Autonomie zwischen Freiheit und Fürsorge
Selbstbestimmung gilt als Grundrecht, auch bei Entscheidungen über
medizinische Behandlungen. Doch was passiert, wenn Menschen Unterstützung
brauchen, um Entscheidungen zu treffen? Der Workshop „Die Ambivalenz der
Autonomie als theoretische Herausforderung“ widmet sich am 13. März am
Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld
der Frage, wie diese Spannung überbrückt werden kann.
Autonomie ist ein hohes Gut. Gerade bei medizinischen Maßnahmen sollen
Menschen selbst entscheiden dürfen. Für Menschen mit kognitiven
Einschränkungen – also mit Beeinträchtigungen beim Denken, Erinnern oder
Verstehen – gerät dieses Prinzip jedoch schnell unter Druck. Denn das
Recht auf Entscheidung knüpft häufig an die sogenannte
Entscheidungsfähigkeit. Betroffene müssen Informationen verstehen, abwägen
und Folgen einschätzen können.
Wie kann man diese Menschen unterstützen, ohne ihr Recht auf
Selbstbestimmung zu untergraben? „In der Ethik und der inklusiven Medizin
wurde dafür das Konzept der assistierten Autonomie entwickelt“, erklärt
der Bielefelder Philosoph Professor Dr. Ralf Stoecker, der den Workshop
leitet. Gemeint ist eine unterstützte Entscheidungsfindung: Menschen
erhalten Hilfe, etwa durch verständliche Informationen, vertraute
Begleitpersonen oder technische Assistenzsysteme, behalten aber die
Kontrolle über ihre Entscheidung.
Forschende aus Philosophie, Medizinethik, Informatik, Soziologie,
Psychologie und Gesundheitswissenschaften sowie Expert*innen aus eigener
Erfahrung, also Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, werden
diskutieren, ob die assistierte Autonomie ein tragfähiger Weg ist oder ob
sich dahinter neue Widersprüche verbergen.
Der Workshop ist zugleich die Auftaktveranstaltung der Fokusgruppe „Die
Ambivalenz der Autonomie und ihre Auflösung durch die Assistierte
Autonomie“, die im März am ZiF arbeitet. Ziel der Gruppe ist es unter
anderem, Leitlinien für den Umgang mit assistierter Autonomie zu
formulieren und partizipative sowie interdisziplinäre Forschungswege für
die Weiterentwicklung des Bielefelder Fokusbereichs AI*IM zu etablieren.
Interessent*innen sind herzlich willkommen, eine Anmeldung über die
Webseite ist erforderlich.
