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Kapazitäten stärken – ein wirksamer Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit zur Ernährungssicherung?

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Wie wirksam kann die Entwicklungszusammenarbeit die Ernährung von Menschen
sichern, die von Hunger und Ernährungskrisen betroffen oder bedroht sind?
Dies untersuchte das Deutsche Evaluierungsinstitut der
Entwicklungszusammenarbeit (DEval) im Rahmen einer Synthesestudie zu
Maßnahmen international geförderter Entwicklungszusammenarbeit in
Subsahara-Afrika. Das Ergebnis: Wissensvermittlung und Kapazitätsstärkung
wirken sich positiv auf die Ernährungssicherheit aus. Besonders
marginalisierte Bevölkerungsgruppen profitieren jedoch nur von diesen
Maßnahmen, wenn sie über die notwendigen Ressourcen und Rechte verfügen,
um das Gelernte anzuwenden.

Die Überwindung von Hunger und Armut bleibt ein zentrales Ziel der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Dies bestätigt das kürzlich
vorgestellte Reformkonzept des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das Ministerium gibt etwa 20 Prozent
seiner Mittel für Ernährungssicherung, Landwirtschaft und ländliche
Entwicklung aus und legt zukünftig einen noch stärkeren Fokus auf
Subsahara-Afrika.

Entwicklungspolitik will erneute Zunahme von Hunger stoppen

Der Klimawandel, Preissteigerungen als Folge des russischen Angriffskriegs
gegen die Ukraine sowie die Auswirkungen der COVID-Pandemie gefährden
massiv die Erfolge, die in den letzten Jahrzehnten bei der Bekämpfung von
Hunger und Unterernährung erzielt wurden. In einigen Teilen Afrikas
hungern wieder mehr Menschen und die Ernährungskrisen nehmen zu. Waren im
Jahr 2015 45 Prozent der Bevölkerung in Afrika von moderater oder schwerer
Ernährungsunsicherheit betroffen, stieg ihr Anteil bis 2024 auf 59
Prozent.

DEval bietet wichtige Entscheidungsgrundlage

Wissen zu vermitteln und Kapazitäten zu stärken, sind wichtige Instrumente
der Entwicklungszusammenarbeit, weil sie die Handlungskompetenz der
Menschen so erweitern, dass diese ihre Ernährung besser sichern können. In
einer Synthesestudie zur international vorliegenden Evidenz betrachtete
das DEval die Wirksamkeit von Maßnahmen der Wissensvermittlung und
Kapazitätsentwicklung entlang landwirtschaftlicher Lieferketten und für
lokale Konsument*innen.
Die Studie ist die erste ihrer Art, denn sie stellt die Wirkungen einer
Vielzahl entwicklungspolitischer Maßnahmen auf alle sechs Dimensionen der
Ernährungssicherung dar: (i) Verfügbarkeit von Nahrung, (ii) Nutzung von
Nahrung, (iii) Zugang zu Nahrung, (iv) Stabilität der Ernährungssysteme,
(v) Nachhaltigkeit der Ernährungssysteme sowie (vi) Handlungskompetenz der
Menschen vor Ort. Sie zeigt auf, welche Maßnahmentypen sich als wirksam
erwiesen haben.

Ergebnisse: Maßnahmen sollten kombiniert werden

Maßnahmen der Wissensvermittlung und Kapazitätsstärkung beeinflussen die
verschiedenen Dimensionen der Ernährungssicherheit positiv, so die
Kernbotschaft der Studie. Allerdings stellte das DEval auch fest, dass
kein Maßnahmentyp in allen sechs Dimensionen der Ernährungssicherung
wirkt. Die Synthesestudie zeigt auf, durch welche Maßnahmen Erfolge in
welcher Dimension erzielt werden können. Sie kann so staatliche und
zivilgesellschaftliche Entwicklungsakteure weltweit bei der Planung von
Maßnahmenkombinationen unterstützen und ihnen eine wichtige
Entscheidungsgrundlage bieten.

Zum Beispiel eignen sich entlang von Agrarlieferketten Maßnahmen der
Beratung von landwirtschaftlichen Akteuren zu klimaangepassten
Anbauweisen, um den Zugang zu Nahrung zu verbessern und deren
Verfügbarkeit zu erhöhen. Bei Gemeindeversammlungen kann den Teilnehmenden
ernährungsbezogenes Wissen vermittelt werden, um die Diversität der
Ernährung in ihren Haushalten zu fördern. Das zusätzliche Wissen kann auch
ihre Handlungskompetenz erhöhen, ernährungsrelevante Entscheidungen zu
treffen. Das DEval folgerte, dass die Kombination von Maßnahmen die
Wirksamkeit auf die Ernährungssicherheit erhöhen kann.

Zudem ist eine Kombination von Maßnahmen unerlässlich, um besonders
marginalisierte Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Studienleiterin Dr.
Cornelia Römling unterstreicht: „Es zeigte sich, dass besonders vulnerable
Gruppen wie Frauen, Kinder oder Indigene oft nicht von einer einzelnen
kapazitätsstärkenden Maßnahme profitieren können. Ihnen fehlen häufig
Ressourcen wie Geld oder Maschinen, um das Gelernte umsetzen zu können.“
Darüber hinaus haben sie oftmals keine oder nur eingeschränkte Besitz-
oder Nutzungsrechte an Land, um Nahrung anzubauen. Dies spreche dafür, so
Römling, Maßnahmenpakete zu schnüren und etwa Wissensvermittlung mit der
Vergabe von Saatgut oder Bargeldtransfers oder der Beratung zu Landrechten
zu kombinieren.

Ausblick: Ernährungssicherung und Multilateralismus

Das DEval plant, 2026 die Wirksamkeit der multilateralen
Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Ernährungssicherung zu evaluieren.
Damit vertieft es gleichzeitig zwei laut Reformplan des BMZ prioritäre
Themen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit: Multilateralismus und die
Bekämpfung von Hunger. Auf diese Weise wird das DEval auch zukünftig für
die evidenzbasierte Politikgestaltung des BMZ wichtige Erkenntnisse zur
Ernährungssicherung generieren.

Über die Studie

Das DEval trug in der Synthesestudie mit dem Fokus auf Subsahara-Afrika
Erkenntnisse von über 50 internationalen wissenschaftlichen
Wirkungsevaluierungen zusammen und wertete diese aus. Die Langfassung der
Studie mit dem Titel „The Effects of Capacity Strengthening Interventions
on Food Security and Nutrition“ ist in englischer Sprache auf der Website
des DEval veröffentlicht. Die deutschsprachige Zusammenfassung „Wirkungen
von kapazitätsstärkenden Maßnahmen auf die Ernährungssicherheit“ ist
ebenfalls auf der DEval-Website verfügbar.

Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval)
ist vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) mandatiert, Maßnahmen der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit unabhängig und nachvollziehbar zu analysieren
und zu bewerten. Mit seinen strategischen und wissenschaftlich fundierten
Evaluierungen trägt das Institut dazu bei, die Entscheidungsgrundlage für
eine wirksame Gestaltung des Politikfeldes zu verbessern und Ergebnisse
der Entwicklungszusammenarbeit transparenter zu machen. Das Institut
gehört zu den Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und wird von Prof.
Dr. Jörg Faust geleitet.