Zum Hauptinhalt springen

Sicher und nachhaltig: Projekt zur Kreislauffähigkeit flammgeschützter halogenfreier Kunststoffe - Partner gesucht

Pin It

Eigene Closed-Loop-Recycling-Strategien entwickeln und nachhaltige
Materialkreisläufe etablieren? Jahreslange Forschung zwischen Fraunhofer
LBF und pinfa hat gezeigt, dass halogenfreie Flammschutzmittel im
Kreislauf funktionieren, in anspruchsvollen Anwendungen eingesetzt werden
können und die EU-Vorgaben einhalten. Trotz dieser Fortschritte bestehen
erhebliche Wissens- und Datenlücken, die nur durch Kooperation entlang der
Wertschöpfungskette geschlossen werden können. In dem neuen Projekt
»Geschlossene Kreisläufe flammgeschützter Kunststoffe« können Rohstoff-
und Flammschutzmittelhersteller, Recycler und OEMs aus verschiedenen
Branchen aktiv mitwirken und von den Ergebnissen profitieren.



Vom Grundlagenwissen zur anwendungsnahen Datenbasis

Trotz ambitionierter Vorgaben für Rezyklat-Quoten und Kreislaufwirtschaft
kämpfen viele Recycler mit schwierigen Marktbedingungen. Halogenfrei
flammgeschützte Kunststoffe gelten als Schlüssel zu hochwertigen
Materialkreisläufen. Im Rahmen des »pinfa Sparks«-Webinars im Februar
haben Experten aus dem Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und
Systemzuverlässigkeit LBF eine Bilanz von über zehn Jahren gemeinsamer
Forschungsarbeit mit pinfa, der Plattform für halogenfreie
Flammschutzmittel, gezogen. Beteiligt waren pinfa-Mitgliedsunternehmen und
nahestehende Unternehmen wie Compoundeure, Recycler und Anwender aus
verschiedenen Bereichen. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die
Flammschutzleistung dieser Kunststoffe auch in Rezyklaten erhalten bleibt
– und das auf hohem Niveau.

Halogenfrei flammgeschützte Rezyklate - eine realistische Option für
hochwertige Anwendungen

Die langjährige Forschung zeigt zentrale Ergebnisse: nach fünf
Recyclingzyklen weisen neun von zehn untersuchten hffr-Formulierungen in
simulierten Recyclingprozessen eine ausreichende Flammschutzleistung auf.
Die halogenfreien Flammschutzmittel sind stabil! Eine klare Botschaft an
die Industrie. Zudem verdeutlichen die Studien auch, dass ein Upcycling
von Rezyklaten in hochwertige Anwendungen möglich ist, jedoch muss die
Rezyklatqualität geeignet sein. Daher sind die Charakterisierung und
passende Re-Additivierungskonzepte notwendig, um die Wirksamkeit des
Flammschutzsystems und eine thermische Langzeitstabilität zu
gewährleisten.

Das Fraunhofer LBF bietet die Plattform, von der Analyse und Formulierung
über die Verarbeitung und Prüfmethodik bis hin zu Langzeit- und
Recyclingstudien. Damit können Unternehmen die Lücken zwischen technischen
Möglichkeiten, regulatorischen Anforderungen und Marktbedingungen
schließen. Das neu initiierte Verbundprojekt »Geschlossene Kreisläufe
flammgeschützter Kunststoffe« wird entscheidende Strategien für Closed-
Loop-Recycling entwickeln. Diese Initiative zielt darauf ab, Unternehmen
dabei zu unterstützen, sich auf zukünftige Produkt- und Rezyklatquoten
vorzubereiten und eigene Materialkreisläufe zu etablieren.

Markt und Regulierung: Hoher Druck, ungenutztes Potenzial

Der europäische Recyclingmarkt hat sich in den vergangenen Jahren
dynamisch entwickelt. Aktuelle Zahlen zeigen: Erstmals gehen Kapazitäten
zurück, Anlagen werden stillgelegt – trotz steigender regulatorischer
Nachfrage nach Rezyklaten. Der Grund ist das Fehlen tragfähiger
Marktbedingungen. Qualitativ hochwertige Kunststoffe aus E&E‑, Automobil-
und technischen Anwendungen werden noch immer nicht im erforderlichen
Umfang sortenrein erfasst, aufbereitet und für hochwertige Anwendungen
genutzt. Hier liegt ein zentrales, bislang weitgehend unerschlossenes
Potenzial – insbesondere für flammgeschützte Werkstoffe.

Damit dieses Potenzial in der Breite genutzt werden kann, braucht es jetzt
skalierbare, kooperative Ansätze, die technisches Wissen,
Markterfordernisse und Regulatorik zusammenführen.

Stichworte: Kunststoffrecycling, Flammschutzmittel, Kreislaufwirtschaft