CAREBELLS startet Testphase: THWS-Studierende entwickeln digitale Brücke gegen Einsamkeit
Digitales Assistenzsystem auf Tablets soll Seniorinnen und Senioren in
ihrem Alltag unterstützen und Einsamkeit entgegenwirken
Ältere Menschen im Alltag unterstützen, aktivieren und sozial vernetzen:
Mit diesem Ziel bereiten Studierende der Technischen Hochschule Würzburg-
Schweinfurt (THWS) derzeit Tablets für die Übergabe an Seniorinnen und
Senioren vor. Ausgestattet sind die Geräte mit dem digitalen
Assistenzsystem CAREBELLS.
Prof. Dr. Ulrich Gartzke, Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften,
initiiert und leitet das aus seiner ProPere-Gründungsprofessur heraus
entstandene Projekt (ProPere = professorale Personalgewinnung und
-entwicklung). In enger Zusammenarbeit mit Studierenden verschiedener
Fachrichtungen – von Sozialer Arbeit über Management im Gesundheitswesen
bis hin zu Medienmanagement und Wirtschaftsingenieurwesen. Auch
Studierende des englischsprachigen Masterstudiengangs Artificial
Intelligence des Centers für KI (CAIRO) bringen ihre Expertise ein. „Viele
engagieren sich ehrenamtlich zusätzlich zu ihrem regulären Studium oder im
Rahmen von Projektarbeiten“, freut sich Prof. Dr. Gartzke. Zudem besteht
eine enge Kooperation mit Naomi Unkelos-Shpigel, Ph.D vom Braude College
of Engineering in Israel, deren Studierende die Internetplattform
mitentwickelten. Finanziell gefördert wird das CAREBELLS-Projekt von der
Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp.
Wissenschaftlich begleitetes Praxisprojekt
In enger Kooperation mit der Seniorenvertretung Würzburg unter Leitung des
ehemaligen THWS-Informatikprofessors Dr. Eberhard Grötsch sowie dem
Caritasverband Würzburg Stadt und Land e. V. wird nun die nächste
Projektphase gestartet: Zehn Seniorinnen und Senioren erhalten das Tablet
für drei Wochen zur Nutzung in ihren eigenen vier Wänden. Die Testphase
wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Zu Beginn, in der Mitte und
am Ende werden Rückmeldungen erhoben, um das System weiterzuentwickeln und
noch besser an die Bedürfnisse älterer Menschen anzupassen.
Digitale Unterstützung mit persönlichem Charakter
Herzstück des Systems ist „Bella“, ein digitaler Gesprächsassistent. Mit
Bella können Nutzerinnen und Nutzer Alltagsgespräche führen – über Hobbys,
Erinnerungen oder aktuelle Themen. Ziel ist es, Kommunikation anzuregen
und Einsamkeit entgegenzuwirken. Darüber hinaus bietet CAREBELLS:
- einen sprachgesteuerten Kalender mit Erinnerungsfunktion zur
Alltagsstrukturierung
- eine besonders benutzerfreundliche Videokonferenzfunktion zum
Austausch mit anderen Seniorinnen und Senioren
- einfache, seniorengerechte Spiele
- Videos für ein positives, auf ältere Menschen abgestimmtes
Energietraining
- täglich ausgewählte, regionale Nachrichten in Kooperation mit der
MainPost, die vorgelesen und gemeinsam besprochen werden können.
Die Benutzeroberfläche wurde bewusst einfach und übersichtlich gestaltet.
Große Schaltflächen, klare Spracheingaben und eine reduzierte Menüführung
sollen Hemmschwellen abbauen.
Datenschutz und Ethik als zentrale Leitlinien
Besonderes Augenmerk legt das Projektteam auf die Einhaltung ethischer und
datenschutzrechtlicher Rahmenbedingungen. „Persönliche Daten werden auf
ein Minimum reduziert; im System genügt die Angabe eines Vornamens oder
Pseudonyms. Das Tablet kann jederzeit vollständig ausgeschaltet werden“,
erklärt Prof. Dr. Gartzke. Die wissenschaftliche Begleitung orientiert
sich an den geltenden Datenschutzbestimmungen, insbesondere der
Datenschutz-Grundverordnung. Transparenz, Freiwilligkeit und die
Möglichkeit, die Teilnahme jederzeit zu beenden, sind zentrale Prinzipien
des Projekts.
Auch für den Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Würzburg e. V.
sei die Kooperation ein Mehrwert. Mirjam Gawenda, Fachbereichsleitung
Soziale Arbeit, erläutert: „Als Caritas arbeiten wir jeden Tag mit vielen
Seniorinnen und Senioren. Es ist unser Auftrag, etwas gegen Einsamkeit zu
tun – besonders im Aktiven Begegnungszentrum Heiligenkreuz in Würzburg.
Dort stärken wir Gemeinschaft und unterstützen Menschen vor Ort.“
Gleichzeitig sehe der Caritasverband in digitalen Angeboten eine gute
Ergänzung. Neue Technologien können helfen, eine Brücke in die analoge
Welt zu bauen – als Chance, Kontakte zu fördern und Teilhabe zu
ermöglichen, so Mirijam Gawenda. „Deshalb freuen wir uns, das CAREBELLS-
Projekt mit unserer Expertise in der Seniorenarbeit zu unterstützen.“
Interdisziplinäre Lehre trifft gesellschaftliche Verantwortung
CAREBELLS steht beispielhaft für den Transfer von Forschung und Lehre in
die Region. Studierende arbeiten interdisziplinär zusammen, übernehmen
Verantwortung und erleben, wie digitale Innovation konkret
gesellschaftliche Herausforderungen adressieren kann. Mit dem nun
startenden Praxistest wird ein weiterer Schritt hin zu einer
niedrigschwelligen, alltagstauglichen digitalen Unterstützung für ältere
Menschen gemacht – entwickelt an der THWS, gemeinsam mit der Region und
für die Region.
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten
Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer
Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung.
Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als
60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites
Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Derzeit studieren an der THWS
rund 500 Studierende in 23 Studiengängen in einem dualen Modell. Die THWS
ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch
stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen
und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen
englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
