KIT-Experten zum Meteorit von Koblenz: Mit Erdbebenmessstationen die Flugbahn eines Meteoroids sehr genau bestimmen
Am gestrigen Sonntagabend (08.03.2026) ist gegen 19:00 Uhr ein heller
Meteor über Deutschland beobachtet worden. Zahlreiche Augenzeugen meldeten
einen Feuerball am Himmel; in Koblenz durchschlug ein Bruchstück ein
Hausdach. Erste Bahnberechnungen stammen unter anderem von der
International Meteor Organization (IMO), die auf optische Beobachtungen
zurückgreift.
Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)
konnten das Ereignis nun mit einer anderen Methode analysieren und eine
genauere Flugbahn berechnen. Dazu werteten sie Signale von
Erdbebenmessstationen aus.
„Beim Eintritt in die Atmosphäre erzeugt ein schneller Meteoroid eine
Druckwelle, die sich wie ein Mach-Kegel – also der typische
Überschallkegel eines sehr schnellen Objekts – ausbreitet“, erklärt Dario
Eickhoff vom Geophysikalischen Institut (GPI) des KIT. „Empfindliche
Seismometer können diese schwachen Schallwellen registrieren. Aus den
Ankunftszeiten an verschiedenen Messstationen lässt sich die Flugbahn des
Meteoroids rekonstruieren.“
Das Team nutzte dafür ein dichtes Netz seismischer Messstationen in der
Eifel, welches das GPI eigentlich für seismologische Untersuchungen
betreibt. „Die große Zahl an Messpunkten ermöglichte eine besonders genaue
und zügige Berechnung“, so Eickhoff. „Wenn sich aus den Messdaten schnell
eine präzise Flugbahn bestimmen lässt, erhöht das auch die Chance,
Meteoritenfragmente zu finden. Diese Proben liefern wichtige Informationen
über die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems.“
Die Ergebnisse zeigen, dass der Meteoroid aus westlicher Richtung kam und
zunächst Luxemburg sowie die Eifel überflog, bevor Fragmente im Raum
Koblenz niedergingen. Die berechnete Einschlagszeit ist 18:57 Uhr.
Seismische Daten bieten nach Ansicht der Forschenden mehrere Vorteile für
die Untersuchung solcher Ereignisse. „Es gibt deutlich mehr
Erdbebenmessstationen als spezialisierte Meteorkameras“, sagt Professor
Joachim Ritter vom GPI, der die Arbeiten zu Erdbeben in der Eifel leitet.
„Außerdem sind seismische Messungen unabhängig von Tageslicht oder
Bewölkung möglich.“ Besonders wertvoll sei die Methode in der
Dunkelflugphase am Ende der Flugbahn, in der der Meteor nicht mehr
leuchtet, seine Druckwelle jedoch weiterhin messbar bleibt. (mhe)
Bildunterschrift: Links: Kartenansicht der seismischen Messstationen
(farbige Dreiecke) und der berechneten Flugbahnen der IMO (blau) und des
KIT-GPIs (orange). Rechts: Seismogramme, auf denen das Meteoroidsignal mit
rot-gestrichelten Linien gekennzeichnet ist. (Grafik: Dario Eickhoff /
KIT)
