Aktiv gegen Datendiebstahl, Industriespionage, Sabotage: Einweihung des Technologietransferzentrums für Cyber-Sicherheit
Kompetenzzentrum für Cyber-Sicherheit: THWS setzt mit Einweihung des TTZ-
WUE neuen Maßstab zum Schutz regionaler Akteure vor Cyberangriffen
Der Buzzer wird gedrückt, Licht- und Soundeffekte erfüllen den Raum: Das
auf Cybersicherheit spezialisierte Technologietransferzentrum (TTZ-WUE)
der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) wurde nun offiziell
durch Markus Blume, den Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und
Kunst, eingeweiht.
In den Räumen der Ochsenfurter Klingentorpassage
begrüßten Hochschulpräsident Prof. Dr. Jean Meyer und Prof. Dr. Sebastian
Biedermann, Leiter des TTZ-WUE, außer Staatsminister Markus Blume den
Landrat des Landkreises Würzburg, Thomas Eberth, den Bürgermeister von
Ochsenfurt, Peter Juks, sowie die Vertreterinnen und Vertreter der
Stifterunternehmen.
„Technologietransferzentren sind ein Erfolgsmodell ,Made in Bavariaʼ. Sie
verwandeln Ideen und Forschungserkenntnisse in nutzbare Innovationen“, so
Prof. Dr. Meyer. Er richtete seinen Dank an das Bayerische
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, an den Würzburger Landrat
und an die Stiftungsunternehmen für die finanzielle Förderung und
Unterstützung.
Wissenschaftsminister Markus Blume betont: „Wenn Franken eins kann, dann
anpacken! Das zeigt sich heute einmal mehr bei der Eröffnung des TTZ für
Cybersicherheit in Ochsenfurt. Es ist bereits die sechste
Transfereinrichtung der THWS – unserem fränkischen TTZ-Champion. Hier in
Ochsenfurt entsteht die Firewall der fränkischen Wirtschaft – das TTZ-WUE
führt echte Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz, Threat Intelligence
und Security Management praxisnah und partnerschaftlich zusammen. Der
Freistaat investiert hier über fünf Millionen Euro, der Landkreis Würzburg
und die Unternehmen der Region bringen sich mit den Räumlichkeiten und
einer Stiftungsprofessur maximal ein. Hier zeigt sich der Zauber unserer
TTZs: Alle ziehen gemeinsam an einem Strang – herzlichen Dank!“
Landrat Thomas Eberth freut sich: „Es ist schön zu sehen, dass bei der
Finanzierung einer solchen Institution an den ländlichen Raum gedacht
wird. Das TTZ-WUE mit seinen Mitarbeitenden und Studierenden ist ein
,Aushängeschildʼ für uns. Danke an das Ministerium für die qualitative und
wertvolle Zusammenarbeit.“ Durch die Verbindung von Wissenschaft und
Wirtschaft würden Unternehmen branchenübergreifend vernetzt, was einen
doppelten Mehrwert schaffe.
Prof. Dr. Biedermann blickt zurück: „Das erste Jahr am TTZ-WUE war
insgesamt ein guter Start. Wir konnten ein Team aus mehreren
wissenschaftlichen Mitarbeitenden aufbauen und in unterschiedlichen
Bereichen arbeiten. Inzwischen laufen mehr als zwölf verschiedene
Projekte, die wir Schritt für Schritt weiterentwickeln. Außerdem sind
bereits erste Publikationen entstanden. Besonders erfreulich ist auch,
dass aus dem Umfeld des TTZ-WUE das erste Start-up hervorgegangen ist.“
Zentrale Forschungsschwerpunkte
Um die mit den Stifterunternehmen gesetzten Forschungsschwerpunkte
umzusetzen, wurden in den vergangenen Monaten sechs wissenschaftliche
Mitarbeitende eingestellt. Der Fokus liegt auf drei zentralen
Kernbereichen:
- Verbindung von künstlicher Intelligenz (KI) und IT-Sicherheit
- Threat Intelligence und Schwachstellensuche
- Security Management und Security Awareness
„Mit diesen Forschungsschwerpunkten verfolgt das TTZ-WUE einen umfassenden
Ansatz, um aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der
Informationssicherheit aktiv zu gestalten“, erklärt Prof. Dr. Biedermann.
Da die schnelle Entwicklung von KI die Informationssicherheit verändert,
forscht das TTZ-WUE an robusten KI-Modellen. Threat Intelligence dagegen
ist die aktive und systematische Analyse von Cyberbedrohungen, um
Sicherheitslücken frühzeitig zu identifizieren und zu schließen – bevor
sie von Angreifenden ausgenutzt werden können. Darüber hinaus werden
bereits erfolgte Angriffe genau untersucht, um Sicherheitsstrategien
vorausschauend zu verbessern und Unternehmen zu schützen. Security
Management und Security Awareness als dritten Forschungsbereich dient zur
Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen und zur Sensibilisierung von
Mitarbeitenden in Unternehmen und Organisationen. Um Unternehmen und
Institutionen ganzheitlich in ihrer Sicherheitsarchitektur zu
unterstützen, setzt das TTZ-WUE auf die Entwicklung effizienter
Sicherheitsstrategien, praxisnaher Schulungskonzepte und automatisierter
Kontrollmechanismen.
