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›Die Schamanin‹. Sonderausstellung in Halle (Saale) präsentiert neue Erkenntnisse zur Schamanin von Bad Dürrenberg

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Im Mai 1934 wurde im Kurpark von Bad Dürrenberg ein Grab aus der Zeit um
7000 vor Christus entdeckt. Zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass es
sich bei der ausgesprochen reich und mit einem Säugling in den Armen
bestatteten Frau um eine Schamanin handelt. Die neue Sonderausstellung
›Die Schamanin‹ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) widmet
sich vom 27. März bis zum 1. November 2026 dieser besonderen Frau und
ihrer Zeit. Geradezu als Sensation darf die hier erstmals der
Öffentlichkeit präsentierte Identifizierung zweier weiterer Individuen im
Bad Dürrenberger Grab gelten, die mit der Schamanin und dem mit ihr
bestatteten Kind verwandt sind.

Zu allen Zeiten haben Menschen nach Welterklärungen gesucht und den
Versuch unternommen, Einfluss auf ihr von höheren Mächten bestimmtes
Schicksal zu nehmen. Eine der frühesten Formen von Glaubensvorstellungen
ist der Animismus – der Glaube an eine Umwelt, in der Menschen, Tiere und
teils auch Dinge gleichermaßen über eine Seele verfügen und wirkmächtig
sind. Die Grenzen zwischen Menschen und Tieren sind durchlässig und
Verwandlungen sind möglich. Mit den Schamanen treten die ersten religiösen
Spezialisten auf, die solche Übergänge beherrschen und für die
Gemeinschaft gezielt und nutzbringend einsetzen können. Als Vermittler
zwischen Menschen und Geistern versetzen sich Schamanen in Trance und
reisen in die Anderswelt, geführt und beschützt von Hilfsgeistern, um
ihrer Gemeinschaft oder individuellen Klienten zu helfen. Dabei kann es um
die Sicherung des Jagdwildes, die Heilung von Krankheiten, den Schutz vor
böswilligen Schamanen anderer Gruppen und anderes mehr gehen.
Seit Ende des 17. Jahrhunderts existieren in Europa detaillierte Berichte
über Schamanen in Sibirien. Auch in anderen Weltgegenden sind Schamanen
ethnologisch belegt, wobei Animismus und Schamanismus insbesondere für
Gemeinschaften charakteristisch sind, die als Jäger und Sammler leben. Da
die Menschheit für einen Großteil ihrer Geschichte so lebte, haben
Archäologen bereits früh versucht, diese Glaubensvorstellungen auch in der
Vorgeschichte nachzuweisen. Da Glaubenssysteme jedoch nur begrenzt
materielle Spuren hinterlassen, gelang dieser Nachweis nicht immer
überzeugend. Mit der etwa 9000 Jahre alten Bestattung der Schamanin von
Bad Dürrenberg verwahrt das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale)
einen Ausnahmefund, bei dem umfangreiche Forschungen der letzten Jahre
überzeugende Belege für Schamanismus geliefert haben. Diesem besonderen
Fund und den archäologischen Hinweisen auf frühe Glaubensvorstellungen
widmet sich die neue Sonderausstellung ›Die Schamanin‹. Mit Hilfe von 192
Exponaten und Exponatgruppen auf etwa 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche
beleuchtet die Schau das ebenso faszinierende wie vielschichtige Thema. 39
Institutionen aus 14 Ländern (Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland,
Frankreich, Großbritannien, Italien, Lettland, Niederlande, Polen,
Schweden, Serbien, Spanien, Tschechien) unterstützen das Gelingen der
Ausstellung als Leihgeber. Archäologische Funde und ethnologische Objekte
bieten einen umfangreichen Überblick zum Wissensstand über Schamanismus
zwischen Vorgeschichte und Gegenwart – und natürlich über Leben und Zeit
der Schamanin von Bad Dürrenberg. Nie zuvor wurde in Mitteleuropa eine
vergleichbar aufwendige Sonderausstellung zum urgeschichtlichen
Schamanismus und zur Mittelsteinzeit gezeigt.

