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Interdisziplinäre Behandlung für kleine Patientinnen und Patienten in der Protonentherapie etabliert

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Kombinierte Sprechstunde macht Wege kürzer und verbessert die Versorgung.
Angebot bündelt pädiatrische Onkologie, pädiatrische Psychoonkologie,
Strahlentherapie und Kinderanästhesie. Zugang zu ergänzender
therapeutischer Unterstützung wird unkompliziert ermöglicht und
vermittelt.



Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ist ein deutschlandweit
einmaliges interdisziplinäres kinderonkologisch-strahlentherapeutisches
Behandlungsangebot für Patientinnen und Patienten in der Protonentherapie
etabliert worden. Deutschlandweit gibt es nur vierProtonenanlagen
(Dresden, Essen, Heidelberg, Marburg). Ist bei Kindern mit einer
Krebserkrankung eine Bestrahlung notwendig, wird diese fast immer mit
Protonen durchgeführt. Das   interdisziplinäre Behandlungsangebot führt
nun alle beteiligten Professionen zusammen: pädiatrische Onkologie,
Radioonkologe, MTRA, Case Management, pädiatrische Psychoonkologie,
Kinderanästhesie und die pädiatrische Fachpflege. Das gemeinsame Ziel:
eine ganzheitliche, individuelle und kindgerechte Behandlung – von der
ersten Diagnose bis zur Entlassung. „Das Beispiel zeigt: Es genügt nicht
allein, Diagnostik und Therapie auf höchstem Niveau anzubieten. Wir müssen
uns auch darum kümmern, wie es den Patientinnen und Patienten geht und
Angebote der Entlastung schaffen. Das ist hier hervorragend gelungen“,
sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum.

Teamgeist und die fachübergreifende Zusammenarbeit auf Augenhöhe zum Wohle
der Patientinnen und Patienten in der Kinderonkologie – das ist das
gemeinsame Ziel der Mitarbeitenden im neuen interdisziplinären
Behandlungsangebot in der Protonentherapie. Deutschlandweit gibt es 2.200
Neudiagnosen von Krebserkrankungen bei Kindern pro Jahr. Etwa 15 Prozent
der Patientinnen und Patienten werden im Kampf gegen die Krebserkrankung
bestrahlt. Mitunter finden parallel zu den Bestrahlungen eine
Chemotherapie sowie weitere therapeutische Maßnahmen statt. Das neue
Behandlungskonzept am Universitätsklinikum bringt Medizinerinnen und
Mediziner aus verschiedenen Fachbereichen zusammen mit den Eltern an einen
Tisch. „Durch die interdisziplinäre kinderonkologisch-
strahlentherapeutische Sprechstunde, abgestimmte Therapiepläne und kurze
Kommunikationswege profitieren nicht nur die kleinen Patientinnen und
Patienten, sondern auch ihre Familien enorm. Das Team möchte
sicherstellen, dass jedes Kind genau die Unterstützung erhält, die es für
seine Genesung braucht“, sagt Dr. Claudia Zinke, Kinderonkologin und
Kinderneurologin. „So können Fragen zum Verlauf und Therapiefortschritten
fächerübergreifend beantwortet und die Eltern aus unterschiedlichen
Fachperspektiven gemeinsam beraten werden“, ergänzt Prof. Dr. Denis
Schewe, Leiter des Kinderonkologischen Zentrums am Uniklinikum Dresden.
Zusätzlich steht den Familien eine Kinderpsychologin für Einzel-, Eltern-,
Geschwister- und Familiengespräche zur Verfügung. Das schafft Vertrauen
und gibt Sicherheit in einer extrem herausfordernden Zeit.

Einige der jungen Patientinnen und Patienten benötigen neben der
onkologischen Behandlung zusätzliche therapeutische Unterstützung. Dazu
zählen beispielsweise ambulante Physiotherapien oder eine begleitende oder
anschließende neurologische Rehabilitation. „Dank unserer engagierten
Kooperationspartner können wir auch diesen Kindern eine ganzheitliche
Betreuung ermöglichen.  In unserer interdisziplinären Sprechstunde
arbeiten wir eng mit ambulanten Physiotherapiepraxen zusammen und
vermitteln bei Bedarf den passenden Kontakt. So stellen wir sicher, dass
neben der notwendigen Strahlen- oder Chemotherapie auch wichtige
physiotherapeutische Maßnahmen stattfinden können“, sagt Dr. Claudia
Zinke. Besonders bewährt hat sich zudem die langjährige Zusammenarbeit mit
der kinderneurologischen Rehabilitationsklinik Bavaria
Kreischa/Zscheckwitz. Durch die kurzen Wege und die etablierte Kooperation
gelingt es häufig, dass Kinder mit neurologischem Rehabilitationsbedarf –
etwa bei Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen oder Mobilitätseinschränkungen
– bereits während ihrer Protonentherapie gezielt gefördert werden. So
können viele von ihnen am Ende der Behandlung nicht nur medizinisch
stabilisiert, sondern auch mit sichtbaren Fortschritten in ihre
Heimatklinik zurückkehren. Alle Kinder erhalten zusätzlich die Möglichkeit
zur Teilnahme an Klinikschule, Musik-, Kunst- und Sporttherapie.

„Fortschritte in der Kinderonkologie sind ohne eine starke,
interdisziplinäre Forschung und Zusammenarbeit nicht denkbar“, betont
Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und
Direktorin der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und
Radioonkologie. Prof. Mechthild Krause, Direktorin der Klinik und
Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie führt weiterhin aus
„Als Radioonkologin habe ich regelmäßig Kontakt zu krebskranken Kindern
und ihren Familien, vor allem vor dem Hinter-grund der in Dresden
angebotenen Protonentherapie. Es ist wichtig, Therapien
weiterzuentwickeln, die nicht nur wirksam sind, sondern junge Patientinnen
und Patienten langfristig möglichst wenig belasten. Dazu gehört
zweifelsohne auch, Diagnosen und Therapien fachübergreifend verständlich
zu kommunizieren und Raum für Fragen zu geben.“

In Dresden werden jedes Jahr etwa 60 Kinder und Jugendliche mittels
Protonentherapie bestrahlt. Das Team arbeitet stetig daran, die Versorgung
zu optimieren, damit diese für die Patientinnen und Patienten so angenehm
wie möglich ist. Mit Entspannungsübungen, VR-Brillen, Musik sowie Methoden
zur Angstreduktion soll erreicht werden, die Bestrahlung möglichst ohne
Narkose durchzuführen. Dabei ist eine ruhige Lage unerlässlich. „Aktuell
kommen wir meist bereits bei Sechsjährigen ohne Anästhesie aus. Unser Ziel
ist es, die Altersgrenze weiter zu senken – natürlich immer mit Blick
darauf, dass es den Kindern gut geht“, sagt Strahlentherapeutin Dr. Chiara
Valentini.