DEGUM fordert: Stoßwellentherapie bei der Kalkschulter sollte eine Kassenleistung werden
Die Kalkschulter ist eine häufige Ursache für Schulterschmerzen.
Bis zu 7,5 Prozent der Bevölkerung leiden darunter – vor allem Menschen
zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Häufig verursacht die Kalkschulter
Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Bei chronischen Verläufen
empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V.
(DEGUM) die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), da dadurch der
Krankheitsverlauf deutlich verkürzt – und manchmal sogar eine Operation
verhindert werden kann. Momentan ist die Therapie jedoch eine individuelle
Gesundheitsdienstleistung (IGeL), die von den Patientinnen und Patienten
selbst finanziert werden muss.
Experten der DEGUM fordern nun auf ihrer Online-Pressekonferenz am 17.
März 2026 von 11 bis 12 Uhr, dass dieses therapeutische
Ultraschallverfahren von den Krankenkassen finanziert werden sollte. Hier
geht es zur Anmeldung: https://events.teams.microsoft
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Eine Kalkschulter (Tendinosis calcarea) verursacht oft starke Schmerzen.
Durch die Kalkablagerungen wird der Raum unter dem Schulterdach eng – es
kommt zum Schulterengpass-Syndrom, dem Impingement-Syndrom; oft wird in
diesen Fällen die Supraspinatussehne eingeklemmt. Dann können häufig
selbst einfache Tätigkeiten wie Zähneputzen nahezu unmöglich werden.
„Verschiedene Risikofaktoren und Ursachen können die Wahrscheinlichkeit
für das Auftreten von Verkalkungen im Bereich der Rotatorenmanschette
erhöhen, so zum Beispiel degenerative Veränderungen der Sehnen,
mechanische Überbelastung oder auch hormonelle und
Stoffwechselerkrankungen“, erklärt Dr. Peter Keysser, stellvertretender
Leiter des DEGUM-Arbeitskreises Bewegungsorgane.
Ultraschall als erstes Diagnoseinstrument bei der Kalkschulter
Die Erkrankung verläuft typischerweise phasenweise. Im Prinzip können sich
die Kalkdepots (Kalzifizierungen) auch von selbst wieder auflösen
(Resorption); das ist jedoch häufig ein langwieriger Prozess, der jedoch
auch zu einer deutlichen Verschlimmerung des Schmerzes führen kann.
Der diagnostische Ultraschall ist die Methode der Wahl zur
Diagnosestellung und Lokalisation der Verkalkungen. Mit modernen
Ultraschallgeräten können Ultraschall-Expertinnen und -Experten das
Stadium der Erkrankung erkennen und gleichzeitig Defekte der
Rotatorenmanschette, Schleimbeutelentzündungen oder rheumatologische
Ursachen entdecken. „Im Gegensatz zur konventionellen Diagnostik mittels
Röntgen, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie ist die
Sonografie für die Patientinnen und Patienten völlig belastungsfrei,
kostengünstig und jederzeit verfügbar“, erläutert Keysser die Vorteile es
Ultraschalls. Die sonografische Darstellung der Kalkschulter wird von den
Krankenkassen finanziert.
Therapeutischer Ultraschall wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend
Therapeutischer Ultraschall bei Reizzuständen der Schulter kann im Rahmen
der physikalischen Therapie eingesetzt werden und fördert die Durchblutung
des Gewebes, hat einen schmerzlindernden, entzündungshemmenden Effekt und
kann auf Rezept verordnet werden.
Stoßwellentherapie (ESWT) kann bei chronischen Verläufen erfolgreich
eingesetzt werden
Anders gestaltet sich die Finanzierung des „therapeutischen Ultraschalls“
bei der Kalkschulter. Die extrakorporale Stoßwellentherapie, die effektiv
zur Behandlung von Kalkdepots eingesetzt werden kann, ist derzeit eine
IGeL-Leistung – muss also von den Patientinnen und Patienten selbst
finanziert werden. „Wenn alle konservativen Maßnahmen wie medikamentöse
Therapie, Physiotherapie und physikalische Therapie ausgeschöpft sind,
kann mit der Stoßwellentherapie der Krankheitsverlauf in vielen Fällen
deutlich abgekürzt werden“, so Keysser. „Der mechanische Reiz der
Stoßwellen löst von außen Druckimpulse aus, die innerhalb des Körpers
wirksam werden und somit den Heilungsprozess „anstoßen“ und beschleunigen
können.“ Da das Verfahren häufig effektiv ist, sollte es nach Ansicht der
DEGUM unter bestimmten Voraussetzungen zur Kassenleistung werden, so wie
das seit einiger Zeit bei der Fasciitis plantaris („Fersensporn“) der Fall
ist.
Es gibt zwei Verfahren: die radiale und die fokussierte
Stoßwellentherapie. Bei der fokussierten Stoßwellentherapie werden
höherenergetische Schallwellen als bei der radialen Stoßwellentherapie
verwendet und – wie der Name sagt – die zu behandelnde Struktur wird
punktgenau adressiert. Die radiale Stoßwellentherapie wirkt eher flächig
und nicht so tief – dafür ist sie weniger schmerzhaft. „In der Regel sind
3 bis 5 Sitzungen im Abstand von jeweils einer Woche erforderlich“,
ergänzt Keysser, „und meiner Erfahrung nach beträgt die Erfolgsrate etwa
60 Prozent.“
Die Kosten der fokussierten Stoßwellentherapie liegen deutlich über denen
der radialen Stoßwellentherapie. Bei beiden Verfahren im Bereich der
Schulter handelt es sich um eine sogenannte IGeL-Leistung Krankenkassen.
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten meistens nicht: Ihrer
Meinung nach ist die Wirkung noch nicht ausreichend wissenschaftlich
belegt, weil die Studien zu klein und die Ergebnisse widersprüchlich
seien. „Der Wirkmechanismus und die Erfolgsraten sind jedoch inzwischen so
gut belegt, dass wir seitens der DEGUM eine Kostenübernahme der Verfahren
unter bestimmten Voraussetzungen durch die Krankenkassen fordern“, so der
DEGUM-Experte. „Patientinnen und Patienten mit einer schmerzhaften
Kalkschulter, die mit einer Stoßwellentherapie behandelt werden, sind
häufig deutlich schneller wieder arbeitsfähig und können früher wieder
Sport treiben.“ Zudem könne durch die Stoßwellentherapie der Kalkdepots in
vielen Fällen sogar eine Operation vermieden werden.
Quelle:
S2e-Leitlinie der Deutschsprachig Internationalen Gesellschaft für
Extracorporale Stoßwellentherapie e.V., DIGEST,
in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für
Stoßwellenlithotrypsie und -therapie; DGSWL, aktualisiert 01/2024, S. 25
ff., Version 3.0
