Zum Hauptinhalt springen

11. Transfertagung „eHealth & Society“ in München: Wie viel KI verträgt der Mensch?

Pin It

Künstliche Intelligenz verändert das Gesundheitswesen grundlegend: Sie
unterstützt Diagnosen, steuert Abläufe in Praxen und Kliniken, prägt
Versorgungsprozesse – und beeinflusst zunehmend auch das Verständnis vom
eigenen Körper. Auf der Transfertagung „eHealth & Society 2026“ der FOM
Hochschule in München diskutierten Expertinnen und Experten aus
Wissenschaft und Praxis kritisch, wie sich Nutzen, Transparenz und
Verantwortung austarieren lassen. Schirmherrin der Veranstaltung war die
Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention Judith
Gerlach.



„Künstliche Intelligenz verändert, wie wir Gesundheit, Körper und
Identität verstehen. Das ist die Chance, aber auch die Herausforderung
zugleich“, betonte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach in ihrem
Video-Grußwort. Unter dem Leitmotiv „Designobjekt Mensch: Künstliche
Intelligenz im Spannungsfeld von Fortschritt und Verantwortung“ nahmen
rund 250 Teilnehmende – vor Ort und virtuell – die aktuelle Entwicklung
aus drei Perspektiven unter die Lupe: eHealth, Society und Medizin.
Moderiert wurde die Tagung von Ulrike Ostner vom Bayerischen Rundfunk.

Am Vormittag fanden Tracks mit insgesamt neun Sessions statt, die konkrete
Konfliktfelder aufgriffen. Die Bandbreite der Themen war groß – von „Wenn
der Avatar zum Patienten wird“ über „KI zwischen Gloria und Selbstaufgabe
– kann Bildung da helfen?“ bis zu „Schlankheitswahn – ein gefährlicher
Trend?“. Anschließend fassten Studierende der Münchner FOM die Ergebnisse
der unterschiedlichen Tracks zusammen und trugen sie dem Plenum vor.

Keynotes und Podiumsdiskussion

Inwieweit KI unser Verständnis von Gesundheit, Körper und Identität
verändert, zeigten auch die Keynotes im zweiten Teil der Veranstaltung,
auf die eine Podiumsdiskussion mit den Referenten folgte. Der Vortrag
„Reproduktionsmedizin als Werkbank für Designerbabies“ von Dr. med. Bernd
Lesoine (Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe A.R.T.
Reproduktionsmedizin, München) beleuchtete die aktuellen Möglichkeiten,
Wünsche und ethischen Grenzen moderner Fortpflanzungsmedizin. Im Fokus
standen Marktmechanismen, präventive Ansätze sowie kontroverse Fragen rund
um Präimplantationsdiagnostik und genetische Selektion.

Der Vortrag „Sinn und Unsinn in der ästhetisch-plastischen Chirurgie“ von
Dr. med. Andreas Heitland (Sekretär der Vereinigung der Deutschen
Ästhetisch-Plastischen Chirurgen, München) zeigte, wie digitale
Schönheitsideale sozialen Druck erzeugen und das Verständnis von Schönheit
tiefgreifend beeinflussen. Anhand medizinischer Beispiele und Markttrends
wurde diskutiert, wann ästhetische Eingriffe sinnvoll sind – und warum
Akzeptanz und Selbstbild dabei entscheidend bleiben.

Die Keynote „Schöpfer und Schöpfung“ von Prof. Dr. med. Eckhard Frick (SJ,
Leiter der Forschungsstelle Spiritual Care, TUM Klinikum Rechts der Isar
München) beschäftigte sich mit der philosophischen Verantwortung
technologischen Fortschritts sowie den Spannungsfeldern zwischen
Datenschutz, Selbstoffenbarung und Selftracking. Thematisiert wurden die
Entstehung künstlicher Personas, das Potenzial ständiger Selbstoptimierung
und die Idee, dass der Mensch eher Geschöpf als Schöpfer ist.

Sieger des Aaron-Antonovsky-Filmwettbewerb gekürt

Zum Abschluss der „eHealth & Society 2026“ verliehen Dr. Wolfgang
Schneider vom Bayerischen Apothekerverband und die Keynotespeaker die
Preise für den 7. Aaron-Antonovsky-Filmwettbewerb der FOM Hochschule. Der
erste Platz und der Publikumspreis gingen an die beiden FOM Studentinnen
Miriam Nachbarschulte und Lisa Sawatzki für ihren Film mit dem Titel
„Delivered“. Thema des Beitrags: ein nach den Wünschen und Bedürfnissen
der „Eltern“ bestelltes Designerbaby – mit fester Lieferzeit und
Rückgabegarantie.

Die eingereichten Filme setzten sich mit dem Thema einer der drei Keynotes
auseinander. Am Wettbewerb beteiligten konnten sich Teams mit bis zu drei
Personen. Voraussetzung war, dass mindestens ein Teammitglied aktuell an
der FOM studiert. Insgesamt wurden drei Plätze und ein Publikumspreis
vergeben. Der erste Platz ist mit 800 Euro dotiert; auch die weiteren
Plätze wurden prämiert.

„Innovation darf kein Selbstzweck sein“

Prof. Dr. habil. Manfred Cassens, wiss. Direktor des ifgs Institut für
Gesundheit & Soziales der FOM und Initiator der jährlich stattfindenden
Transfertagungen, betonte nach der Veranstaltung: „Der technologische
Wandel im Gesundheitswesen ist tiefgreifend – er betrifft Diagnostik
ebenso wie unser Verständnis von Körper und Identität. Innovation darf
dabei kein Selbstzweck sein. Entscheidend ist, dass wir Fortschritt mit
ethischer Verantwortung und gesellschaftlicher Reflexion verbinden. Genau
dafür schaffen wir mit der Transfertagung einen interdisziplinären
Dialog.“

Über die FOM Hochschule

Mit rund 45.000 Studierenden zählt die FOM zu den größten Hochschulen
Europas. Initiiert durch die gemeinnützige Stiftung für internationale
Bildung und Wissenschaft ermöglicht sie Berufstätigen, Auszubildenden,
Abiturienten und international Studierenden ein Hochschulstudium. Die FOM
ist staatlich anerkannt und bietet mehr als 60 akkreditierte Bachelor- und
Master-Studiengänge an – im Campus-Studium+ an über 30 Hochschulzentren
oder im ortsunabhängigen Digitalen Live-Studium aus den FOM Studios.
Studierende können zudem weltweit Studienerfahrungen an renommierten
Partnerhochschulen sammeln. Beim StudyCheck Award 2026 belegte die FOM den
ersten Platz in der Kategorie „Hochschulen mit über 15.000 Studierenden“.
Damit zählt sie zu den beliebtesten Hochschulen Deutschlands. Weitere
Informationen: www.fom.de