Bessere Deutschkenntnisse für Vorschulkinder
Modellphase mit „WUSCHEL-App“ testet Sprachstand von 2.000 Vierjährigen im
SaarlandJe früher ein Vorschulkind die Landessprache beherrscht, desto besser sind
seine Bildungschancen. Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sind
hier häufig benachteiligt. Nach intensiver Forschung geht im April 2026
das digitale Kinderspiel „WUSCHEL“ in saarländischen Kitas an den Start.
Ziel ist es, den Sprachstand von Vierjährigen flächendeckend zu testen, um
bei Bedarf individuelle Fördermaßnahmen auf den Weg zu bringen. Die
Entwicklung der spielerischen App wurde im Rahmen eines langjährigen
Forschungsprojekts von der Daimler und Benz Stiftung mit 1,3 Millionen
Euro gefördert.
„WUSCHEL ist ein innovatives und vor allem wissenschaftlich fundiertes
Verfahren, das die Kommunikationskompetenz von Vorschulkindern messen kann
– unabhängig von deren persönlichen Biografien“, erklärt Prof. Dr.
Stefanie Haberzettl, Lehrstuhl Deutsch als Fremd- und Zweitsprache,
Universität des Saarlandes. Die Germanistin betreut den Einsatz der
WUSCHEL-App, mit der im Saarland ab April rund 2.000 Kinder getestet
werden sollen. Dies gehört zur Modellphase des Programms „Startklar
Deutsch – alle Chancen für alle Kinder“, das das saarländische Ministerium
für Bildung und Kultur ausgerufen hat. Geplant ist, im Rahmen der
Schulanmeldung künftig den Sprachstand aller Kinder zu erfassen.
Die App misst die Sprachkompetenzen von vier- bis sechsjährigen Kindern –
es ist ein Serious Game mit dem Hund „Wuschel“. Das zu testende Kind wird
über ein Tablet spielerisch in eine 25-minütige Abenteuergeschichte
verwickelt, wobei es dem etwas schusseligen Hund intuitiv zur Seite steht.
Es muss ihm in Form von Instruktionen, Beschreibungen oder Berichten immer
wieder aus der Patsche helfen. Die Sprache des Kindes wird dabei
transkribiert und durch einen linguistischen Algorithmus ausgewertet. Es
entsteht eine differenzierte Aussage über die kommunikativen Fähigkeiten
des Kindes, auf deren Grundlage bei Bedarf konkrete Fördermaßnahmen
abgeleitet werden können. Haberzettl betont: „Durch den Einsatz von
WUSCHEL sparen die Fachkräfte in den Kitas Zeit und gewinnen Hinweise, wie
sie den Erwerb des Deutschen frühzeitig unterstützen können.“
Seinen Startpunkt fand das mit 1,3 Millionen Euro geförderte Projekt
„Sprachstandsermittlung bei Kindern mit Migrationshintergrund“ bereits im
Jahr 2014 im Rahmen der Förderlinie „Ladenburger Kolleg“ der Daimler und
Benz Stiftung. Prof. Dr. Jörg Roche, Institut für Deutsch als Fremdsprache
der Ludwig-Maximilians-Universität München, war langjähriger
Projektleiter: „Begonnen haben wir mit völlig ergebnisoffener
Grundlagenforschung zur Entwicklung dieses spielerischen Diagnose-Tools.
Unser Ziel war es, ein praktisches und einfach handhabbares Werkzeug für
den Einsatz im Kita-Alltag zu entwickeln.“
Das interdisziplinäre Forscherteam hat durch das Förderprojekt den
wissenschaftlichen Nachweis erbracht, dass man die Sprachstandsdiagnose
valide, objektiv und fair gestalten kann. Auf Basis einer solchen Erhebung
lassen sich Kinder mit Förderbedarf dann zielgerichtet unterstützen. Nach
der langjährigen Entwicklungsarbeit freuen sich Roche und Haberzettl über
den großflächigen Praxiseinsatz der innovativen WUSCHEL-App im Saarland.
Sie hoffen, dass das spielerische Diagnose-Tool in allen deutschsprachigen
Ländern Standard wird. „Im Augenblick arbeiten wir zusätzlich an einem
WUSCHEL-Förderkosmos“, gibt Roche einen Ausblick. Geplant sind
weiterführende Materialien, die in Kitas und Schulen zur individuellen
Sprachförderung eingesetzt werden können und damit die WUSCHEL-App
komplettieren.
Ladenburger Kollegs
Die Förderlinie „Ladenburger Kolleg“ bietet Wissenschaftlern die
Möglichkeit, innerhalb eines interdisziplinären Forschungsverbunds
Themenstellungen über einen längeren Zeitraum zu bearbeiten. Unter der
Leitung eines wissenschaftlichen Koordinators mit Sprecherfunktion wird
das Forschungsthema von mehreren Arbeitsgruppen an unterschiedlichen
wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland bearbeitet.
Daimler und Benz Stiftung
Die Daimler und Benz Stiftung fördert Wissenschaft und Forschung. Dazu
richtet sie innovative und interdisziplinäre Forschungsformate ein. Ein
besonderes Augenmerk legt die Stiftung durch ein Stipendienprogramm für
Postdoktoranden sowie die Vergabe des Bertha-Benz-Preises auf die
Förderung junger Wissenschaftler. Mehrere Vortragsreihen sollen die
öffentliche Sichtbarkeit von Wissenschaft stärken und deren Bedeutung für
unsere Gesellschaft betonen.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung
weiblicher und männlicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche
Personenbezeichnungen gelten für Personen aller Geschlechter. Wir möchten
die in den Texten der Stiftung verwendete Form als geschlechtsneutral und
wertfrei verstanden wissen.