Demonstration verschiedener Anwendungen
In einem Rundgang durch die Büroräume wurden fünf Anwendungen
demonstriert. Neben „Deepfakes“ und „Adversarial Samples“, also
manipuliertes Bildmaterial bzw. manipulierte Objekte, welche KI-Modelle
austricksen, konnten die Besuchenden anhand verschiedener Geräte wie
Kameras, Sensoren und Heizkörperthermostate mögliche Sicherheitslücken
entdecken. In der dritten Demonstration „Deutschlands gefährlichster
Schreibtisch“ ging es darum, Mitarbeitende für potenzielle Gefahrenquellen
zu sensibilisieren. Ungesicherte USB-Sticks, offene Schnittstellen wie
entsperrte Laptops oder Zugänge zu Passwörtern – all dies sind typische
Sicherheitsprobleme. Interessierte hatten die Möglichkeit, diese
Schwachstellen am Schreibtisch zu identifizieren und Vorschläge für deren
Behebung zu formulieren. Eine weitere Sicherheitsmaßnahme ist ein
sogenanntes „Honeynet“, bei der absichtlich verwundbare Systeme
eingerichtet wurden, um Angreifer anzulocken und zu beobachten. Die
Besuchenden konnten live digitale Angriffe durch visuell hervorgehobene
Ereignisse auf einer Deutschlandkarte sehen und Trends erkennen. In der
fünften Anwendung „Security Awareness“ führten die Mitarbeitenden ein
Dashboard vor, das Einblicke in erhobene Daten bezüglich der
Sensibilisierung der Mitarbeitenden in einem Unternehmen zeigte.
Aktuelle Herausforderungen durch Cyber-Angriffe
„Der wirtschaftliche Schaden durch Datendiebstahl, Industriespionage und
Sabotage hat in Deutschland ein neues Rekordniveau erreicht und beläuft
sich inzwischen auf jährlich rund 289 Milliarden Euro,“ so Prof. Dr.
Biedermann. Etwa acht von zehn Unternehmen seien in den vergangenen zwölf
Monaten von entsprechenden Vorfällen betroffen, wobei knapp drei Viertel
eine deutliche Zunahme von Cyberangriffen registrierten. Besonders häufig
führten die Spuren der Angriffe nach Osteuropa und Asien, teilweise mit
Hinweisen auf staatliche Akteure und ausländische Geheimdienste.
Sogenannte „Ransomware“ (engl. „ransom“ = Lösegeld) stellte dabei eine
zentrale Bedrohung dar: Jedes dritte betroffene Unternehmen hat nach einem
Angriff Lösegeld gezahlt. Prof. Dr. Biedermann verdeutlicht: „Die Zahlen
unterstreichen die wachsende Bedeutung von Cyber- und Wirtschaftsschutz
für Unternehmen aller Größenordnungen. Angesichts dieser Entwicklung
besteht dringender Handlungsbedarf, um die Widerstandsfähigkeit von
Unternehmen nachhaltig zu stärken.“
Über das TTZ-WUE und die weiteren TTZ der THWS
Das TTZ-WUE arbeitet mit einem breiten Spektrum an Partnern aus
verschiedenen Branchen zusammen, um praxisnahe und zukunftsweisende
Sicherheitslösungen zu entwickeln. Dazu zählen Unternehmen aus der
Industrie, die ihre Produktionssysteme vor digitalen Bedrohungen schützen
müssen, ebenso wie Akteure aus dem Energiesektor, die eine stabile und
sichere Infrastruktur gewährleisten wollen. Auch IT-Firmen sind beteiligt,
die mit innovativen Technologien zur Weiterentwicklung von
Sicherheitsmechanismen beitragen. Ergänzt wird das Netzwerk durch Firmen
aus dem Dienstleistungssektor, auch der kritischen Infrastruktur und
Unternehmen im Bereich der Finanzen, die besonders hohe Anforderungen an
den Schutz sensibler Daten stellen.
Im Rahmen des Programms „Hightech Transfer Bayern“ wird das TTZ-WUE für
fünf Jahre ab Gründung vom Freistaat Bayern gefördert. Die Räumlichkeiten
werden vom Landkreis Würzburg bereitgestellt. Die leitende
Stiftungsprofessur wird von den beteiligten Stifterunternehmen gesponsert.
Die ersten TTZ wurden vor mehr als 15 Jahren gegründet und entwickelten
sich zu wichtigen Innovationstreibern in den Regionen. Im Freistaat Bayern
gibt es mehr als 50 TTZ mit Fokus auf verschiedenen fachlichen
Schwerpunkten. Aktuell sind sechs TTZ an der THWS angesiedelt, und zwar in
Bad Neustadt, Bad Kissingen, Marktheidenfeld, Kitzingen, Haßfurt und
Ochsenfurt.
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten
Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer
Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung.
Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als
60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites
Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur
regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark
international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und
Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen
englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
