Textilfabrik 7.0 gestartet: Mönchengladbach wird Reallabor für nachhaltige Textilproduktion
Mit der offiziellen Kick-off-Veranstaltung
der Textilfabrik 7.0 (T7) ist im Monforts-Quartier in Mönchengladbach ein
bedeutendes Transformationsprojekt für die deutsche Textil- und
Bekleidungsindustrie gestartet. Beim „Thementisch Textil“, ein
Veranstaltungsformat der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, kamen
Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung, Politik und
regionaler Wirtschaft zusammen, um gemeinsam den Grundstein für eine CO₂-
neutrale, zirkuläre und wirtschaftlich tragfähige Textilproduktion in
Deutschland zu legen.
Die Textil- und Modeindustrie steht weltweit vor großen Herausforderungen:
Rund zehn Prozent der globalen CO₂-Emissionen gehen auf ihr Konto.
Gleichzeitig stehen Unternehmen hierzulande unter erheblichem
Wettbewerbsdruck. Die Textilfabrik 7.0 setzt genau an dieser Schnittstelle
an und verbindet Forschungseinrichtungen, Industrie und regionale Akteure,
um innovative Technologien und Produktionsprozesse schneller in die
industrielle Anwendung zu überführen.
„Das Projekt T7 treibt die Transformation des Rheinischen Reviers zu einem
modernen Industriestandort aktiv voran. Es verbindet innovative,
nachhaltige Textilproduktion mit Forschung, Entwicklung und dem Einsatz
von KI und Robotik. Gleichzeitig stärkt es die Wettbewerbsfähigkeit der
Region und schafft neue Arbeitsplätze auf allen Qualifikationsebenen. So
zeigt T7, dass der Strukturwandel konkrete Chancen für eine zukunftsfähige
Industrie bietet.“ betont Silke Krebs, Staatssekretärin im Ministerium für
Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-
Westfalen.
Für Felix Heinrichs, Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach, ist klar
„Wer an Textil denkt, kommt an Mönchengladbach nicht vorbei! Die
Textilproduktion gehört industriegeschichtlich zur DNA unserer Stadt. Doch
sie hat auch das Potential, eine Schlüsselrolle für die Zukunft des
Wirtschaftsstandortes Mönchengladbach einzunehmen. Die Textilfabrik 7.0
bringt Industrie und Wissenschaft für Innovation und Forschung zusammen.
Sie schafft so die Grundlage für eine nachhaltige und wirtschaftlich
tragfähige Textilproduktion – und damit für zukunftsfeste Arbeitsplätze in
Mönchengladbach. Der heutige Startschuss für das Projekt T7 markiert für
Mönchengladbach einen großen Meilenstein im Strukturwandel.“
Der Kick-off richtete sich insbesondere an Unternehmen entlang der
gesamten textilen Wertschöpfungskette. In mehreren Impulsvorträgen
erhielten die Teilnehmenden Einblicke in aktuelle Entwicklungen und
mögliche Anwendungen zukünftiger Produktionsformen. Die Brother
Internationale Industriemaschinen GmbH sowie die Hch. Kettelhack GmbH &
Co. KG zeigten auf, wie sich On-Demand-Produktion in Microfactory-Konzepte
integrieren lässt und damit flexible, bedarfsgerechte Fertigungsprozesse
ermöglicht.
Darüber hinaus stellte 3E Smart Solutions vor, wie eine intelligente
Produktion für smarte Textilien künftig aussehen kann. Der Branchencluster
Cluster Industrielle Biotechnologie e. V. (CLIB) präsentierte Ansätze, wie
biotechnologische Verfahren – etwa der Einsatz von Mikroorganismen –
künftig in der Textilproduktion genutzt werden können, um Ressourcen
effizienter einzusetzen und Kreisläufe zu schließen.
Im Zentrum der Textilfabrik 7.0 stehen vier Kernmodule: On-Demand-
Fertigung, MicroFactory Engineering, Digital Textiles und Biosphere. Diese
Themen bildeten auch die Grundlage für vier Workshops, in denen die
Teilnehmenden gemeinsam mit den Modulverantwortlichen diskutierten, welche
Anforderungen die Industrie an zukünftige Produktionslösungen stellt. Ziel
war es, konkrete Bedarfe zu identifizieren und diese direkt in die weitere
Projektplanung einfließen zu lassen.
Mit dem Reallabor-Ansatz der T7 sollen neue Technologien entlang der
gesamten textilen Wertschöpfungskette getestet und optimiert werden. Dazu
gehören unter anderem Robotik, digitale Prozessketten sowie
biotechnologische Verfahren, die dazu beitragen können, eine
funktionierende Kreislaufwirtschaft in der Praxis umzusetzen.
Professorin Dr. Susanne Meyer, Präsidentin der Hochschule Niederrhein:
„Die Textilfabrik 7.0 steht exemplarisch für das, was angewandte Forschung
heute leisten muss: Sie bringt Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft
zusammen, um konkrete Lösungen für die großen Herausforderungen unserer
Zeit zu entwickeln. Als Hochschule Niederrhein bringen wir unsere textile
Expertise gezielt in dieses Zukunftsprojekt ein, von digitalen
Produktionsprozessen über nachhaltige Materialien bis hin zu zirkulären
Wertschöpfungsmodellen. So leisten wir nicht nur einen Beitrag zur
Transformation der Textilindustrie, sondern stärken zugleich die
Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit der gesamten Region.“
Gleichzeitig leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zum
Strukturwandel im Rheinischen Revier. Unter dem Leitmotiv „Von der Kohle
zur KI“ entstehen neue Perspektiven für industrielle Wertschöpfung und
qualifizierte Arbeitsplätze in der Region. Dabei stellt die Textilfabrik
7.0 eines von 19 Ankerprojekten im Rheinischen Revier dar. Die Projekte
sind aus Sicht des Landes zentral für eine erfolgreiche, zügig und
sichtbare Umsetzung des Strukturwandels.
Die Textilfabrik 7.0 ist ein Gemeinschaftsprojekt des Forschungsinstituts
für Textil und Bekleidung (FTB) der Hochschule Niederrhein (HSNR), des
Instituts für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen, des Verbands der
Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, des Verbands der
Rheinischen Textil- und Bekleidungsindustrie, der Textilakademie NRW sowie
der WFMG – Wirtschaftsförderung Mönchengladbach.
In einer zweiten Entwicklungsphase soll über die Textilfabrik 7.0
hinausgehend ein Industriepark der Zukunft entstehen. Hier entwickelt und
produziert die Textil- und Bekleidungsindustrie unter Zero-Emission-
Bedingungen und mit CO₂-neutralen Prozessen. Der Industriepark soll Raum
bieten für innovative Produktionsstätten, Unternehmensniederlassungen der
Textilbranche sowie nachhaltige Textil-Start-ups. So entsteht ein moderner
Industriestandort, der Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion
miteinander verbindet.
Das Projekt Textilfabrik 7.0 wird vom Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie (BMWE) über die Förderrichtlinie zur Stärkung der
Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den
Kohlekraftwerkstandorten „STARK“, vom Land Nordrhein-Westfalen im
Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie,
Klimaschutz und Energie (MWIKE) gemäß der Rahmenrichtlinie zur Umsetzung
des Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG) Nordrhein-Westfalen (RRL)
sowie durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
(BMFTR) gefördert.
