Waldschäden in Europa könnten bis 2100 um rund 20% steigen, selbst wenn Erwärmung auf 2°C begrenzt wird
Waldschäden in Europa durch Brände, Stürme und Borkenkäfer werden im
Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten unter allen analysierten
Klimaszenarien zunehmen. Das ist das Ergebnis einer neuen internationalen
Studie mit Beteiligung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung
(PIK), die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde.
Selbst wenn die Erderwärmung auf etwa 2°C begrenzt wird, könnte die
jährlich geschädigte Waldfläche bis zum Ende des Jahrhunderts von rund
180.000 Hektar auf etwa 216.000 Hektar pro Jahr steigen – und damit höher
liegen als in den ohnehin schon stark betroffenen Jahren 1986 bis 2020. In
einem Szenario, in dem die Nutzung fossiler Energieträger weiter zunimmt,
könnte sich die Waldschäden mehr als verdoppeln und bis zum Ende des
Jahrhunderts nahezu 370.000 Hektar pro Jahr erreichen.
„In Zukunft werden Europas Wälder voraussichtlich weniger Kohlenstoff
aufnehmen“, sagt Christopher Reyer, Wissenschaftler am PIK und Mitautor
der Studie. „Wenn Wälder weniger Kohlenstoff binden oder möglicherweise
sogar mehr freisetzen als sie aufnehmen, erhöht das den Druck auf andere
Sektoren wie Verkehr und Landwirtschaft, ihre Emissionen schneller zu
senken. Gleichzeitig sollte die Waldbewirtschaftung stärker die Resilienz
von Wäldern fördern.“
Besonders stark betroffen sind der Studie zufolge Süd- und Westeuropa, wo
die Veränderungen am ausgeprägtesten ausfallen dürften. Nordeuropa wird
insgesamt weniger stark betroffen sein, allerdings könnten auch dort
regionale Hotspots mit erhöhtem Schadensrisiko entstehen. Die Studie wurde
von Forschenden der Technischen Universität München (TUM) geleitet.
Weblink zum Artikel, sobald dieser veröffentlicht ist:
10.1126/science.adx6329
Originalpublikation:
Artikel: Grünig, M., Rammer, W., Senf, C., Albrich, K., André, F.,
Augustynczik, A.L.D., Baumann, M., Bohn, F.J., Bouwman, M., Bugmann, H.,
Collalti, A., Cristal, I., Dalmonech, D., De Coligny, F., Dobor, L.,
Dollinger, C., Espelta, J.M., Forrester, D.I., Garcia-Gonzalo, J.,
González-Olabarria, J.R., Hiltner, U., Hlásny, T., Honkaniemi, J., Huber,
N., Jonard, M., Jönsson, A.M., Kunstler, G., Lagergren, F., Lindner, M.,
Mina, M., Moos, C., Morin, X., Muys, B., Nabuurs, G.-J., Nieberg, M.,
Patacca, M., Peltoniemi, M., Reyer, C.P.O., Schelhaas, M.-J.; Storms, I.,
Thom, D., Toigo, M., Seidl, R. (2026): Climate change will increase forest
disturbances in Europe throughout the 21st century. Science. [DOI:
10.1126/science.adx6329]
