Angesichts der Meningitis-Fälle in England erinnert die DGN an die Bedeutung der Impfung
Die Meningitis ist eine bedrohliche und fulminant verlaufende Krankheit.
Bei Auftreten ist eine sofortige Therapie notwendig, denn auch bei dieser
neurologischen Krankheit gilt „Time is Brain“. Angesichts der aktuellen
Meningitisfälle in Südengland erinnert die Deutsche Gesellschaft für
Neurologie (DGN) an die Bedeutung der Impfung gegen Meningokokken: Diese
schützt jeden einzelnen und kann bei einer hohen Impfquote auch dazu
führen, den Erreger ganz auszuschalten.
Die aktuellen Fälle von Meningitis in Südengland führen in Europa zur
Beunruhigung. In der Tat ist eine Infektion mit Meningokokken eine große
Gefahr. Der Erreger ist hochansteckend und führt zur Entzündung der
Hirnhäute und wenig später auch des Gehirns – man spricht dann von einer
Meningoenzephalitis. Die Erkrankung verläuft fulminant, wird sie zu spät
behandelt, kann es zu schweren Spätfolgen und sogar zum Tode führen.
Typische Spätfolgen dieser neurologischen Infektionskrankheit sind die
Ausfälle einzelner Hirnnerven. Je nachdem, welcher Hirnnerv betroffen ist,
können Sehstörungen, Hörverlust, Lähmungen, aber auch Kognitionsverlust
bis hin zu einer Demenz sein.
„Bei einer Meningitis gilt im Prinzip der gleiche Merksatz wie beim
Schlaganfall: ‚Time is Brain‘. Das bedeutet: Je früher behandelt wird,
desto größer die Chance, die Erkrankung ohne Spätfolgen zu überstehen“,
erklärt Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.
Wichtig ist daher, sich bei Verdacht in der Notfallaufnahme vorzustellen.
„Anfangs werden die Symptome oft mit denen eines harmlosen grippalen
Infekts verwechselt. Aber spätestens, wenn neben Kopfschmerzen auch
Bewusstseinsstörungen oder neurologische Symptome wie epileptische Anfälle
auftreten, muss an eine Meningitis gedacht werden. Betroffene sollten
keine Zeit verlieren und die 112 wählen“, so der Experte. Die
notfallmäßige Blut- und Nervenwasseruntersuchung – bei
Bewusstseinsstörungen oder Herdsymptomen nach einer Computertomographie –
führen rasch zur Diagnose. Bei Personen mit vermuteter bakterieller
Menigitis und neurologischen Symptomen wird die Antibiotika-Therapie sogar
begonnen, bevor überhaupt die bestätigte Diagnose vorliegt. In der Regel
schlägt die Therapie gut und schnell an. Bei Kontaktpersonen erfolgt immer
zur Sicherheit eine sofortige Postexpositionsprophylaxe mit Antibiotika,
bevor sich erste Symptome einstellen.
Die Inzidenz der akuten bakteriellen Meningitis war in den letzten 30
Jahren in Europa rückläufig. Eine Arbeit aus den Niederlanden zeigte, dass
die Inzidenz von 6,37 pro 100.000 Einwohner (1989 bis 1993) auf 1,58 pro
100.000 Einwohner gesunken ist (2014 bis 2019) [1]. Im Jahr 2021 wurden
dem Robert Koch-Institut nur 68 invasive Meningokokkenerkrankungen
gemeldet [1]. „Eine Erklärung für den Rückgang ist die Wirksamkeit der
eingeführten Hygienemaßnahmen während der Corona-Pandemie“, betont Berlit.
Grundsätzlich, aber auch angesichts der aktuellen Todesfälle in England,
rät die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Impfung gemäß den
aktuellen RKI/STIKO-Empfehlungen. „Die Impfung schützt den Geimpften und
trägt dazu bei, dass bei das Meningitisrisiko insgesamt deutlich abnimmt.
Doch durch die Impfmüdigkeit der Bevölkerung haben Infektionskrankheiten
leider wieder Aufwind“, bedauert Prof. Berlit.
[1] Pfister H.-W., Klein M. et al., Ambulant erworbene bakterielle
Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter, S2kLeitlinie, 2023, in: Deutsche
Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und
Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am
19.03.2026)
