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Polarstern-Neubau: Modell meistert Tests

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Bei der Konstruktion der neuen Polarstern sind wichtige Zwischenziele
erreicht. Ein maßstabsgetreues Modell des künftigen Forschungseisbrechers
absolvierte erfolgreich die Versuche im Eiskanal. Damit konnte die
Testreihe des Seegangs- und Eisbrechverhaltens des Rumpfes abgeschlossen
werden. Außerdem bestellte die vom Alfred-Wegener-Institut mit dem Bau
beauftragte Werft TKMS weitere wichtige Komponenten: etwa die
hydroakustischen Systeme sowie das Heizungs-, Lüftungs- und
Klimaanlagensystem für den Forschungseisbrecher. Zusätzlich wurde der
Vertrag über die Lieferung der Bordhelikopter abgeschlossen.

Anfang März fanden in der Hamburger Schiffsbau-Versuchsanstalt (HSVA) die
finalen Eistests mit dem maßstabsgetreuen Modell der neuen Polarstern
statt: Das 5,66 Meter lange Modell des zukünftigen Forschungseisbrechers
durchfuhr von der HSVA gezüchtetes Eis, das mit etwa sieben Zentimetern
einer realen Eisdicke von 1,8 Metern mit einer Schneeauflage von 20
Prozent entspricht. Auch dickeres Eis, wie z.B. simulierte Presseisrücken
brach das Modell mit Bravour. Damit wurde eine Reihe von Modellversuchen
abgeschlossen, in denen das Team in den vergangenen Monaten das Verhalten
des Schiffes bei Eis und Wellengang untersuchte. Detaillierte Aufnahmen
der Schiffsbewegungen über und unter Wasser nutzten die Fachleute dazu,
die Rumpfform zu optimieren. So ist der Neubau ausgerichtet für
vielfältige Einsätze für die Wissenschaft sowohl im Freiwasser als auch im
Eis, bei unterschiedlichen Tempi oder beim Positionieren an einer
bestimmten Stelle für den Einsatz von Probennahmegeräten.

Detlef Wilde, Projektdirektor des Polarstern-Neubaus am Alfred-Wegener-
Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)
berichtet: „Mit den Modellversuchen bei der Hamburger Schiffsbau-
Versuchsanstalt konnte durch die realitätsnahe Simulation der Bedingungen
in den Einsatzgebieten eine optimale Schiffsform gefunden werden - sowohl
für das Eisbrechen als auch für die Freiwasserfahrt und die Wissenschaft.
Der erfolgreiche Abschluss der seit dem letzten Sommer laufenden
Modellversuche ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Bau der neuen
Polarstern. Hierbei möchte ich insbesondere die sehr gute und hoch
kompetente Zusammenarbeit mit der HSVA und allen weiteren Beteiligten
hervorheben.“

Auf einem guten Weg sind auch Verträge der Bauwerft TKMS mit Zulieferern
für den Schiffsbau: Mit der Lieferung des Heizungs-, Lüftungs- und
Klimaanlagensystems wurde die Firma Aerius GmbH beauftragt, während das
norwegische Unternehmen Kongsberg die hydroakustischen Systeme liefern
wird. Insgesamt wurden bis dato mehr als 30 Aufträge an knapp 20
Unternehmen vergeben. Bereits im Jahr 2025 hat TKMS die Verträge für die
gesamte Antriebseinheit mit Wärtsilä, Steerprop und Railo Technology Inc,
ehemals Aker Arctic, unterzeichnet.

Der Bau des Schiffes soll planmäßig im Frühjahr 2027 starten. Deshalb muss
bereits jetzt sichergestellt werden, dass alle wichtigen Komponenten
rechtzeitig zur Verfügung stehen. Oliver Burkhard, CEO von TKMS, erklärt:
„Die Vergabe des Gros der Aufträge für relevante Bauteile und Systeme ist
ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur neuen Polarstern. Mit der
getroffenen Auswahl an Partnern stellen wir sicher, dass wir die hohen
Kundenanforderungen an Qualität sowie Operativität erfüllen.“

Ein weiteres Highlight des Schiffsbau-Projekts ist die Bestellung der
Bordhelikopter: Das AWI-Team sondierte den Hubschraubermarkt und bewertete
verschiedene Typen auf ihre Eignung für diesen herausfordernden Einsatz.
Die Anforderungen sind dabei vielfältig: Die Maschinen müssen zuverlässig
in den Polarregionen funktionieren, sie sollen komplexe logistische und
wissenschaftliche Anforderungen erfüllen, zur geplanten
Helikopterinfrastruktur an Bord passen sowie die Voraussetzungen bei
Anschaffungs- und Betriebskosten einhalten. Schließlich dienen sie künftig
sowohl als Plattform für Messflüge als auch für die Eisaufklärung. Im
Notfall müssen mit ihnen auch Erkrankte oder Verletzte evakuiert werden.
An Bord der neuen Polarstern werden sich zwei Helikopter befinden, so
steht immer eine Reserve zur Verfügung. Bei der Bewertung dieser Mid-Size
Klasse Hubschrauber für den Off-Shore Betrieb setzte sich der Airbus
H145-D3 durch, der unter anderem durch die Kosten pro Flugmeile, ein
geringes Lärm- und Vibrationsniveau, aber auch wegen der Nutzung von
nachhaltigerem Treibstoff und der damit verbundenen Reduktion von ca. 20
bis 30 Prozent der CO2-Emissionen überzeugte.

Über das Neubauprojekt Polarstern

Die neue Polarstern wird das Flaggschiff der deutschen Meeres-, Polar- und
Klimaforschung. Der Neubau wird vom Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziert, so dass das Alfred-Wegener-
Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, im Dezember
2024 den Auftrag für einen Neubau an die Werft TKMS vergeben konnte. Am
Standort Wismar wird das eisbrechende Forschungs- und Versorgungsschiff
gebaut. Es wird der Polarstern nachfolgen, die seit über 40 Jahren
bahnbrechende Forschung in Arktis und Antarktis ermöglicht. So verfügt
Deutschland auch künftig über eine der modernsten und nachhaltigsten
Infrastrukturen zur Erforschung der Polarregionen auf höchstem
wissenschaftlichen und technischen Niveau.