Wie lässt sich das Immunsystem beeinflussen? Akademievorlesungsreihe startet im April
Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg veranstaltet im Sommersemester
2026 eine Vorlesungsreihe zum Thema „Immunmodulation“. In den Vorträgen
geht es darum, wie das Immunsystem beeinflusst werden kann. Ebenso geht es
um die Frage, wie das Geschlecht die Immunantwort beeinflusst. Zum Auftakt
spricht Prof. Dr. Samuel Huber vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
(UKE) am 23. April 2026 über den Darm als Schlüssel zum Immunsystem. Die
Vorträge im Gartensaal vom Hotel Baseler Hof in Hamburg beginnen jeweils
um 19:00 Uhr.
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Mechanismen der
Immunregulation und -modulation entdeckt. Ebenso sind neue Verfahren zu
deren Anwendung entwickelt worden. Dazu gehören die Entwicklung
immunbasierter Therapien für Krebs- und Autoimmunerkrankungen oder
Infektionen, aber auch Fortschritte in der Gentherapie zur Korrektur von
Immundefekten und innovative Ansätze zur gezielten Manipulation des
Immunsystems etwa durch Ernährung. Damit wurde und wird die Palette zur
Behandlung zahlreicher Erkrankungen wesentlich erweitert.
Die Akademievorlesungsreihe knüpft an das Thema „Immunmodulation“ des
Hamburger Wissenschaftspreises 2025 an. Als Preisträger ist Prof. Dr.
Florian Klein mit einem Vortrag dabei.
Mehr zum Hamburger Wissenschaftspreis 2025 und zum Preisträger ➤
https://www.awhamburg.de/akade
Donnerstag, 23. April 2026, 19:00 Uhr
„Der Darm als Schlüssel zum Immunsystem: Rolle von Ernährung und
Mikrobiom“
Prof. Dr. Samuel Huber (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)
Der Darm ist weit mehr als ein Verdauungsorgan – er ist das größte und
eines der wichtigsten Immunorgane unseres Körpers. Täglich kommt er mit
Billionen von Mikroorganismen, mit unserer Nahrung und mit zahlreichen
Umweltfaktoren in Kontakt. Das Immunsystem muss dabei eine beeindruckende
Balance halten: Es soll gefährliche Erreger bekämpfen, gleichzeitig aber
harmlose Bakterien und Nahrungsbestandteile tolerieren.
In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass Ernährung und
Darmmikrobiom – also die Gesamtheit unserer Darmbakterien – entscheidend
beeinflussen, wie unser Immunsystem arbeitet. Bestimmte
Stoffwechselprodukte von Darmbakterien können Immunzellen aktivieren oder
beruhigen. So unterstützen sie die Stabilität der Darmbarriere, fördern
Heilungsprozesse oder – wenn das Gleichgewicht gestört ist – tragen zur
Entstehung chronischer Entzündungen bei.
Unsere Forschung zeigt, dass Störungen dieses fein abgestimmten Systems
eine zentrale Rolle bei Erkrankungen wie chronisch-entzündlichen
Erkrankungen und möglicherweise auch bei Krebs spielen. Gleichzeitig
eröffnet das neue Verständnis spannende Perspektiven: Durch gezielte
Beeinflussung von Ernährung, Mikrobiom und Immunreaktionen könnten künftig
neue Ansätze zur Prävention und Therapie entstehen. Der Darm erweist sich
damit als eine Art „Schaltzentrale“ unseres Immunsystems – und als ein
Organ, das weit stärker über unsere Gesundheit entscheidet, als lange
angenommen wurde.
Prof. Dr. Samuel Huber ist seit 2019 Direktor der I. Medizinischen Klinik
am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Seine
Forschungsschwerpunkte liegen in der Immunregulation des Darms,
entzündlichen Darmerkrankungen und entzündungsassoziierter
Tumorentwicklung. Prof. Huber ist Facharzt für Innere Medizin und
Gastroenterologie sowie für Innere Medizin und Infektiologie mit der
Zusatzbezeichnung Immunologie und Transplantationsmedizin.
