Unfallchirurgen beteiligen sich an Verletztenversorgung bei NATO- Bündnisfall-Übung
Die regionalen TraumaNetzwerke (TNW) Berlin und Brandenburg bringen ihre
fachliche Expertise aktiv in die NATO-Bündnisfall-Übung „Medic Quadriga
2026“ ein. Sie findet diese Woche in Berlin statt. Dabei üben der
Sanitätsdienst der Bundeswehr und zivile Stellen das Zusammenspiel bei der
nahtlosen medizinischen Versorgung vom Gefecht bis in die heimatnahe
Klinik. In die Übung sind ein Bundeswehrkrankenhaus und zivile Kliniken
eingebunden
„Wir bringen unsere langjährige Erfahrung aus der zivilen
Schwerverletztenversorgung gezielt in die NATO-Bündnisfall-Übung ein. Die
Rettungskette vom Einsatzgebiet bis in die heimatnahe Klinik unter
realitätsnahen Bedingungen zu testen und dabei militärische und zivile
Strukturen eng zu verzahnen, ist ein wichtiger Impuls – auch für die
Weiterentwicklung der Initiative TraumaNetzwerk DGU“, sagt Prof. Dr. Frank
Hildebrand, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und
Unfallchirurgie (DGOU) und Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Unfallchirurgie (DGU).
Die Übung simuliert die komplette Rettungskette in einem
Artikel-5-Szenario, dem NATO-Bündnisfall, vom Verwundetentransport im
Einsatzgebiet bis zur abschließenden Weiterverteilung in deutsche
Kliniken. Bei „Medic Quadriga 2026“ trainieren Sanitätskräfte der
Bundeswehr gemeinsam mit internationalen Partnern die medizinische
Versorgung unter extremen Bedingungen. Grundlage für die Übung ist die
Annahme eines militärischen Konflikts an der NATO-Ostgrenze. Im Zuge der
Kampfhandlungen wird davon ausgegangen, dass pro Tag etwa 1.000 Verwundete
deutschlandweit in einen sicheren Bereich verlegt und dort behandelt
werden müssen. „Gemeinsam mit der zentralen Koordinierungsstelle der
Bundeswehr sichten wir als Vertreter der TNW täglich rund 200 simulierte
Behandlungsfälle und koordinieren deren Verteilung in die Traumazentren
der TNW Berlin und Brandenburg. Durch die Einbindung unserer
Traumanetzwerkstruktur werden verfügbare Kapazitäten, fachliche Expertise
und individuelle Bedarfe zusammengeführt. Das sichert die medizinisch
fundierte und bedarfsgerechte Versorgung“, sagt Prof. Dr. Gerrit Matthes,
Vorsitzender des Ausschusses TraumaNetzwerk DGU (TNW) und Chefarzt der
Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum Ernst von
Bergmann in Potsdam; überregionales Traumazentrum im TNW Berlin. Matthes
ist mit seiner Klinik an der Übung beteiligt.
Ergänzend sagt Oberstarzt Prof. Dr. Axel Franke, stellvertretender Leiter
der DGU-Sektion Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie:
„Betrachtet man die prognostizierten Zahlen von Kriegsverletzten, die
grundsätzlich täglich auch auf Deutschland zukommen könnten, so wird eines
schnell klar: Hier müssen alle ran – ohne die aktive Beteiligung der
Kliniken der TraumaNetzwerke ist dies nicht zu schaffen. Nur mit
etablierter unfallchirurgischer Expertise lässt sich die große Zahl
verletzter Patienten zuverlässig sichten und unter fachlichen
Gesichtspunkten in die passenden Kliniken weiterleiten. Das TraumaNetzwerk
DGU stellt dafür das notwendige Know-how bereit: Mit Fachberatung bei der
Verteilung und seinen zertifizierten TraumaZentren sorgt es für eine
belastbare, gut organisierte Versorgungsstruktur. Die Zentren sind
untereinander vernetzt, sodass Patienten gezielt in die Kliniken gebracht
werden können, die optimal auf ihre Behandlung vorbereitet sind – selbst
bei einem sehr hohen Patientenaufkommen, wie es in Krisensituationen zu
erwarten ist.“
Die Übung gibt wichtige Einblicke in die Rettungskette. Dabei zeigt sich:
Mit der Initiative TraumaNetzwerk DGU verfügt Deutschland über ein
bundesweit abgestimmtes und in dieser Form einzigartiges System zur
Versorgung Schwerverletzter. Klare Qualitätsstandards, feste Strukturen
und eine koordinierte Verteilung sorgen dafür, dass Patientinnen und
Patienten schnell in das jeweils geeignete Traumazentrum gelangen. Von
dieser bewährten Organisation profitieren nicht nur Unfallopfer im Alltag,
sondern auch Verwundete aus Krisengebieten. Die Erkenntnisse aus der Übung
werden ausgewertet und über rund 50 TraumaNetzwerke mit über 700
beteiligten Kliniken direkt in die Versorgungspraxis übertragen.
Unfallchirurgen erarbeiten derzeit ein „Weißbuch 3K“, das die
Voraussetzungen für die chirurgische Versorgung in Krise, Katastrophe und
Krieg (3K) zusammenfasst. „Im Fokus steht dabei das TraumaNetzwerk DGU,
dessen zertifizierte Traumazentren eine belastbare und vernetzte Struktur
bieten, die gerade in Krisen- und Konfliktsituationen zur bestmöglichen
Patientenversorgung genutzt werden kann“, sagt Prof. Dr. Sascha Flohé,
DGU-Generalsekretär und stellvertretender DGOU-Generalsekretär. Das
„Weißbuch 3K“ soll aufzeigen, wie vorhandene Strukturen und Ressourcen für
außergewöhnliche Lagen weiter gestärkt werden können. Die Veröffentlichung
und Übergabe an die Politik ist für April geplant.
Referenzen:
1) Medic Quadriga 2026: Stresstest für die Rettungskette nach Deutschland
www.bundeswehr.de/de/auftrag/u
quadriga
Weitere Informationen:
1) www.dgu-online.de
2) www.auc-online.de/unsere-angeb
