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Studie zur Inklusion am Arbeitsplatz im Mittelstand

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Das Institut für Management und Innovation (IMI) der Hochschule für
Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen hat die Studie „Inklusive Arbeit
im Mittelstand in Rheinland-Pfalz – Stand, Erfahrungen, Herausforderungen,
Bedarfe“ veröffentlicht. Die Untersuchung liefert eine aktuelle empirische
Wissensbasis dazu, wie mittelständische Unternehmen die berufliche
Teilhabe von Menschen mit Schwerbehinderung heute gestalten, wo Hürden
sind und welche Handlungsschwerpunkte für Unternehmen, öffentliche und
gemeinnützige Akteure bestehen.

Trotz gesetzlicher Vorgaben wie der Beschäftigungsquote und vielfältiger
Förderinstrumente bleibt die Beschäftigung von Menschen mit
Schwerbehinderung und gleichgestellter Personen eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Gerade für den Mittelstand sind aktuelle
Daten zur betrieblichen Praxis jedoch Mangelware. Die Studie mit dem Fokus
auf Rheinland-Pfalz hilft, diese Lücke zu schließen und leitet aus den
Ergebnissen konkrete Handlungsschwerpunkte ab.

Die Forschungsarbeit wurde durch eine Förderung des Ministeriums für
Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung Rheinland-Pfalz
ermöglicht.

Der Studie liegt ein mehrstufiges Vorgehen zugrunde: Eine fokussierte
Literaturbetrachtung wurde durch eine Reihe qualitativer Interviews mit
Inklusionsexpertinnen und -Experten aus unterschiedlichen Bereichen
ergänzt. Darauf aufbauend wurde eine standardisierte Online-Umfrage unter
Fach- und Führungspersonen aus 128 mittelständischen Unternehmen eines
breiten Branchenmixes in Rheinland-Pfalz durchgeführt (Erhebungszeitraum
April bis Juli 2025). Die befragten Personen kamen vor allem aus dem
Personalmanagement und der Geschäftsführung.

Die vielfältigen Ergebnisse geben einen detaillierten Überblick zu unter
anderem folgenden Themen (beispielhafte Auszüge):

•       Welche Inklusionsziele und Inklusionsgründe haben
Mittelstandsunternehmen?
Inklusion ist in vielen Unternehmen noch kein strategisches Kernthema:
Rund ein Drittel der Betriebe in der Stichprobe verfolgen keine konkreten
Inklusionsziele.

•       Welche Erfahrungen werden gemacht?
Hinderungsgründe sind häufig eine geringe Priorität des Themas, fehlende
Strategien              sowie Zeit- und Ressourcenmangel.
Inklusionserfahrene Unternehmen berichten aber auch von positiven Effekten
wie besserem Betriebsklima, neuen Perspektiven und mehr Kreativität.

•       Wie beschaffen sich die Unternehmen notwendige Informationen zu
Inklusionsfragen?
Inklusion im Mittelstand wird oft durch fehlende Information gehemmt. Ein
Viertel der    Unternehmen der Stichprobe nutzt keine spezifischen
Informationsquellen zu Inklusionthemen – bei KMU ist es sogar ein Drittel.

•       Welche Kenntnis haben die Betriebe von Beratungsangeboten und
Förderungen und     welche nutzen sie?
Viele Beratungs- und Förderinstrumente sind nicht in der Breite bekannt
oder werden nur von einer Minderheit der Unternehmen genutzt. Zum Beispiel
kennen rund 60 % den Eingliederungszuschuss, 25 % haben ihn bisher
genutzt.

•       Über welche Inklusionsinfrastruktur verfügen die Betriebe und
welche Maßnahmen zur Gewinnung von Menschen mit Schwerbehinderung als neue
Arbeits- und Fachkräfte setzen sie ein?
Über ein Drittel der befragten Unternehmen verfolgt keinerlei spezifische
Maßnahmen, um Menschen mit Schwerbehinderung als Arbeits- und Fachkräfte
zu gewinnen. Von den abgefragten Maßnahmen werden am häufigsten die
gezielte Zusammenarbeit mit Arbeitsagentur oder Integrationsfachdienst,
barrierefreie Bewerbungsverfahren und Kooperationen mit Werkstätten
genannt – jedoch jeweils auch nur von rund einem Viertel der Befragten.