Moderation: Prof. Dr. Ansgar W. Lohse
Direktor, I. Medizinische Klinik und Poliklinik (Gastroenterologie mit
Sektionen Infektiologie und Tropenmedizin), Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
Donnerstag, 7. Mai 2026, 19:00 Uhr
„Mehr als nur Schutz: Wie Impfungen unser Immunsystem gezielt lenken“
Prof. Dr. Marylyn M. Addo (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)
Impfungen sind weit mehr als Schutz vor Infektionskrankheiten. Der Vortrag
zeigt, wie sie als eine der ältesten gezielten Formen der Immunmodulation
wirken – von der Prävention gegen Infektionen und bestimmten Krebsarten
bis zu neuen therapeutischen Ansätzen wie Impfungen bei chronischer
Hepatitis B. Zudem wird erläutert, wie moderne Impfstoffe das Immunsystem
gezielt lenken und welche Chancen darin für die Zukunft liegen.
Prof. Dr. Marylyn M. Addo ist Professorin für Innere Medizin und Leiterin
der Abteilung für Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf (UKE). Sie ist Gründungsdirektorin des Instituts für
Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung (IIRVD) am UKE. Nach ihrem
Medizinstudium spezialisierte sich Marylyn M. Addo auf
Infektionskrankheiten und Tropenmedizin. Die Arbeit ihres Teams trug zur
Entwicklung von Impfstoffkandidaten gegen Ebola und MERS sowie zur
globalen Reaktion auf die COVID-19-Pandemie bei.
Moderation: Prof. Dr. Stefan Rose-John
Professor emeritus für Biochemie und ehemaliger Direktor des Instituts für
Biochemie an der Christian-Albrechts-Universitä
Akademie der Wissenschaften in Hamburg
Donnerstag, 4. Juni 2026, 19:00 Uhr
„Antikörper in der Infektionsmedizin: Wege zu einer neuen Generation in
der Immuntherapie“
Prof. Dr. Florian Klein (Universitätsklinikum Köln)
Im Jahr 2019 veröffentlichte die WHO die zehn größten Gefahren für die
menschliche Gesundheit. Dazu gehörten sechs Themen aus dem unmittelbaren
Bereich der Infektionsmedizin (Influenza, Antibiotikaresistenz, Ebola,
Dengue-Fieber, HIV, Impfskepsis) sowie weitere Gefahren wie der
Klimawandel, der das Risiko für Infektionskrankheiten zusätzlich erhöht.
Einige Monate später breitete sich das neu aufgetretene Virus SARS-CoV-2
aus.
Antikörper können infektiöse Krankheitserreger spezifisch erkennen und
neutralisieren und spielen eine entscheidende Rolle beim Schutz vor
Infektionskrankheiten. Ziel der Forschung ist es, zentrale Prinzipien der
humoralen Immun-Antwort zu identifizieren und hochwirksame
neutralisierende Antikörper für therapeutische Anwendungen zu entwickeln.
Um die besonderen Eigenschaften und das große Potenzial monoklonaler
Antikörper für die Infektionsmedizin zu nutzen, werden die molekularen
Mechanismen der Antikörper-Antigen-Interaktion detailliert untersucht,
verbesserte Methoden zur Isolierung hochpotenter Antikörperkandidaten
entwickelt und Strategien für deren effektiven klinischen Einsatz
erarbeitet. Darüber hinaus besteht das Ziel, grundlegende Erkenntnisse zu
gewinnen, die zur Entwicklung innovativer Immuntherapien und
Impfstrategien beitragen.
In dem Vortrag werden exemplarisch verschiedene Infektionserreger und
deren mögliche Bekämpfung durch Antikörper vorgestellt. Anhand dieser
Beispiele erläutert Florian Klein, warum heutige Antikörper eine neue
Generation von Immuntherapeutika darstellen und welche präventiven wie
auch therapeutischen Möglichkeiten sich daraus ergeben.
