Steigende Energiepreise gefährden wirtschaftliche Erholung Deutschlands
Der eskalierende Krieg im Nahen Osten seit Anfang März 2026 erhöht die
wirtschaftlichen Risiken für Deutschland deutlich. Eine aktuelle Analyse
auf Basis des ZEW-Finanzmarkttests zeigt, dass insbesondere steigende
Energiepreise und wachsende Unsicherheit die konjunkturelle Entwicklung
belasten könnten. Während die Auswirkungen bei einer kurzen Kriegsdauer
begrenzt bleiben, drohen bei einem länger anhaltenden Krieg spürbare
Einbußen beim Wirtschaftswachstum sowie ein deutlicher Anstieg der
Inflation.
„Steigende Energiepreise bremsen Wachstum und verstärken zugleich den
Inflationsdruck. Sollten die Beeinträchtigungen der Energieversorgung
längerfristig andauern, dann wird die Preisstabilität in Deutschland
gefährdet“, sagt Dr. Lora Pavlova, Leiterin des ZEW-Finanzmarkttests und
Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Altersvorsorge und nachhaltige
Finanzmärkte“. „Die massiv gestiegene Unsicherheit hält Investoren zurück
und macht Haushalte sparsamer“ ergänzt Anna-Lena Herforth,
Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Altersvorsorge und nachhaltige
Finanzmärkte“.
Drei Szenarien mit unterschiedlichen Folgen
Die Analyse unterscheidet drei mögliche Szenarien für den weiteren Verlauf
des Konflikts. Am wahrscheinlichsten ist aus Sicht der befragten
Finanzmarktexpertinnen und -experten ein anhaltender Konflikt von bis zu
drei Monaten. In diesem Fall bleiben die Energiepreise länger erhöht und
die wirtschaftliche Unsicherheit hoch. Das Wachstum in Deutschland würde
sich dadurch spürbar verlangsamen, während die Inflation auf rund 2,7
Prozent ansteigen dürfte. Ein noch längerer und intensiverer Konflikt
könnte die Wirtschaft 2026 sogar in eine Phase der Stagnation führen und
die Inflation deutlich über die Zielmarke treiben. Eine schnelle
Deeskalation, die zunehmend als unwahrscheinlich gilt, würde indes die
wirtschaftlichen Folgen deutlich begrenzen.
Energiepreise als zentraler Belastungsfaktor
Als wichtigste Ursache für die wirtschaftlichen Belastungen identifizieren
die befragten Finanzmarktexpertinnen und -experten die stark gestiegenen
Energiepreise. Diese erhöhen die Produktionskosten der Unternehmen und
schwächen gleichzeitig die Kaufkraft der privaten Haushalte. Hinzu kommen
Störungen von Lieferketten sowie eine sinkende Investitionsbereitschaft
infolge hoher Unsicherheit. Wirtschaftspolitisch erwarten die Befragten
vor allem fiskalische Maßnahmen zur Stabilisierung der Energieversorgung
und zur Entlastung von Unternehmen und Haushalten. Gleichzeitig steht die
Geldpolitik vor einem Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und der
Stabilisierung der Konjunktur.