»Mit großer Sorgfalt, wissenschaftlicher Tiefe und einem klaren
Vermittlungsanspruch gelingt es dem Landesmuseum, unser kulturelles Erbe
zu bewahren, zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu
machen. Die Sonderausstellung zur Schamanin von Bad Dürrenberg führt uns
eindrucksvoll vor Augen, wie forschungsdynamisch unsere Kenntnis der
Vorgeschichte ist. Die hier präsentierten neuen Erkenntnisse sind nicht
nur wissenschaftlich herausragend, sie eröffnen auch einen faszinierenden
Zugang zu den geistigen Welten früher Gemeinschaften«, sagte
Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Dr. Sebastian Putz anlässlich der Pressekonferenz zur
Ausstellungseröffnung. »Mein besonderer Dank gilt dem Landesamt für
Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Seine seit vielen Jahren
exzellente Arbeit bildet das Fundament für solche Ausstellungen von
internationalem Rang. Gerade für das Kulturland Sachsen-Anhalt ist diese
Arbeit von unschätzbarem Wert. Sie stärkt unsere kulturelle Identität,
macht unsere reiche Geschichte sichtbar und trägt weit über die
Landesgrenzen hinaus zur Wahrnehmung Sachsen-Anhalts als bedeutende
Kulturlandschaft bei. Die Ausstellung ›Die Schamanin‹ ist dafür ein
eindrucksvolles Beispiel.«
»Wir präsentieren im Landesmuseum die größte Schau zum archäologischen
Nachweis von Schamanismus und zur Mittelsteinzeit der letzten Jahrzehnte.
Erneut können wir aufgrund unserer vertrauensvollen, langjährigen
Verbindungen mit den großen europäischen Ausstellungshäusern großartige
Leihgaben ausstellen, die teilweise kaum jemals außerhalb der
Ursprungsländer zu sehen gewesen sind«, sagte Harald Meller,
Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt und Direktor des Landesmuseums für
Vorgeschichte Halle (Saale). »Die Ausstellung dreht sich mit der Schamanin
von Bad Dürrenberg um einen Fund, der aufgrund der Forschungen der letzten
Jahre im Besucherinteresse mittlerweile der Himmelscheibe von Nebra
gleichkommt. Die Schamanin fasziniert die Menschen als starke Frau, als
spirituelle Anführerin ihrer Gruppe.«

Schamanengewand und Trommel: Die Zentralinstallation
Im Zentrum der Schau im Atrium steht eine aufwendige künstlerische
Zentralinstallation. Sie widmet sich Trommel und Gewand, den wichtigsten
Ritualobjekten, die dem Schamanen oder der Schamanin die Seelenreise
ermöglichen. Um eine große Schamanentrommel aus dem Altaigebirge sind vier
reich verzierte Schamanengewänder versammelt. Über der Trommel schwebt
eine mit schamanistischen Symbolen verzierte Pyramide, die sich zur Decke
hin öffnet. Diese Zeichnungen sind inspiriert vom Bildprogramm
schamanistischer Trommeln, die häufig Hilfsgeister oder andere
Bestandteile der Glaubenswelt darstellen. Sie entspringen der Trommel und
reisen, dem Schamanen gleich, über die Pyramide gen Oberwelt. Unter den
gezeigten Gewändern ist die Robe eines Ewenken-Schamanen besonders
bemerkenswert, die bereits 1788 aus Russland in die Göttinger
Universitätssammlung kam. Es handelt sich vermutlich um das älteste noch
erhaltene sibirische Schamanengewand. Aus Rentierfell gefertigt, ist es
mit einer Vielzahl von symbolisch aufgeladenen Objekten behängt. Sie
verkörpern die Schutzgeister, die dem Schamanen auf seiner Reise in die
Geisterwelt unterstützend zur Seite stehen.
Der folgende Raum widmet sich ganz der Schamanin von Bad Dürrenberg, die
neben der Himmelsscheibe von Nebra ein besonderes Highlight im Bestand des
Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale) ist.

