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Fraunhofer IFAM – Toleranzgerechtes Kleben von Faserverbundbauteilen & zertifizierende Weiterbildung auf der JEC WORLD

Automatisierte Klebfilm-Applikation in einer Flugzeughaut  Copyright: Fraunhofer IFAM
Automatisierte Klebfilm-Applikation in einer Flugzeughaut Copyright: Fraunhofer IFAM
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Mit Automatisierung, Digitalisierung und Robotik sowie speziell
ausgebildetem Personal in die effiziente, hochraten- und wandlungsfähige
Produktion der Zukunft
Ausgezeichnet mit dem JEC Composites Innovation Award 2026 in der
Kategorie Aerospace – Prozesse: das Fraunhofer-Institut für
Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM wurde gemeinsam
mit den Partnern des Projekts »SAUBER 4.0« prämiert.



Im Mittelpunkt des Messeauftritts auf der JEC WORLD 2026 stehen innovative
Automatisierungslösungen für Kleben, Montage und Bearbeitung großer
Leichtbaustrukturen im 1:1-Maßstab für die Bereiche Luft- und Raumfahrt,
Windenergieanlagen, Nutzfahrzeuge, Schienenfahrzeuge und Landwirtschaft
sowie Weiterbildungen im Kontext Kleb- und Faserverbundtechnologie.
10.-12. März, Paris, Gemeinschaftsstand Composites United e.V. l Halle 6 l
Stand Q 24

Klebtechnik ist die prädestinierte Fügemethode für eine hochratenfähige
Produktion von Faserverbundkomponenten, um den aktuellen und zukünftigen
industriellen Bedarf für zielstrebigen Leichtbau zu erfüllen. Eine
konsequente und adaptive Automatisierung dieser Klebprozesse wird in
Zukunft mit Blick auf den ansteigenden Fachkräftemangel immer bedeutender.
Zugleich ist die spezielle Ausbildung von Fachkräften sowohl hinsichtlich
Klebtechnik als auch Faserverbundtechnologie unabdingbar.

Dabei stellen Verbundwerkstoffe hohe Anforderungen an die Klebprozesse.
Entscheidend sind die genaue Kenntnis der Fügesituation sowie die passende
Wahl zwischen pastösen Klebstoffen und Klebfilmen. Eigens entwickelte FuE-
Lösungen aus dem Fraunhofer IFAM – wie digitale Spaltvermessung, adaptive
Spaltfüllung und automatisierte Applikationsprozesse für pastöse
Klebstoffe sowie Klebfilme – ermöglichen hochpräzise, belastbare und
wirtschaftliche Klebprozesse für anspruchsvollste Verbundstrukturen und
erhöhen gleichzeitig die Produktivität.

Klebtechnik als Enabler des Leichtbaus

Kleb- und Dichtstoffe erlauben die effiziente Kombination von
Faserverbundkunststoffen (FVK) mit Metallen und anderen
Leichtbaumaterialien. Neben der Kraftübertragung übernehmen sie Aufgaben
wie Spaltausgleich, Abdichtung und Kantenversiegelung. Mit steigenden
Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen stoßen manuelle Prozesse an
Grenzen; hingegen senken automatisierte Lösungen Fehlerquoten sowie Kosten
und erhöhen zugleich die Qualität.

Automatisiertes Vakuumsaugstrahlen – die robotische, abrasive FVK-
Oberflächen-Vorbehandlung

Vakuumsaugstrahlen ist ein automatisiertes und sauberes Verfahren aus dem
Fraunhofer IFAM, um durch Anrauen von Oberflächen Haftung vor dem Kleben
zu erzeugen. Durch die direkte Absaugung der Strahlpartikel entsteht eine
gereinigte rückstandsfreie Oberfläche. Das Verfahren ermöglicht
gleichzeitig Vorbehandlung sowie Aktivierung von Oberflächen und kann auch
als Abtragmethode von FVK-Einzellagen zum Schäften für Reparaturen
verwendet werden.
https://www.ifam.fraunhofer.de/de/technologien/abrasive-vorbehandlung-
vakuumsaugstrahlen.html


Spaltermittlung als Basis für spannungsarmes Fügen

Verbundstrukturen weisen häufig erhebliche Form- und Lagetoleranzen auf.
Standardisierte, meist manuelle, Kompensationsmethoden greifen hier oft zu
kurz. Eine 3D-Oberflächenmessung der Bauteile erzeugt Punktwolken, aus
denen sich durch Koordinatentransformation und virtuelles Fügen die lokale
Fügespaltgeometrie bestimmen lässt. Die resultierende Spaltkarte dient als
Grundlage, um Füllstrategien gezielt zu planen, Spannungen zu minimieren
und die Materialmenge zu optimieren – auch bei sehr großen und komplexen
Baugruppen.
https://www.ifam.fraunhofer.de/de/technologien/adaptive-
spaltvermessung.html

Automatisierter Auftrag pastöser Klebstoffe

Für den individuellen Spaltausgleich eignen sich pastöse Ein- und Zwei-
Komponenten-Klebstoffe. Eigens entwickelte, robotergestützte Dosiersysteme
ermöglichen einen volumengenauen Auftrag entlang komplexer
Bauteilgeometrien. Abhängig von Viskosität, Umgebungsbedingungen und
Bauteilgegebenheiten können agile Applikationen realisiert werden. In
Kombination mit der Spaltvermessung lassen sich Klebstoffraupen lokal
variieren, um definierte Schichtdicken und ein spannungsarmes Fügen zu
erreichen.
https://www.ifam.fraunhofer.de/de/technologien/applikation-klebstoffe-
dichtstoffe.html


