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Umweltschutz Nephrologie: Prävention, Transplantationen und Peritonealdialyse senken Emissionen am wirksamsten

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Der Klimawandel stellt auch für die Nierengesundheit eine zunehmende
Herausforderung dar. Gleichzeitig arbeitet die Nephrologie daran, ihre
eigene Versorgung nachhaltiger zu gestalten. Eine aktuelle Studie unter
Beteiligung der Kommission „Klima, Umwelt und Niere“ der Deutschen
Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN) zeigt, dass die Hämodialyse in
Deutschland durchschnittlich etwa 3,7 Tonnen CO₂-Äquivalente pro
behandelter Person und Jahr verursacht (1, 2). Dieser Wert spiegelt vor
allem den hohen technischen und energetischen Aufwand wider, der für eine
lebensnotwendige Dialysebehandlung erforderlich ist.



Die Studie macht jedoch auch deutlich, dass die Nephrologie über wirksame
Möglichkeiten verfügt, die Umweltbelastung langfristig zu reduzieren.
Neben technischen Maßnahmen – etwa durch energieeffizientere Infrastruktur
oder den Einsatz erneuerbarer Energien in Dialysezentren – spielen vor
allem medizinische Strategien eine wichtige Rolle. Dazu gehören eine
konsequente Prävention und Früherkennung der chronischen Nierenkrankheit
(CKD), eine Förderung der Nierentransplantation sowie der Ausbau von
Heimdialyseverfahren, insbesondere der Peritonealdialyse. Unter dem Aspekt
der Nachhaltigkeit fordert die DGfN daher, diese Bereiche gezielt weiter
zu stärken. Die Pressemitteilung ist auch unterfolgendem Link abrufbar:
https://www.dgfn.eu/pressemeldung/neue-studie-zeigt-praevention-
transplantationen-und-peritonealdialyse-senken-emissionen-am-
wirksamsten.html.

In Deutschland sind etwa 100.000 Menschen auf eine regelmäßige Blutwäsche
angewiesen – rund 156 Sitzungen im Jahr, meist ambulant in einem
Dialysezentrum. Dabei entstehen enorme Umweltbelastungen: hoher Wasser-
und Energieverbrauch, große Mengen medizinischer Einwegabfall und teils
weite Transportwege. „Die Verbesserung der Klimabilanz der Hämodialyse ist
uns ein wichtiges Anliegen“, sagt Professorin Dr. med. Sylvia Stracke,
Bereichsleitung Nephrologie und Hypertensiologie an der
Universitätsmedizin Greifswald und Pressesprecherin der DGfN.

Materialproduktion, Abfall, Energie- und Wasserverbrauch sowie
Transportwege belasten die Umwelt
Dafür wurde erstmals der CO₂-Fußabdruck deutscher Dialysezentren
systematisch erfasst. Grundlage war ein eigens entwickelter webbasierter
CO₂-Rechner, mit dem fünf Pilotzentren mit insgesamt rund 500 Patientinnen
und Patienten zwischen 2015 und 2023 ausgewertet wurden. Ergebnis: 3,72 ±
0,44 erzeugte Tonnen CO₂ pro Person und Jahr. „Diese resultieren vor allem
aus Materialproduktion, Abfall, Energie- und Wasserverbrauch sowie
Transportwegen“, erläutert Sylvia Stracke.
Einzelne Effizienzmaßnahmen – etwa Photovoltaikanlagen, angepasste
Dialyseregimes oder „Planetary Health“-Ernährung während des Aufenthalts
im Dialysezentrum – reduzierten die Emissionen um rund 9 Prozent. Ein
theoretisches „Best-Case-Szenario“ mit mehr Peritonealdialyse und
individuell angepasster Hämodialyse ergab bis zu 38 Prozent
Emissionsminderung - aber keine Klimaneutralität.

Peritonealdialyse als klimafreundlichere Alternative
Besonders klimafreundlich zeigt sich die Peritonealdialyse, ein
Heimverfahren, bei dem das Bauchfell als Filter dient: Sie verursacht nur
1,4 bis 2,2 Tonnen CO₂ jährlich – also deutlich weniger als das
Zentrumsverfahren. „Ein Ausbau dieser Therapie würde nicht nur
Patientinnen und Patienten entlasten, sondern auch das Klima“, so die
Nephrologin.

Der größte Hebel: Prävention, Früherkennung und Nierentransplantation
Am wirksamsten ist das Vermeiden von Dialysepflichtigkeit. Jedes
vermiedene Dialysejahr spart rund 3,7 Tonnen CO₂. Wird der Beginn um acht
Jahre hinausgezögert, entspricht das rund 30 Tonnen CO₂ pro Betroffenem.
Auch eine um zehn Prozent höhere Transplantationsrate würde
deutschlandweit jährlich rund 800 Tonnen CO₂ einsparen.
„Effizienzsteigerungen in der Dialyse sind notwendig – doch sie haben ihre
Grenzen“, betont Dr. med. Nicole Helmbold, Generalsekretärin der DGfN.
„Wer Ressourcen sparen möchte, muss Prävention, Früherkennung,
Transplantation und Heimdialyse strukturell stärken.“

Eine ressourcenschonende medizinische Versorgung braucht gemeinsames
konsentiertes Handeln
Die DGfN fordert:
• Förderung von Heimdialyseverfahren und Nierentransplantation
• Stärkere Investitionen in Prävention, Früherkennung und frühzeitige
Behandlung chronischer Nierenkrankheit (CKD)
•Unterstützung innovationsorientierter Technologien (etwa Dialysat-
Recycling, emissionsarme Materialien).

„Wir brauchen verbindliche Rahmenbedingungen, die nachhaltige
Investitionen ermöglichen – von der umweltschonenden Beschaffung bis hin
zur strukturellen Stärkung ressourcenschonender Verfahren wie der
Peritonealdialyse“, betont Helmbold.
Die DGfN fordert, Nachhaltigkeit systematisch in Health Technology
Assessment, Vergütungsstrukturen und klinische Leitlinien zu integrieren.
Gleichzeitig müsse die Prävention und Früherkennung von CKD politisch
deutlich stärker priorisiert werden. „Die nachhaltigste Dialyse ist die,
die gar nicht erst notwendig wird“, fasst Stracke zusammen. „Klimaschutz
und Nierengesundheit sind zwei Seiten derselben Verantwortung.“