Quellen zum NS-Völkermord an den Sinti und Roma in Europa
Eine groß angelegte digitale Edition führt Quellen zum
nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma in Europa
zusammen und macht sie für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich.
Publiziert werden sollen rund 1.200 Dokumente. Angesiedelt ist das von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt an der
Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg.
Für die
Gesamtlaufzeit von neun Jahren stehen Fördermittel in Höhe von rund 4,5
Millionen Euro zur Verfügung. Das Vorhaben basiert maßgeblich auf der
digitalen „Enzyklopädie des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in
Europa“, die seit Juli 2020 ebenfalls an der Forschungsstelle entsteht.
Pressemitteilung
Heidelberg, 24. Februar 2026
Quellen zum NS-Völkermord an den Sinti und Roma in Europa
Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert digitale Edition an der
Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg
Eine groß angelegte digitale Edition führt Quellen zum
nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma in Europa
zusammen und macht sie für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich.
Publiziert werden sollen rund 1.200 Dokumente – Schriftstücke aus dem
Verwaltungs- und Verfolgungsapparat, ergänzt um Quellen aus der
Perspektive der Opfer. Angesiedelt ist das von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt an der Forschungsstelle
Antiziganismus der Universität Heidelberg. Für die Gesamtlaufzeit von neun
Jahren stehen Fördermittel in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro zur
Verfügung. Das Vorhaben basiert maßgeblich auf der digitalen „Enzyklopädie
des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa“, die seit Juli 2020
ebenfalls an der Forschungsstelle entsteht.
„Der NS-Völkermord an den Sinti und Roma wurde nicht nur gesellschaftlich
und politisch jahrzehntelang ignoriert, sondern auch in der Forschung kaum
beachtet“, erläutert die Historikerin Dr. Karola Fings, wissenschaftliche
Leiterin der beiden Projekte. Ziel ist es, mit der „Edition zum NS-
Völkermord an den Sinti und Roma in Europa“ alle Verfolgungsprozesse von
der rassistischen Stigmatisierung bis hin zum Mord in den
Vernichtungslagern abzubilden. Geografisch umfasst die Edition sämtliche
Länder, in denen Sinti und Roma unter deutscher Vorherrschaft oder durch
mit Deutschland verbündete Staaten verfolgt wurden. Darüber hinaus werden
auch neutrale Staaten sowie die westlichen Kriegsgegner des Deutschen
Reiches einbezogen. Die Edition vereint erstmals alle für die
verschiedenen Tatkomplexe des Völkermordes relevanten Schriftstücke aus
dem Verwaltungs- und Verfolgungsapparat. „Dieses Schrifttum“, so Dr.
Fings, „wird konsequent durch Quellen aus der Perspektive der Opfer
ergänzt, um ihre Individualität und Selbstbehauptung sichtbar zu machen
und den antiziganistischen Deutungsmustern der Täterinnen und Täter eine
eigenständige Überlieferung entgegenzustellen.“
„Die Edition leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Erweiterung der
kulturellen Gedächtnisse Europas und schafft einen langfristig angelegten
Wissensspeicher für die Zukunft, der nicht zuletzt mit Blick auf den
gegenwärtigen Antiziganismus hochrelevant ist“, betont Dr. Frank Reuter,
wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle Antiziganismus. In
ihrer Funktion als kuratiertes Archiv soll die Edition vielfältige Anstöße
geben und Ausgangspunkt für weitere Forschungsprojekte sein. „Auch mit
Blick auf die Bedeutung des ost- und südosteuropäischen Tatraumes für den
Völkermord an den Sinti und Roma wird das Vorhaben weitere Erkenntnisse
ermöglichen“, so Prof. Dr. Tanja Penter, Osteuropahistorikerin und
wissenschaftliche Leiterin der Forschungsstelle Antiziganismus. Als
Antragsteller werden Dr. Fings, Dr. Reuter und Prof. Penter sowie Dr.
Brigitte Grote, Leiterin des Bereichs Digitale Forschungsinfrastrukturen
an der Freien Universität Berlin, das Projekt gemeinsam mit der
Heidelberger Wirtschafts- und Sozialhistorikerin Prof. Dr. Katja Patzel-
Mattern leiten. Die Arbeiten wurden zu Beginn dieses Jahres aufgenommen.
Die Edition stützt sich inhaltlich auf die digitale „Enzyklopädie des NS-
Völkermordes an den Sinti und Roma in Europa“, die mit Förderung durch das
Auswärtige Amt an der Forschungsstelle Antiziganismus entsteht. Sie führt
das weit verstreute, oft schwer zugängliche historische Wissen zum
Völkermord und seinen Ursachen, Strukturen und seinem Verlauf zusammen und
leistet damit eine wesentliche Vorarbeit für die digitale Quellenedition.
Begleitet wird das Vorhaben, das sich auf ein Netzwerk von mehr als 100
Expertinnen und Experten aus 26 Ländern stützt, durch einen
internationalen wissenschaftlichen Beirat.
Die Forschungsstelle Antiziganismus wurde als europaweit erste und bislang
einzige akademische Institution mit diesem inhaltlichen Schwerpunkt am
Historischen Seminar der Universität Heidelberg etabliert. Seit 2017 wird
dort zu Ursachen, Formen und Folgen des Antiziganismus in den europäischen
Gesellschaften vom Mittelalter bis in die Gegenwart geforscht.
