Indien und Deutschland vereinbaren enge Zusammenarbeit im Bereich des maritimen Erbes
Absichtserklärung zwischen dem Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) /
Leibniz-Institut für Maritime Geschichte in Bremerhaven und dem National
Maritime Heritage Complex Lothal unterzeichnet
Mit dem Besuch der indischen Generalkonsulin Soumya Gupta am Deutschen
Schifffahrtsmuseum vor zwei Wochen erhielt der deutsch-indische Austausch
im Bereich des maritimen Erbes einen wichtigen Impuls. Neben einem
Rundgang durch die Dauer- und Sonderausstellungen stand dabei vor allem
die Vertiefung der Kooperation im Mittelpunkt. Der persönliche Austausch
markierte zugleich einen weiteren Schritt hin zu einer strukturell
verankerten Partnerschaft zwischen beiden Ländern.
Diese strategische Annäherung fand bereits im Januar auf höchster
politischer Ebene Ausdruck: Im Rahmen des ersten Südasienbesuchs von
Bundeskanzler Friedrich Merz Anfang des Jahres unterzeichneten Indien und
Deutschland eine bedeutende Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im
Bereich der Schifffahrtsmuseen. Ziel der Vereinbarung ist es, das maritime
Erbe beider Länder gemeinsam zu erforschen, zu bewahren und international
sichtbar zu machen.
Im Zentrum der Kooperation stehen das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) /
Leibniz-Institut für Maritime Geschichte und der National Maritime
Heritage Complex (NMHC) im indischen Lothal. Die Unterzeichnung des
Memorandum of Understanding (MoU) erfolgte in Anwesenheit des indischen
Premierministers Shri Narendra Modi und des Bundeskanzlers Friedrich Merz.
Premierminister Modi bezeichnete die Vereinbarung als „einen historischen
Schritt, der die maritime Geschichte unserer beiden Länder miteinander
verbinden wird“.
Konkrete Maßnahmen und gemeinsame Ziele
Die Absichtserklärung sieht eine enge Zusammenarbeit in mehreren Bereichen
vor, darunter gemeinsame Forschungsprojekte, Experten- und
Wissenschaftleraustausch, akademische und berufliche Austauschprogramme,
Workshops sowie die gemeinsame Nutzung von Archiv- und
Forschungsressourcen. Ziel ist es, die wissenschaftliche Tiefe, die
kuratorische Qualität und die internationale Perspektive der Ausstellungen
und Galerien des NMHC in Lothal weiter auszubauen.
Prof. Dr. Ruth Schilling, Direktorin am DSM: „Die Unterzeichnung dieser
Absichtserklärung ist ein bedeutender Schritt für die internationale
Zusammenarbeit im Bereich des maritimen Erbes. Das Meer war und ist ein
geteilter Raum des Austauschs, der Innovation und der Begegnung – mit
dieser Partnerschaft verbinden wir die Seefahrtsgeschichten Indiens und
Deutschlands auf wissenschaftlicher, musealer und kultureller Ebene. Wir
freuen uns darauf, gemeinsam neue Perspektiven auf maritime Geschichte zu
eröffnen und den Dialog zwischen unseren Institutionen nachhaltig zu
vertiefen.“
Durch die Verbindung der international anerkannten Expertise des Deutschen
Schifffahrtsmuseums mit der Vision des NMHC, das reiche maritime Erbe
Indiens umfassend zu präsentieren, soll die Partnerschaft einen
nachhaltigen Beitrag zur Wissensgenerierung, zum Kapazitätsaufbau und zur
Weiterentwicklung der maritimen Museologie leisten. Einzelheiten zu Umfang
und Dauer der Zusammenarbeit werden in den kommenden Monaten
konkretisiert.
Teil eines umfassenden bilateralen Kooperationspakets
Die Vereinbarung ist Teil eines umfassenderen Pakets bilateraler
Absichtserklärungen zwischen Indien und Deutschland, das auch
Kooperationen in den Bereichen Verteidigung – einschließlich maritimer
Sicherheit –, Kompetenzentwicklung, Gesundheit und Bildung umfasst. Sie
unterstreicht den gemeinsamen Anspruch beider Länder, ihre Beziehungen
nicht nur wirtschaftlich und politisch, sondern auch kulturell und museal
zu intensivieren.
Internationale Sichtbarkeit beim Raisina Dialogue
In der vergangenen Woche nahm Prof. Dr. Ruth Schilling als Rednerin am
Raisina Dialogue, Indiens führender Konferenz zu Geopolitik und
Geoökonomie, die seit 2016 jährlich in Neu-Delhi stattfindet, teil. Diese
dreitägige Veranstaltung wurde von der Observer Research Foundation in
Zusammenarbeit mit dem indischen Außenministerium organisiert und bringt
weltweit führende Politikschaffende, Entscheidungsträgerinnen und -träger,
Forschende und Branchenexpertinnen und -experten zusammen, um zentrale
internationale Fragen zu diskutieren. Prof. Dr. Ruth Schillings Teilnahme
unterstreicht die wachsende Bedeutung kultureller und wissenschaftlicher
Kooperationen im geopolitischen Kontext und bietet zugleich eine
Plattform, die neue deutsch-indische Partnerschaft im Bereich des
maritimen Erbes einem hochrangigen internationalen Publikum vorzustellen.