Die Schamanin von Bad Dürrenberg
Im Mai 1934 wurde bei Ausschachtungsarbeiten im Kurpark von Bad Dürrenberg
(heute Saalekreis) ein Grab aus der Zeit um 7000 vor Christus
(Mittelsteinzeit) entdeckt. Da die feierliche Eröffnung des Geländes
unmittelbar bevorstand, mussten die Funde in einer Notbergung gesichert
werden. 2019 erfolgte an der Fundstelle eine Nachgrabung, die die
Grabgrube und das unmittelbare Umfeld der Bestattung mit modernsten
Methoden erneut untersuchte. Hierbei kamen etliche weitere Funde und
Befunde zutage. Sie erbrachten teils überraschende Erkenntnisse, die nun
erstmals im Rahmen der Sonderausstellung präsentiert werden.
Das Grab ist eines der ältesten in Sachsen-Anhalt und setzt sich deutlich
von zeitgenössischen Bestattungen ab. Die mit kalkverputztem Flechtwerk
ausgekleidete und mit rötlichem Ocker bestreute Grube enthielt zahlreiche
Beigaben. Bestattet wurden hier eine 30- bis 40-jährige Frau und ein sechs
bis acht Monate alter männlicher Säugling. Eine DNA-Analyse der Frau
ergab, dass sie dunkle Haut, dunkle Haare und helle (blaue, grüne oder
graue) Augen hatte.
Im vielfältigen Grabinventar finden sich Werkzeuge aus Knochen, Geweih und
Stein, die Hinweise auf handwerkliche Tätigkeiten der Frau geben. Auch ein
›Schminkset‹ zum Zerreiben und Auftragen von Rötel lag in der Grube. Am
bemerkenswertesten ist jedoch die enorme Vielfalt der im Grab präsenten
Tierarten, die sicher nur zum kleinsten Teil Nahrungsvorräte für das
Jenseits sein sollten. Von einigen ist lediglich ein Knochen beigegeben
worden; dieses eine Teil sollte das komplette Tier repräsentieren. Das
Artenspektrum reicht dabei von Kranich über Igel, Biber, Schildkröten und
Wildschwein bis zu Großsäugern wie dem Ur/Wisent oder Hirsch. Vom Reh fand
sich unter anderem ein bearbeitetes Schädelstück mit Geweih, das als
Kopfschmuck getragen wurde.
Ethnografische Vergleiche legen nahe, dass viele der beigegebenen Objekte
als Utensilien schamanistischer Praktiken zu deuten sind. Hinzu kommt eine
anatomische Besonderheit, die bei der Frau bei bestimmten Bewegungen des
Kopfes zu unwillkürlichem Augenflimmern (Nystagmus) und anderen
neurologischen Auffälligkeiten geführt hat, was in ihrer Gemeinschaft
sicher als besonders, als sichtbares Zeichen der Verbindung zur
Geisterwelt, wahrgenommen wurde. Die Vielzahl der Indizien erlaubt, in der
Bestattung einen einzigartigen Beleg für frühen Schamanismus zu sehen.

