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Geld allein reicht nicht – Verteidigungsausgaben neu justieren

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Durch die Aufrüstung gibt Europa inzwischen mehr für Verteidigung aus als
alle Länder außer den USA – doch militärisch bleibt Europa ein Zwerg.
Zudem zeigt der anhaltende Irankrieg, wie kostengünstige,
massenproduzierte autonome Systeme teure, traditionelle
Verteidigungssysteme herausfordern. Europa muss seine Ausgaben anpassen,
um den grundlegenden Veränderungen in der Ökonomie der Verteidigung
Rechnung zu tragen. Eine neue Analyse des Kiel Instituts für
Weltwirtschaft zeigt, warum Europa so wenig strategischen Ertrag aus jedem
Euro zieht. Sie präsentiert „fünf Prinzipien für kluge
Verteidigungsausgaben“, mit denen die Region – insbesondere Deutschland
mit dem größten Etat – (...)



(...)  ihre erheblichen Ressourcen effektiver nutzen könnte.

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Der Kiel Policy Brief „Time to Spend Smart: Ökonomische Leitlinien für
kluge Verteidigungsausgaben“ (https://www.kielinstitut.de/de/publikationen
/time-to-spend-smart-oekonomische-leitlinien-fuer-kluge-

verteidigungsausgaben-19559) zeigt, dass Europas Militärausgaben von etwa
550 Mrd. USD im Jahr 2025 nicht nur respektable 60 Prozent des
weltumspannenden US-Wehretats von 920 Mrd. USD ausmachten, sondern auch
rund 50 Prozent über den geschätzten militärischen Gesamtausgaben Chinas
lagen und etwa dreimal so hoch wie Russlands waren.  Dennoch steht die
Region weiterhin vor kritischen Lücken in militärischen Fähigkeiten, von
Weltraum- und Kommunikationssystemen bis hin zu Künstlicher Intelligenz
(KI).

„Europa muss sich darauf konzentrieren, den militärischen Output seiner
sehr hohen finanziellen Eingaben zu maximieren – es muss mehr Ertrag aus
jedem Euro ziehen, um endlich seine Möglichkeiten voll auszuschöpfen“,
sagt Moritz Schularick (https://www.kielinstitut.de/de/expertinnen-und-
experten/moritz-schularick/
), Präsident des Kiel Instituts und Koautor des
Berichts. „Europas Schwäche beruht auf der enormen Ineffizienz seiner
Verteidigungsausgaben: Die Streitkräfte bleiben auf nationaler Ebene
fragmentiert, was zu niedrigen Produktionsvolumina von Waffen, hohen
Stückkosten, begrenzter Spitzentechnologie und politisch mächtigen
nationalen Champions führt.“

Europa verfügt beispielsweise über 14 verschiedene Hauptkampfpanzer-
Modelle im Vergleich zu einem Modell der USA sowie über 16 U-Boot-Typen im
Vergleich zu vier amerikanischen Typen – und steigende Militärausgaben
ohne neue Herangehensweise dürften diese Ineffizienzen weiter verstärken.
Ein Blick auf Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas mit rasant
steigenden Verteidigungsausgaben, verdeutlicht, dass die Region ihre
Schlüsselvorteile – Kapital und Innovation – nicht ausreichend nutzt, um
die neuen Mittel für die militärische Verteidigung optimal einzusetzen.

Bislang hat Deutschland weder nennenswerte Investitionen in Waffen der
nächsten Generation getätigt noch seine vorhandene industrielle Basis
aktiviert, um die Produktion zu steigern. Von den 2022 vereinbarten
zusätzlichen Wehrausgaben in Höhe von 100 Mrd. EUR waren lediglich 3
Prozent für autonome Systeme, Rechenzentren und Satelliten – statt für
Panzer und Flugzeuge – vorgesehen. Die Ausgaben für Forschung und
Entwicklung (F&E) liegen weiterhin bei nur 2 Prozent der
Verteidigungsausgaben – weniger als ein Fünftel des US-Niveaus – und
zusammen mit Europa produziert Deutschland nach wie vor nicht genügend
Munition oder Luftabwehrsysteme.

„Deutschland und Europa sollten sich ein Beispiel an der Ukraine nehmen
und massiv in autonome, unbemannte Systeme und andere Innovationen
investieren“, sagt Johannes Binder (https://www.kielinstitut.de/de
/expertinnen-und-experten/johannes-binder/
), Forscher am Kiel Institut und
Koautor des Berichts. „Wir haben bisher nicht ausreichend in den Schutz
vor Drohnen investiert und würden uns heute in derselben Situation
befinden wie die Golfstaaten, die mit massenhaft produzierten Low-Tech-
Drohnen mit erheblichem Zerstörungspotenzial konfrontiert sind.

Europa kann seine militärischen Fähigkeitslücken schließen – Geld allein
wird dafür allerdings nicht reichen. Die Region benötigt eine strategische
Herangehensweise, die sowohl wirtschaftliches Kapital als auch technische
Innovationen optimal mobilisiert. Der Bericht schlägt fünf Prinzipien vor,
um eine von Technologie und Automatisierung geprägte
Verteidigungsindustrie zu fördern. Europäische Länder müssen:

1. Mehr in militärische F&E investieren – Deutschland allein sollte seine
Mittel auf 10 Prozent des Verteidigungsbudgets bzw. 10–15 Mrd. EUR pro
Jahr vervierfachen – und durch eine agil gestaltete und autonomere
Beschaffung Innovationen auch gezielt einkaufen;

2. Auf großen Waffenbedarf in Konfliktfällen vorbereitet sein, indem sie
Kapazitätsverträge abschließen, die der Industrie die Bereithaltung von
Produktionsstätten finanzieren, die bei Bedarf schnell hochgefahren werden
können;

3. Von der Ukraine lernen, indem sie die verteidigungswirtschaftliche
Integration mit dem effizientesten und innovativsten regionalen
Sicherheitsakteur vorantreiben und die militärische Unterstützung von 5–6
Prozent ihrer Verteidigungsausgaben erhöhen;

4. Die Waffenbeschaffung zentralisieren und die Produktion harmonisieren,
um einen europäischen Verteidigungsmarkt zu schaffen, der durch
Skaleneffekte Kosten senkt und die Interoperabilität nationaler Armeen
sowie die Produktionsplanung verbessert;

5. Gemeinschaftliche Eurobonds ausgeben, um fehlende, hoch
kapitalintensive militärische Assets wie Satelliten, Langstreckenraketen
oder KI zu entwickeln.

Kiel Policy Brief jetzt lesen: Time to Spend Smart: Ökonomische Leitlinien
für kluge Verteidigungsausgaben
(https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/time-to-spend-smart-
oekonomische-leitlinien-fuer-kluge-verteidigungsausgaben-19559
)