Präzise Applikation von Klebfilmen

Nachvernetzende Klebfilme bieten vordefinierte Schichtdicken und sehr
reproduzierbare mechanische Eigenschaften. In Stade entwickelte,
robotergeführte Ablegeköpfe übernehmen Zuschnitt, Liner-Entfernung,
Applikationsdruck und gegebenenfalls thermische Aktivierung. Für
variierende Spaltmaße können Klebfilme mehrlagig oder im Patch-Verfahren
aufgebracht werden, wobei die zuvor ermittelte Spaltgeometrie die Anzahl
und Position der Teilstücke bestimmt. So lassen sich auch gekrümmte
Faserverbundstrukturen großflächig, materialsparend und qualitativ
hochwertig fügen.
https://www.ifam.fraunhofer.de/de/technologien/automatisierte-applikation-
klebeband.html


Zertifizierende Schulungen für Kleb- und Faserverbundwerkstofftechnologie

Neben den seit mehr als 30 Jahren etablierten und international
anerkannten Weiterbildungsangeboten in der Klebtechnik bietet das
Fraunhofer IFAM auch Weiterbildungen im Bereich der faserverstärkten
Kunststoffe (FVK) an, in denen die Auslegung, Verarbeitung und Reparatur
von FVK vermittelt wird. Die Weiterbildungsprogramme gewährleisten die
Qualifikation für den Technologietransfer und sind auf alle
Unternehmensebenen zugeschnitten.

Die angebotenen Kurse entsprechen den Anforderungen der neuen, im November
2025 veröffentlichten DIN 35255. Sie wurde entwickelt, um Anforderungen an
die qualitätsgerechte Herstellung und Instandsetzung von faserverstärkten
Bauteilen zu definieren und das bestehende Qualitätsmanagementsystem nach
ISO 9001 zu ergänzen.

Sie schließt die Lücke, die dadurch entsteht, dass Composite-Produkte
durch nachträgliche Prüfungen nicht vollständig verifiziert werden können,
was oft zu unzureichenden Sicherheitsstandards führt. Die Norm erhöht die
Fehlervermeidung und gewährleistet sowohl Produkt- als auch
Prozesssicherheit über den gesamten Lebenszyklus von FVK-Bauteilen.
https://www.weiterbildung.ifam.fraunhofer.de/de/blog/din-35255
-qualitaetsanforderungen-composite-prozesse.html

Fraunhofer IFAM ausgezeichnet – JEC Composites Innovation Award 2026 in
der Kategorie Aerospace – Prozesse

Das Fraunhofer IFAM wurde gemeinsam mit CTC und Airbus sowie vielen
weiteren Partnern des Forschungsprojekts »Smart & Sustainable RTM 4.0 –
SAUBER 4.0« (Förderer: Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft,
Verkehr und Bauen sowie NBank – Investitions- und Förderbank
Niedersachsen) am 12. Januar 2026 in Paris prämiert.

Das vom Fraunhofer IFAM neu entwickelte Induktionsheizungs-
Simulationsmodell, das den Einsatz von Resin-Transfer-
Moulding-(RTM)-Werkzeugen aus Invar bei der Herstellung von
Faserverbundbauteilen anstelle teurer Autoklave zur Aushärtung ermöglicht,
erhöht die Produktionseffizienz der Bauteile und reduziert die Kosten.

Durch prädiktive Modellierung wird die Positionierung der Heizelemente für
eine homogene Temperaturverteilung bei der Aushärtung der Bauteile
optimiert und durch fortschrittliche Simulation der Faserverbundbauteile
sowie schnellhärtende Technologien aus dem Fraunhofer IFAM unterstützt.
Dies ermöglicht höhere Effizienz für Hochratenproduktion, Kostensenkung
durch RTM statt Autoklav, schnellere Planung durch prädiktive Modellierung
und Prozesssimulation sowie bessere Qualitätssicherung durch Echtzeit-
Sensordaten und Analytik.

Zudem wurde erstmals Electrical Capacitance Tomography (ECT) als
umfassende Inline Methode zur Analyse der Mischqualität von Harzen
eingesetzt, die in der Produktion für Luft- und Raumfahrt relevant sind.
Diese fortschrittliche Sensortechnologie ermöglicht Echtzeit Einblicke in
komplexe Mischprozesse, verbessert die Prozesstransparenz und setzt einen
neuen Maßstab für die datengesteuerte Qualitätssicherung in der Fertigung.
Die Vision ist, ECT direkt in die Produktion zu integrieren und damit zu
zeigen, wie Innovation, Digitalisierung und intelligente Analytik die
Zukunft der modernen Materialverarbeitung gestalten können.

Diese Verfahren sind nicht nur für die Produktion von Flugzeugrümpfen von
Interesse, sondern beispielsweise auch für Rotorblätter von
Windenergieanlagen, kryogene Wasserstofftanks sowie terrestrische und
maritime Fahrzeuge.
https://www.jec-world.events/program/innovation-awards
https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/14644207241270761

Messe
Erfahren Sie mehr – besuchen Sie uns vom 10. bis 12. März auf der JEC
WORLD 2026 in Paris, Halle 6, Stand Q 24 (Gemeinschaftsstand des
Composites United e.V.).

Originalpublikation:
https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/14644207241270761