„Klimaschutz ist auch Verhaltenspolitik“: DGPs bringt psychologische Evidenz in den politischen Dialog
Anlässlich der Vorstellung der neuen Policy-Ultra-Briefs-Reihe zum
Klimaschutz lud die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) am
Dienstag, 24. Februar 2026, zu einem Parlamentarischen Abend nach Berlin
ein. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Medien
diskutierten dort, wie Klimapolitik wirksam gestaltet und
verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse systematisch für politische
Entscheidungsprozesse nutzbar gemacht werden können.
In ihrer Eröffnungsansprache betonte Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier,
Präsidentin der DGPs: „Obwohl der Handlungsbedarf in der Klimakrise
wissenschaftlich klar belegt ist, hat das Thema im öffentlichen Diskurs
zuletzt an Sichtbarkeit verloren. Dass sich heute so viele Vertreterinnen
und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Medien hier versammelt haben,
ist ein wichtiges Zeichen – für die Psychologie ebenso wie für den
Klimaschutz. Denn Klimaschutz ist auch Verhaltenspolitik. Mit den Policy
Ultra-Briefs bringen wir psychologische Evidenz gezielt in den Austausch
mit Politik und Medien ein – als Beitrag zu wirksamen und gesellschaftlich
tragfähigen Entscheidungen. Denn genau darum geht es: vom Wissen zur
Wirkung.“
Die Policy Ultra-Briefs zum Klimaschutz wurden von Mitgliedern der DGPs-
Interessengruppe Mensch, Klima, Nachhaltigkeit entwickelt. Das neue Format
bereitet aktuelle psychologische und verhaltenswissenschaftliche
Erkenntnisse kompakt, verständlich und handlungsorientiert für politische
Entscheidungsprozesse auf. Prof. Dr. Wilhelm Hofmann, Mitherausgeber der
Reihe, erläuterte die konzeptionelle Leitidee: „Die Policy Ultra-Briefs
zeigen, dass wissenschaftliche Differenziertheit und politische
Anschlussfähigkeit kein Widerspruch sein müssen. Unser Ziel ist es,
Befunde aus der Psychologie so zu verdichten, dass sie für die politische
Praxis handlungsrelevant werden.“
Schirmherr des Abends war Prof. Dr. Karl Lauterbach, MdB, Vorsitzender des
Ausschusses für Forschung, Technologie, Raumfahrt und
Technikfolgenabschätzung. In seinem Impuls hob er die strategische
Bedeutung verhaltenswissenschaftlicher Expertise für politische
Entscheidungsprozesse hervor: „Die großen Transformationsaufgaben unserer
Zeit – insbesondere im Klimaschutz – lassen sich nicht allein
technologisch lösen. Wir brauchen ein fundiertes Verständnis menschlichen
Verhaltens. Die Policy Ultra Briefs leisten hier einen wichtigen Beitrag,
indem sie psychologische Evidenz systematisch für die politische Praxis
aufbereiten.“
In drei inhaltlichen Schlaglichtern wurden zentrale Erkenntnisse der neuen
PUB-Reihe vorgestellt:
• Verborgene Zustimmung: Prof. Dr. Ellen Matthies (Otto-von-Guericke-
Universität Magdeburg) zeigte auf, dass die öffentliche Unterstützung für
Klimaschutzmaßnahmen systematisch unterschätzt wird – mit relevanten
Folgen für politische Entscheidungsprozesse und öffentliche Kommunikation.
• Psychologische Strategien für wirksame Kommunikation: Prof. Dr. Kevin
Tiede (Universität Erfurt) stellte evidenzbasierte Ansätze zur
Rahmengestaltung von Klimapolitik vor und veranschaulichte, wie
strategische Kommunikation gesellschaftliche Akzeptanz und
Handlungsbereitschaft fördern kann.
• Akzeptanz von Windenergieprojekten: Prof. Dr. Gundula Hübner (Martin-
Luther-Universität Halle-Wittenberg) zeigte mit ihrem Impuls
psychologische Faktoren auf, die die Zustimmung zu Windenergieprojekten
beeinflussen, und welche konkreten Implikationen sich daraus für
politische Prozesse ableiten lassen.
Die Beiträge verdeutlichten exemplarisch, wie verhaltenswissenschaftliche
Befunde konkrete politische Hebel identifizieren und zur Gestaltung
wirksamer, gesellschaftlich tragfähiger Klimapolitik beitragen können.
In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Prof. Dr. Karl
Lauterbach, MdB, Prof. Dr. Cornelia Betsch (Universität Erfurt), Dr. Malte
Petersen (Referent „Wirksam Regieren“, Bundeskanzleramt), Dr. Jakob
Simmank (Chefreporter Gesundheit, DIE ZEIT) und Dr. Eckart von
Hirschhausen (Arzt und Wissenschaftsjournalist) darüber, wie der Dialog
zwischen Politik, Wissenschaft und Medien gestärkt und unter welchen
Bedingungen wissenschaftliche Politikberatung wirksam werden kann.
Thematisiert wurden dabei auch strukturelle und administrative Hürden in
politischen Entscheidungsprozessen. Gemeinsam mit dem Publikum wurde zudem
die nachlassende öffentliche Aufmerksamkeit für Klimaschutz und Klimakrise
aufgegriffen. Betont wurde die Verantwortung der Wissenschaft, belastbare
Erkenntnisse frühzeitig und adressatengerecht bereitzustellen ebenso wie
die zentrale Rolle der Medien, kontinuierlich zu informieren. Zugleich
wurde betont, dass die in der Coronakrise gewachsene Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaft, Politik und Medien wertvolle Erfahrungen geliefert
hat und dass der Dialog aufbauend auf diesen Erfahrungen weiter
professionalisiert werden sollte.
Beim anschließenden Get-together nutzten die zahlreich erschienenen
Vertreterinnen und Vertreter aus Partnerverbänden, Interessenvertretungen,
den Medien und der Politik die Gelegenheit, sich zu vernetzen,
unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und die Impulse aus
Vorträgen und Diskussion in weiteren Gesprächen zu vertiefen.
Hintergrund: Die Policy Ultra Briefs der DGPs
Mit den Policy Ultra-Briefs etabliert die DGPs ein neues Dialogformat an
der Schnittstelle von Psychologie und Politik. Weitere Themenreihen, unter
anderem zu Demokratie & Psychologie sowie KI & Psychologie, sind bereits
in Planung. Die bisher veröffentlichten Policy Ultra Briefs können hier
abgerufen werden: https://psychologie.de/oeffent
briefs/