Eine komplexe Bestattung: vier Menschen im Grab
Die wohl aufsehenerregendste neue Erkenntnis zur Schamanin betrifft jedoch
die Individuenzahl im Grab. Bereits lange bekannt war, dass die Schamanin
nicht allein beigesetzt wurde. Bei ihr lag ein etwa sechs Monate alter
männlicher Säugling. Eine genetische Untersuchung ergab Gewissheit über
ein mögliches Verwandtschaftsverhältnis mit der Schamanin, über das lange
spekuliert worden war. Das Kind ist mit der Schamanin verwandt, jedoch nur
vierten oder fünften Grades. Er könnte ihr Ur-ur-(ur-)enkel oder aber ein
entfernter (Groß-)Cousin beziehungsweise Großneffe sein.
Im Zuge der erneuten Untersuchung der Knochen aus dem Grab wurden jedoch
noch zwei weitere menschliche Wirbel entdeckt, die zu männlichen Kindern
im Alter zwischen zwei und sechs Jahren gehören. Damit sind nun insgesamt
vier Individuen im Grab identifiziert: Die Schamanin, der Säugling, und
die beiden jeweils nur durch einen Wirbel nachgewiesenen Kinder. Eine
genetische Untersuchung konnte auch hier die Verwandtschaftsverhältnisse
klären. Einer der beiden Wirbel gehört zu einem Zwilling des bereits
bekannten Säuglings, der aber mindestens zwei Jahre länger lebte. Das
zweite Wirbelfragment gehört zu einem dritten Bruder, der im Alter von
etwa zwei bis sechs Jahren verstarb.
Die Neufunde werfen Fragen nach dem Ablauf der Bestattung auf. Denn
zumindest die beiden Zwillinge sind nicht gleichzeitig verstorben. Drei
Möglichkeiten sind denkbar. Alle vier Individuen könnten zur selben Zeit
ins Grab gelangt sein. In diesem Falle müsste der als Säugling verstorbene
Zwilling beispielsweise als Mumie über einen Zeitraum von mindestens zwei
Jahren aufbewahrt worden sein. In einem zweiten Szenario könnte die
Schamanin gleichzeitig mit dem Säugling verstorben und bestattet worden
sein. In einem späteren, zweiten Bestattungsvorgang, für den das Grab
nochmals geöffnet werden musste, folgten dann die Wirbel der beiden
Brüder. In der dritten Variante wäre die Schamanin zunächst einzeln
bestattet worden. In zeitlichem Abstand folgten die Kinder, entweder alle
gemeinsam oder nach und nach. In jedem Fall werfen die Neufunde ein
Schlaglicht auf einen hochkomplexen Bestattungsvorgang, der sich sogar
zeitlich recht genau eingrenzen lässt. Im Kopfbereich der Schamanin
gefundene Pollen, möglicherweise Reste eines mit ins Grab gegebenen
Blumenschmucks, verweisen über die Blühzeiträume der Pflanzen auf den
Monat Juli. Spuren von Feuer deuten auf ein nächtliches Ritual. Art und
Menge der Beigaben lassen vermuten, dass zahlreiche Menschen
zusammenkamen, um der mächtigen Frau die letzte Ehre zu erweisen. Mit
modernen naturwissenschaftlichen Methoden lassen sich dabei sogar
eigentlich längst vergangene Dinge sichtbar machen. So konnten aus den
Grabsedimenten über 20 dunkle Haarreste von Rinderartigen ausgelesen
werden. Aus dem Sediment konnte zudem die DNA von Ur oder Wisent
extrahiert werden. Beides konzentriert sich auf Höhe des Kopfes der
Schamanin, wo auch der Säugling lag. Möglicherweise war er in ein Ur-
Rinderfell gewickelt oder die Kleidung der Schamanin bestand aus der
Tierhaut.

