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Oskar-Medizinpreis: Professor Christoph Lange erhält 50.000 Euro für innovative Forschung zu Tuberkulose-Resistenz

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Der höchstdotierte Medizinpreis Deutschlands – der Oskar-Medizinpreis –
geht in diesem Jahr an eine Koryphäe auf dem Gebiet der Pneumologie: Prof.
Dr. med. Dr. h.c. Christoph Lange, Medizinischer Direktor am
Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum, und der Universität zu
Lübeck in Schleswig-Holstein. Er hat in den letzten Jahren wesentlich dazu
beigetragen, die internationale Tuberkuloseforschung, insbesondere zu
multiresistenten Erregern, voranzutreiben.

Verliehen wurde der Preis heute
auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin (DGP) in München.

„Das ist eine wunderbare Anerkennung – nicht nur für mich, sondern für ein
ganzes Team“, so Christoph Lange. Denn ein zentraler Motor seiner
Forschung ist das europäische Netzwerk TBnet, das Lange bereits 2006
mitgegründet hat und das inzwischen europaweit rund 1.000 Mitglieder
umfasst.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist vor allem im Fall der Tuberkulose
enorm wichtig: Während die Krankheit, die in der Regel als
Tröpfcheninfektion durch Personen übertragen wird, in Deutschland mit rund
fünf Fällen pro 100.000 Einwohnern sehr selten ist, sieht es
beispielsweise in Osteuropa kritischer aus. „Tuberkulose bleibt eine
globale Herausforderung, weil sie stark von sozialen Faktoren wie Armut
oder Krieg abhängt. Beispielsweise war die Ukraine bis 2022 ein Land
mittlerer Tuberkulose-Inzidenz. Innerhalb von zwei Jahren nach Beginn der
russischen Invasion hat es sich aber zu einem Hoch-Inzidenz-Land
entwickelt“, veranschaulicht der Wissenschaftler.

Im Fokus: Antibiotika-resistente Tuberkulose

Ein besonderes Forschungsinteresse Langes gilt Antibiotika-resistenten
Tuberkuloseerregern. „Das ist ein sehr wichtiges Thema, weil es über viele
Jahre keine neuen Medikamente gab und die Entwicklung von Resistenzen
dadurch gefördert wurde“, erklärt der Oskar-Medizinpreisträger. Mit seiner
Forschung möchte er die Diagnostik sowie das klinische Management
verbessern und neue Tuberkulosetherapien entwickeln. Dafür eingesetzt
werden beispielsweise moderne genetische Tests zur frühzeitigen Erkennung
von Resistenzen oder Biomarker, die vorhersagen können, ob eine Behandlung
anschlägt – oder ob sie angepasst werden muss. Diese Forschung findet vor
allem im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) in Borstel und
in internationalen Konsortien wie dem TBnet statt. Lange ist Pionier der
Präzisionsmedizin der Tuberkulose. „Wir konnten zeigen, dass
individualisierte Therapien bessere Behandlungserfolge erzielen als starre
Standardregime“, erklärt Lange. „Mit molekularen Methoden können heute
Antibiotikaresistenzen frühzeitig und ausreichend präzise vorhergesagt
werden, um betroffenen Personen individuell die wirksamste Therapie
anzubieten“.

Arbeiten seines Teams haben dazu geführt, dass die WHO 2020 die
Definitionen für die Behandlungsergebnisse der Tuberkulose überarbeitet
hat und 2021 die Schweregrade der Antibiotikaresistenz von
Tuberkulosebakterien durch die WHO neu definiert wurden. Im UNITE4TB
Konsortium entwickelt Lange gemeinsam mit internationalen Partnern neue
Tuberkulosetherapien, um damit Perspektiven für Menschen zu schaffen, bei
denen aktuell verfügbare Antibiotika nicht mehr wirksam sind.

Etablierung von internationalen Standards: Antibiotic Stewardship

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Christoph Lange konnten
zeigen, dass Resistenzen selbst gegen neue Medikamente entstehen können –
ein Warnsignal für die globale Gesundheitspolitik. Als Reaktion darauf
wurden erstmals internationale Standards für ein sogenanntes Antibiotic
Stewardship speziell für Tuberkulose entwickelt. Mithilfe dieser Standards
soll zukünftig der Einsatz von Antibiotika besser gesteuert und die
Entstehung weiterer Resistenzen gebremst werden. „Wir brauchen Strategien,
die verhindern, dass neue Medikamente schon nach kurzer Zeit ihre Wirkung
verlieren!“, appelliert der Preisträger.

Preisgeld soll internationale Zusammenarbeit stärken

Das Preisgeld von 50.000 Euro will Lange unmittelbar in die Umsetzung
dieser Standards investieren. Geplant ist eine internationale Konferenz im
Sommer 2026 in Moldau, bei der Expertinnen und Experten aus mehr als 50
Ländern zusammenkommen. In einer gemeinsamen Bestandsaufnahme auf Basis
einer bereits durchgeführten Umfrage wird dann gezeigt, in welchen Ländern
Standards auf welche Weise bereits etabliert sind. Dort, wo noch
Handlungsbedarf besteht, sollen gezielte Maßnahmen eingesetzt werden, um
Antibiotic Stewardship für die Tuberkulose in Europa sukzessive zu
etablieren.

Hintergrund:

Über den Oskar-Medizinpreis

Der mit 50.000 Euro höchstdotierte Medizinpreis Deutschlands richtet sich
alle drei Jahre an Forschende auf dem Gebiet der Pneumologie. Zur
Förderung der Forschung und Verbesserung von Diagnostik und Therapie
sollen besonders relevante Ergebnisse der Grundlagen- oder klinischen
Forschung zu Infektionen der Lunge und des Rippenfells ausgezeichnet
werden. Ausgeschrieben wird der Preis von der Stiftung Oskar-Helene-Heim
in Berlin. Sie fördert Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der
Medizin, insbesondere der Orthopädie, der Lungenheilkunde und der
Behandlung von Abdominalerkrankungen sowie der Orthopädietechnik. Zu
diesem Zweck unterstützt die Stiftung Forschungsprojekte oder sonstige
gemeinnützige gesundheitsfördernde Vorhaben, verleiht Stipendien und
vergibt jährlich die Helene-Medaille und den Oskar-Medizinpreis. Die
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, die Deutsche
Lungenstiftung und die Deutsche Atemwegsliga entsenden jeweils ein
Mitglied in die Jury für den Oskar-Medizinpreis.

Mehr Informationen finden Sie unter:
http://www.stiftung-ohh.de/ausschreibung-oskar-medizinpreis