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Universität Tübingen beruft Professorin für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung

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Friederike Lorenz-Sinai beginnt am 1. März am neu eingerichteten Lehrstuhl
– Alle vier Pro-fessuren am Institut für Rechtsextremismusforschung damit
besetzt. Friederike Lorenz-Sinai wurde zum 1. März von der Universität Tübingen auf
den neu eingerichteten Lehrstuhl für Sozialwissenschaftliche
Antisemitismusforschung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen
Fakultät berufen.

Sie wird am Institut für Rechtsextremismusforschung
(IRex) zum Umgang mit Gewalt- und Diskriminierungsphänomenen in regionaler
und internationaler Ausrichtung forschen und lehren. Auch der Transfer von
Forschungsergebnissen zu Organisationen der Zivilgesellschaft gehört dazu.

Friederike Lorenz-Sinai hat ihr Berufsleben als Erzieherin und
Sozialarbeiterin begonnen und dann Erziehungs- und Bildungswissenschaften
an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg studiert. Für die
Gedenkstätte Bergen-Belsen arbeitete sie als freie Mitarbeiterin in der
pädagogischen Abteilung. Ihre Promotion über institutionelle
Schweigepraktiken im Kontext von Gewalt gegen Kinder mit Beeinträchtigung
schloss sie 2019 an der Bergischen Universität Wuppertal mit summa cum
laude ab. Sie war an verschiedenen Universitäten und Hochschulen tätig,
unter anderem an der Hebrew University of Jerusalem und der Freien
Universität Berlin. Sie hat dort Gefühlserbschaften und Bildungsprozesse
von Lehrkräften zur Shoah und die Aufarbeitung von (sexualisierter) Gewalt
in Orga-nisationen untersucht. Seit 2021 hatte sie die Professur für
Methoden der Sozialen Arbeit und Sozialarbeitsforschung an der
Fachhochschule Potsdam inne.

Gemeinsam mit Marina Chernivsky vom Kompetenzzentrum für
antisemitismuskritische Bildung und Forschung erstellt sie seit 2018 die
Studienreihe „Antisemitismus im Kontext Schule“. Zudem forschen die beiden
Wissenschaftlerinnen zum institutionellen Umgang mit Antisemitismus in der
Gedenkstättenpädagogik und der Polizei, zu Antisemitismus im Kontext
Hochschule und in Kindertagesstätten sowie zu den Auswirkungen des 7.
Oktobers 2023 auf jüdische und israelische Communi-ties in Deutschland.

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sagte: „Mit
der Berufung von Friederike Lorenz-Sinai auf die Professur für
Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung sind jetzt alle Lehrstühle
am IRex besetzt. Die vom Land gegründete und bundesweit einzigartige
Forschungsstelle stellt sicher, dass das Thema Rechtsextremismus dauerhaft
und systematisch erforscht und bearbeitet wird. Antisemitismus ist ein
Angriff auf die freiheitlich-demokratische Gesellschaft. Die meisten
antisemitisch motivierten Vorfälle werden durch Rechtsextreme begangen.
Deshalb ist es die Verantwortung von Staat, Wissenschaft und
Zivilgesellschaft, Antisemitismus konsequent zu erforschen, sichtbar zu
machen und entschieden zu bekämpfen. Mit der Finanzierung dieses
Lehrstuhls setzen wir ein klares Zeichen: Wir nehmen die Herausforderung
ernst und investieren in Wissen, Aufklärung und Prävention. Dieser
Verantwortung sind wir uns bewusst. Deshalb haben wir und entschieden, die
Finanzierung auch dieser Professur für die ersten zehn Jahre zu
übernehmen.“

„Die Universität Tübingen möchte ihre Arbeit zur Erforschung des
Antisemitismus noch verstärken – angefangen von Bildungskontexten bis hin
zu Einbettungen in Gesellschaft und Staat. Der neue Lehrstuhl wird diesem
hochaktuellen Thema gerade auch in seinen zeitgenössischen Ausformungen
wissenschaftliche Aufmerksamkeit widmen“, sagte Professorin Dr. Karla
Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen.

Im Mai 2023 wurde an der Universität Tübingen das IRex gegründet und an
der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät angesiedelt. Mit
vier Professuren zur Rechtsextremismusforschung und seiner strukturellen
Verankerung ist das Institut bundesweit einzigartig. Die Einrichtung durch
das Land Baden-Württemberg ging auf eine Handlungsempfehlung des zweiten
baden-württembergischen NSU-Untersuchungsausschusses zurück.