Die Mittelsteinzeit
Der letzte Abschnitt der Ausstellung widmet sich der Mittelsteinzeit (etwa
9600 bis 5500 vor Christus), in der die Schamanin lebte. Ein erster Raum
ist der mesolithischen Kunst gewidmet. Im Gegensatz zur Altsteinzeit ist
die Bildsprache der Mittelsteinzeit durch geometrische Zeichen und Symbole
geprägt, die in Gegenstände aus Geweih (häufig Äxte), Knochen oder
Bernstein geritzt wurden. Nur wenige Gegenstände wurden überhaupt
verziert. Eine Seltenheit sind plastische Menschen- oder
Tierdarstellungen. Die Ausstellung zeigt herausragende Exemplare wie die
Bärenfigur von Słupsk in Polen. Ein besonderes Highlight ist auch die
hölzerne menschengestaltige Figur von Willemstad in den Niederlanden, in
deren Gesichtszügen gelegentlich die Darstellung des ältesten Lächelns der
Welt vermutet wird.
Ein zweiter Raum veranschaulicht mittelsteinzeitliche Lebenswelten. Um
9600 vor Christus verbesserte sich das Klima nach dem Kälteeinbruch der
letzten Dryaszeit merklich. Dies und der damit einhergehende Wandel zu
einer bewaldeten, wasserreichen Landschaft, die großflächige Deckenbilder
stimmungsvoll vermitteln, brachte für die Menschen neue Möglichkeiten,
jedoch auch Herausforderungen mit sich. Die Menschen des Mesolithikums
blieben Jäger und Sammler, die nun jedoch ihre Lebensweise an die neuen
Umweltbedingungen anpassten. Die großen Wildpferde- und Rentierherden der
Eiszeit, denen man in den offenen Steppenlandschaften mit der
Speerschleuder nachgestellt hatte, wanderten ab; in den neu entstehenden
Wäldern wurden Rotwild, Wildschweine und Elche mit Pfeil und Bogen bejagt.
Flüsse, Seen und die Meeresküsten gewannen durch ihren Reichtum an Fischen
und Schalentieren an Bedeutung für die Ernährung. Besondere Gunstregionen
wurden länger genutzt, es setzte eine Spezialisierung auf bestimmte
Nahrungsquellen ein, die teils umfangreich bevorratet wurden – die
Mobilität nahm ab. In Lepenski Vir (Serbien) am Eisernen Tor, dem
Donaudurchbruch durch die Karpaten, spezialisierten sich die Menschen auf
den Fang von Stören. Bemerkenswert ist der Fundort wegen seiner einmaligen
Steinskulpturen, die bislang nur selten außerhalb Serbiens zu sehen waren
und einen weiteren Höhepunkt der Schau darstellen.
Einer vielerorts sichereren Nahrungsversorgung standen in der
Mittelsteinzeit jedoch auch vielfältige Herausforderungen gegenüber. Am
Ende der letzten Eiszeit war noch viel Wasser in Gletschern gespeichert.
Das europäische Festland war mit den Britischen Inseln über eine
Landbrücke verbunden, die den mittelsteinzeitlichen Jägern mit
Mischwäldern, Mooren und Seen ideale Lebensbedingungen bot. Mit dem
Abschmelzen der Gletscher wurde dieser Lebensraum mehr und mehr bedroht –
um 6200 vor Christus hinterließ ein verheerender Tsunami eine unwirtliche
salzige Sumpflandschaft, die um 5500 vor Christus gänzlich im Meer
versank. Seit dem 19. Jahrhundert wurden immer wieder Artefakte dieser in
der Nordsee versunkenen Lebenswelt in Fischernetzen auf der Doggerbank in
etwa 13 Metern Wassertiefe entdeckt; eine Auswahl wird in der
Sonderausstellung gezeigt. Ein weiteres Highlight der Ausstellung sind
perfekt erhaltene Körbe aus der Cueva de los Murciélagos (Spanien), die in
das 8. Jahrtausend vor Christus datieren.

Welt im Wandel
Ab etwa 5500 vor Christus trafen auch in Mitteldeutschland von Südosten
kommend die ersten Bauern der Linienbandkeramik ein. Sie verdrängten die
Wildbeuter von den fruchtbaren Lössböden nach Norden, etwa auf die Sander-
und Binnendünenflächen der Altmark. Schon bald nach der Einwanderung kam
es jedoch auch zu Kontakten und Austausch zwischen Neuankömmlingen und
Alteingesessenen. Befunde, die diese Kontakte beleuchten, sind selten. Aus
Sachsen-Anhalt liegt mit der Siedlung von Eilsleben-Vosswelle (Bördekreis)
einer der wichtigsten Fundorte zum Verständnis dieser Übergangsphase vor.
Aus Eilsleben stammt unter anderem ein Rehgeweih, das zu einem Kopfschmuck
umgearbeitet wurde. Seine beste Analogie stammt aus dem viel älteren Grab
von Bad Dürrenberg. Brauchten also auch die Bauern noch die Hilfe einer
Schamanin?

Originalpublikation:
Harald Meller/Michael Schefzik/Anja Stadelbacher (Hrsg.), Die Schamanin.
Begleitband zur Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle
(Saale). Hirmer Verlag 2026.