖW leitet.
„Wir danken allen Teilnehmenden und sind beeindruckt von dem großen
Engagement der Citizen Scientists“, betont Frick. „Wir haben mit den
Bürger*innen intensiv über Gerechtigkeitsfragen der Mobilität diskutiert.
Es zeigt sich unter anderem: Mobilität gerecht und gesund zu gestalten
bedeutet vor allem Ressourcen in Pflege, Instandhaltung und Ausbau von
barrierefreier Infrastruktur und klimaresilienten öffentlichen Räumen
fließen zu lassen.“
Was heißt gesunde Mobilität im Alltag?
Laut Polizeidaten starben zwischen 2015 und 2025 noch immer jährlich 33
bis 56 Menschen im Berliner Straßenverkehr. Schutz von Leben und
Gesundheit sollte stärker im Fokus stehen. Sichere und barrierefreie Rad-
und Gehwege haben zudem weitere gesundheitliche Vorteile, denn regelmäßige
Bewegung kann chronischen Krankheiten vorbeugen und Stress abbauen.
Hitzeschutz, Luftreinhaltung und Lärmreduktion sind ebenfalls wichtige
Aspekte für gesunde Mobilität.
Meist – so die Citizen Scientists in ihrem Forderungspapier – heißt das
übersetzt, den motorisierten Individualverkehr in der Stadt zu reduzieren,
indem er weniger Priorität erhält. Doch wie gut ist eine möglichst
autofreie Mobilität im Alltag für viele umsetzbar? Das hängt von mehreren
Faktoren ab, etwa von sicherem, barrierefreiem Fuß- und Radverkehr und
einem gut ausgebauten ÖPNV. Immer wichtiger wird auch ein wirksamer
Hitzeschutz wie durch Bäume an Radwegen und begrünte Bushaltestellen, so
die teilnehmenden Bürger*innen.
„Barrierefreie Mobilität kommt allen zugute“
Thomas Seerig, Vorsitzender des Landesbeirats für Menschen mit
Behinderungen in Berlin und Podiumsgast bei der Ergebnispräsentation,
sagt: „Kein Mensch braucht Barrieren, wenn er sein Leben eigenständig
führen will. Barrierefreiheit bedeutet daher Selbstbestimmung für alle
Menschen – ob mit oder ohne Behinderungen – gerade in Sachen Mobilität.
Und das kommt dann letztlich allen zugute.“
Studienteilnehmerin Ulrike Orlowski nennt zwei Beispiele: „Wenn Querungen
übersichtlich und ohne Bordsteinkante gestaltet sind, dann profitieren
nicht nur Rollstuhlfahrende, sondern auch Eltern mit Kinderwagen, Kinder
und kleine Menschen. Wenn Radwege breit genug sind, damit auch Menschen,
die auf ein Dreirad angewiesen sind, gut dort fahren können, dann sind sie
für alle komfortabel und sicher.“
Auch Teilnehmerin Christine Damaschke betont, wie wichtig barrierefreie
Mobilität für ein selbstständiges Leben ist – beginnend beim unmittelbaren
Wohnumfeld: „Defekte Aufzüge sowie fehlende Notfall- und Leitsysteme
machen die Teilhabe am gesellschaftlichen Zusammenleben und -erleben quasi
unmöglich.“ Mit Blick auf die entwickelten Forderungen ergänzt sie:
„Besonders wichtig ist uns, dass alle Menschen mitgedacht werden. Leicht
ist das nicht: Was manchen hilft, kann ein Hindernis für andere sein. Aber
man kann Lösungen finden, wenn man will.“
Die Citizen Scientists identifizierten diverse Mobilitätslösungen, wie die
Stärkung des Umweltverbundes oder die barrierefreie Gestaltung
öffentlicher Räume, die längst in Gesetzen und Strategien verankert sind.
Zentrale Forderung der Citizen Scientists ist daher, dass die Umsetzung
des Berliner Mobilitätsgesetzes oder Behindertengleichstellungsgese
nicht länger verschleppt wird und gerade beim Umweltverbund nicht gespart,
sondern investiert werden sollte – zur Sicherung von Gesundheit und
Teilhabe aller Menschen in Berlin.
Über das Projekt
Im Projekt „Aktive Mobilität zur Förderung von Gesundheit und Umweltschutz
– AMBER“ arbeiten Forschende aus den Bereichen Gesundheitspsychologie,
Umweltsozialwissenschaften, Public Health, Meteorologie und
Nachhaltigkeitsmanagement zusammen. Herzstück sind zwei Citizen-Science-
Studien, die 2025 bis 2026 in Berlin und 2026 bis 2027 in Frankfurt (Oder)
stattfinden. Mehr zur Studie: https://www.mobil-auf-deine-we
Das Projekt von der Freien Universität Berlin (FU Berlin) und vom Institut
für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gehört zum Förderprogramm
„Globaler Wandel: Klima, Umwelt und Gesundheit“ des Bundesministeriums für
Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).
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Weitere Informationen
• Forderungspapier der Citizen Scientists: https://www.mobil-auf-deine-
weise.de/forderungen
• Einblicke in Ergebnisse der Forschungsgruppen: https://www.mobil-auf-
deine-weise.de/themenmonate/ma
• Über die Veranstaltung: https://www.ioew.de/veranstalt
gerechte-mobilitaet-fuer-alle-
• Zitierte Quelle: Verkehrsunfallstatistik, Polizei Berlin:
https://www.berlin.de/polizei/
• Illustration zum Download:
https://www.ioew.de/fileadmin/
• Pressefotos verfügbar ab 27. März 2026, ca. 18:00 Uhr:
http://www.ioew.de/fotos-amber
• Mehr zu AMBER: https://www.amber-forschung.de
• Förderprogramm „Globaler Wandel: Klima, Umwelt und Gesundheit“:
https://www.fona.de/de/massnah
klima-umwelt-gesundheit.php