•       Wie messen, steuern, dokumentieren Unternehmen Inklusion und
Inklusionserfolg?
In der Praxis fehlen in vielen Betrieben geeignete Instrumente: Über die
Hälfte der befragten Betriebe stützt sich nahezu ausschließlich auf die
gesetzliche Beschäftigungsquote – obwohl diese den tatsächlichen
Inklusionserfolg nur begrenzt abbildet.

•       Wie funktionieren organisationales Lernen und Wissenstransfer?
Der Mittelstand nutzt sein eigenes und an anderen Stellen gewonnenes
Erfahrungswissen zur Inklusion bislang nur begrenzt. Ca. 60 % sind in
keinem Netzwerk, das auch Inklusionsthemen abdeckt, aktiv. Ebenfalls etwa
60 % der Unternehmen bieten derzeit keine Schulungs- oder
Sensibilisierungsmaßnahmen für Führungskräfte und Beschäftigte an.

•       Welche Verbesserungsbedarfe sehen die Unternehmen, um Inklusion am
Arbeitsplatz zu erleichtern und was wünschen sie sich konkret?
Top-Nennungen sind unter anderem bessere Informationen zu Förderprogrammen
und finanziellen Zuschüssen, intensivere Kooperationen mit öffentlichen
Stellen und mehr Angebote zur Information von Führungskräften und
Beschäftigten.

Auf Basis der Resultate wurden fünf zentrale Handlungsschwerpunkte
identifiziert und praxisnahe Gestaltungsoptionen für jeden dieser
Schwerpunkte benannt – als Grundlage für eine gezielte Weiterentwicklung
inklusiver Arbeit durch öffentliche wie private Akteure.

Handlungsschwerpunkte der Inklusion im Mittelstand:

A. Inklusionsbewusstsein, -motivation und -ziele; Inklusions-Readiness
B. Informationsbeschaffung, Inanspruchnahme von Inklusionsberatung und
-förderung
C. Kontakt und Matching von Arbeitgebern und Menschen mit Behinderung
D. Inklusion und Inklusionserfolg messen, steuern und dokumentieren
E. Organisationales Lernen und Wissenstransfer - intern und extern

Die Ergebnisse wurden erstmals beim Forum „Arbeiten mit Behinderung“ des
Landes Rheinland-Pfalz im Dezember 2025 vorgestellt und mit Fachleuten
verschiedener Institutionen diskutiert. Anfang März 2026 erscheint ein
Beitrag zur Studie in „Verantwortung – Das Magazin für Nachhaltigkeit, CSR
und innovatives Wachstum“ (F.A.Z Institut).

„Ich begrüße es ausdrücklich, dass die vorliegende Studie die Datenlage
rund um inklusive Arbeit im Mittelstand optimiert. Um einen inklusiven
Arbeitsmarkt im Sinne des Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention
umzusetzen, braucht es auch diese wesentliche Säule der Wirtschaft. Die
Erkenntnisse dieser Studie können helfen, den Mittelstand dabei zu
unterstützen, das Fach- und Arbeitskräftepotential von Menschen mit
Behinderungen in Rheinland-Pfalz zu heben“, so Ellen Kubica,
Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen MASTD.

Das Institut für Management und Innovation (IMI) der Hochschule für
Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen (HWG LU) blickt als
anwendungsorientierte betriebswirtschaftliche Forschungs- und
Transfereinrichtung auf über 20 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit mit
namhaften Unternehmenspartnern und öffentlichen Institutionen zurück. Seit
2017 bündelt es die Hochschulkompetenzen in den Bereichen Strategisches
Management, Innovations- und Nachhaltigkeitsmanagement sowie Business
Development.