Prof. Dr. Florian Klein ist Direktor und Lehrstuhlinhaber des Instituts
für Virologie an der Uniklinik Köln. Er erforscht die Entwicklung
menschlicher B-Lymphozyten und deren Produktion von Antikörpern, die gegen
virale Erreger wie HIV, SARS-CoV-2, Hepatitis-C- und Ebolaviren gerichtet
sind. Sein besonderes Interesse gilt den sogenannten breit-
neutralisierenden monoklonalen Antikörpern, die er für die Prävention und
Therapie von Infektionskrankheiten entwickelt. Florian Klein zählt seit
mehreren Jahren zu den weltweit meistzitierten Wissenschaftlern in seinem
Fach. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde er vielfach
ausgezeichnet, unter anderem mit dem Georges-Köhler-Preis der Deutschen
Gesellschaft für Immunologie, dem Preis für Translationale
Infektionsforschung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, dem
Deutschen AIDS-Preis sowie zuletzt mit einem ERC Synergy Grant und dem
Hamburger Wissenschaftspreis 2025. Seit 2025 ist er zudem Mitglied der
Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.
Moderation: Prof. Dr. Ansgar W. Lohse
Direktor, I. Medizinische Klinik und Poliklinik (Gastroenterologie mit
Sektionen Infektiologie und Tropenmedizin), Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
Donnerstag, 25. Juni 2026, 19:00 Uhr
„Wie beeinflusst das Geschlecht die Immunantwort?“
Prof. Dr. Marcus Altfeld (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)
Unser Immunsystem schützt uns vor Infektionen und Krebserkrankungen. Diese
Funktionen des Immunsystems unterscheiden sich zwischen Frauen und
Männern. Allgemein entwickeln Frauen eine stärkere Immunantwort gegen
Krankheitserreger und Impfstoffe, was zu einer schnelleren Beseitigung von
Infektionen führen kann. Diese bessere Immunreaktion führt jedoch dazu,
dass insbesondere Frauen häufiger von Autoimmunerkrankungen betroffen
sind. In dem Vortrag werden die neusten Erkenntnisse zur Rolle von
Geschlechtshormonen und Geschlechtschromosomen für die Funktion des
Immunsystems diskutiert. Ein besseres Verständnis der Mechanismen, die
Geschlechtsunterschieden in der Immunität zugrunde liegen, ebnen den Weg
für neue Behandlungsstrategien für immunvermittelte Erkrankungen.
Prof. Dr. Marcus Altfeld studierte Medizin in Köln und Paris und
absolvierte anschließend seine Postdoktorandenausbildung in London und
Boston. Von 2003 bis 2013 war er Professor an der Harvard Medical School
und Steering Committe Mitglied des Ragon Institute of MGH, MIT and Harvard
in Boston. Im Jahr 2013 wurde Marcus Altfeld an das Leibniz Institut für
Virologie (LIV) in Hamburg und das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
(UKE) berufen. Seit 2017 ist er Direktor des Instituts für Immunologie am
UKE und seit 2024 wissenschaftlicher Direktor des LIV. Marcus Altfeld
untersucht mit seiner Arbeitsgruppe antivirale Immunantworten und die
Mechanismen, die es dem Immunsystem ermöglichen, Virusinfektionen zu
kontrollieren. Ein Fokus seiner Forschung liegt dabei auf den
geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Immunantwort gegen Viren.
Moderation: Prof. Dr. Ansgar W. Lohse
Direktor, I. Medizinische Klinik und Poliklinik (Gastroenterologie mit
Sektionen Infektiologie und Tropenmedizin), Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
Ort der Vortragsreihe: Gartensaal vom Hotel Baseler Hof
Esplanade 15, 20354 Hamburg
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Für die Teilnahme im Baseler Hof ist eine Anmeldung erforderlich unter
Sie erhalten von uns eine Bestätigung.
Über gegebenenfalls eintretende kurzfristige Änderungen informieren Sie
sich bitte zeitnah zur Veranstaltung auf unserer Website
https://www.awhamburg.de
Aktuelle Forschung verständlich erklären – darum geht es in den
Vorlesungsreihen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. In vier
Vorträgen werden verschiedene Aspekte eines Themas beleuchtet und so ein
vertiefter Einblick in das jeweilige Themengebiet ermöglicht.
