Zum Hauptinhalt springen

Demenzschutz durch Kaffee - was ist bekannt?

Pin It

Wie eine große prospektive Kohortenstudie zeigte, könnte der Konsum von
koffeinhaltigem Kaffee und Tee das Demenzrisiko senken. Dafür waren nur
2,5-4,5 Tassen Kaffee täglich erforderlich. Nach Ansicht der Deutschen
Gesellschaft für Neurologie gibt es durchaus plausible Erklärungen für
diesen beobachteten Effekt, allerdings hebt die Fachgesellschaft auch
hervor, dass es sich nicht um kontrolliert randomisierte Daten, sondern um
eine Beobachtungstudie handelt.



Die zugrundeliegende Hypothese der aktuellen Studie [1] war, dass der
Konsum von koffeinhaltigem Kaffee oder Tee mit einem geringeren
Demenzrisiko und einer besseren kognitiven Funktion einhergeht.
Ausgewertet wurden Daten der „Nurses’ Health Study“ (NHS) und der „Health
Professionals Follow-up Study“ (HPFS), in denen prospektiv die
Teilnehmenden bislang über 43 Jahre nachbeobachtet wurden. In diesem
Zeitraum fanden wiederholt Erhebungen der Ernährungsgewohnheiten und des
kognitiven Status (subjektiv und objektiv) statt, auch Untersuchungen auf
Demenz. „Allein schon dadurch hebt sich die neue Studie positiv von
anderen ab, in denen die Ernährungsgewohnheiten nur zu Beginn erhoben
wurden und die oft nur einen kurzen Nachbeobachtungszeitraum hatten“,
erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit. Auch die
Patientenselektion erfolgte mit der notwendigen Sorgfalt: es wurden nicht
nur vorerkrankte Personen mit Tumorleiden, Parkinson oder Demenz
ausgeschlossen, sondern auch diejenigen, die unplausible Angaben zu ihrer
täglichen Kalorienzufuhr machten und sich somit als nicht zuverlässig bei
der Dokumentation ihrer Ernährungsgewohnheiten auf den Fragebögen
erwiesen.

Insgesamt wurden  86.606 weibliche Teilnehmerinnen aus der NHS-Kohorte und
45.215 männliche Teilnehmer der HPFS-Kohorte in die Analyse einbezogen.
Von den 131.821 Personen entwickelten 11.033 während des Follow-ups eine
Demenz. Die Studienteilnehmenden waren je nach ihren Kaffeekonsum in
Quantilen eingeteilt worden, anschließend wurde statistisch ausgewertet,
welches Quantile mit der geringsten Demenzinzidenz einherging. Um die
Datenrobustheit sicherzustellen, wurden zwei multivariate Modelle genutzt.
In Modell 1 wurde der Einfluss von demografischen Merkmalen,
Familienanamnese und Gesamtenergiezufuhr herausgerechnet (letzteres u. a.,
um Unterschiede in Körpergröße und Stoffwechseleffizienz zu
berücksichtigen). Modell 2 bereinigte für Lebensstilfaktoren,
Ernährungsqualität, soziale Faktoren und klinische Komorbiditäten.

In der obersten Quartile nahmen Frauen durchschnittlich 4,5 Tassen pro Tag
zu sich (1 Tasse wurde definiert als 237 ml koffeinhaltiger Kaffee oder
Tee), Männer 2,5 Tassen pro Tag. In der untersten Quartile wurde keinerlei
Kaffee oder Tee konsumiert, in der zweiten Quartile 0,43 Tassen (Frauen
und Männer) und in der dritten Quartile 2,5 Tassen (Frauen) und 1,25
Tassen (Männern).

Im Ergebnis zeigte sich, dass ein höherer Kaffeekonsum mit einem
signifikant geringeren Demenzrisiko verbunden war (141 vs. 330 Fälle pro
100.000 Personenjahre beim Vergleich des vierten [höchsten] Quartils mit
dem ersten [niedrigsten] Quartil; dies entspricht einer Hazard Ratio (HR)
von 0,82 [95 % CI, 0,76 bis 0,89]). Es zeigte sich auch eine geringere
Prävalenz subjektiver kognitiver Beeinträchtigungen (7,8 % gegenüber 9,5
%; HR 0,85 [95 % KI, 0,78 bis 0,93]). „Das heißt, wer koffeinhaltigen
Kaffee trank, konnte sein Demenzrisiko um 18 % senken, was durchaus ein
nennenswerter Effekt wäre“, hebt Prof. Berlit hervor. Koffeinfreie
Getränke (Kaffee oder Tee) hatten hingegen keinen schützenden Effekt.

Doch ist ein solcher Effekt plausibel? Welche Erklärungsansätze gibt es
für einen möglichen demenzprotektiven Effekt von Kaffee? Nach Ansicht der
Autorinnen und Autoren könnte dieser auf verschiedene Mechanismen
zurückzuführen sein:

- Koffein reduziert Beta-Amyloid (Aβ)-Ablagerungen im Gehirn.
Experimentelle Studien haben gezeigt, dass Koffein Aβ-Spiegel senkt, die
β- und γ-Sekretase-Aktivität unterdrückt, die neuronale Plastizität
verbessert und die Mitochondrienfunktion sowie andere Signalwege
stimuliert.

- Darüber hinaus kann Koffein proinflammatorischen Zytokine im Gehirn
senken und Neuroinflammation als Treiber von kognitivem Verfall
reduzieren. Neben Koffein enthalten Kaffee und Tee auch bioaktive
Verbindungen wie Polyphenole, Chlorogensäure und Catechine, die oxidativen
Stress reduzieren und die zerebrovaskuläre Funktion verbessern.

- Auch die Fähigkeit von Koffein, die Insulinsensitivität zu verbessern
und das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken, könnte zu seiner schützenden
Wirkung auf die kognitive Gesundheit beitragen.

Die Ergebnisse der Studie seien somit physiologisch plausibel, betont
Prof. Berlit. „Allerdings handelt es sich nur um Beobachtungsdaten, auch
wenn die Studie qualitativ sehr hochwertig gemacht ist.“

[1] Zhang Y, Liu Y, Li Y, Li Y, Gu X, Kang JH, Eliassen AH, Wang M, Rimm
EB, Willett WC, Hu FB, Stampfer MJ, Wang DD. Coffee and Tea Intake,
Dementia Risk, and Cognitive Function. JAMA. 2026 Feb 9:e2527259. doi:
10.1001/jama.2025.27259. Epub ahead of print. PMID: 41661604; PMCID:
PMC12887839.
https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2844764