Spalten Gefühle unsere Gesellschaft? - Ulmer Denkanstöße vom 11. bis 14. März
Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spaltung und dem Erstarken
autoritärer Tendenzen widmen sich die 19. Ulmer Denkanstöße der Frage, wie
Emotionen und Polarisierung zusammenhängen: Spalten Gefühle unsere
Gesellschaft – oder können sie auch Brücken schlagen? Die über die Region
hinaus bekannte mehrtägige Diskussions- und Kulturveranstaltung, die vom
12. bis zum 14. März im Stadthaus Ulm stattfindet, bietet wieder ein
hochkarätiges Programm mit ordentlich Prominenz. Zum Auftakt wird am
Mittwoch, den 11. März, im Xinedome der Film L.A. Crash gezeigt. Bis auf
den Film sind alle Veranstaltungen kostenlos.
In gesellschaftlichen Debatten geht es längst nicht mehr nur um Fakten.
Gerade bei Themen, die stark polarisieren, sind Emotionen oft ein
treibender Faktor – sie reichen von Wut, Hass, Angst und Empörung bis hin
zu Hoffnung und Solidarität. „Diese Gefühle prägen unsere Wahrnehmung,
unsere Urteile, unsere Diskussionen und unser Miteinander – ob am
Küchentisch, auf Social Media, in Talkshows oder der Politik“, sagt Iris
Mann, Kulturbürgermeisterin der Stadt Ulm. „In dieser Veranstaltung
möchten wir gemeinsam erkunden, welche Rolle Emotionen in öffentlichen
Debatten spielen, warum sie so wirkmächtig sind – und wie wir mit ihnen
umgehen können, ohne uns voneinander zu entfremden“, ergänzt Professorin
Rebekka Hufendiek. Die Leiterin des Departments für Geisteswissenschaften
an der Universität Ulm und ihr Team organisiert die Ulmer Denkanstöße
gemeinsam mit der Kulturabteilung der Stadt Ulm und der Stiftung Bildung
und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg.
Den Eröffnungsvortrag hält am Donnerstag, 12. März, um 19:30 Uhr Samira El
Ouassil. Die Schauspielerin und Publizistin spricht über „Die Kunst,
uneinig zu bleiben“ und verbindet in ihrem Vortrag die soziologische
Polarisierungsforschung mit einer kulturwissenschaftlichen Perspektive auf
den Wunsch nach „Entpolarisierung“. Das Diskussionspanel zum Spannungsfeld
zwischen Polarisierung und Zusammenhalt am Freitag, 13. März (16:00 bis
18:00 Uhr), bestreiten Dr. Nadja-Raphaela Baer von der Humboldt-
Universität zu Berlin, der Züricher Journalist Manuel Stark sowie Leonie
Pessara von der Werkstatt für Verständigung Berlin. Am Freitagabend um
19:00 Uhr geht es um eine heiß diskutierte und insbesondere für junge
Menschen äußerst brisante Angelegenheit: ein Social Media-Verbot für
Jugendliche. In einem Streitgespräch auf der Grundlage des ZDF-Formats „13
Fragen“ diskutieren sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer, reagieren auf
Argumente und sondieren den Raum für Kompromisse. Moderiert wird die
Veranstaltung von der Berliner Journalistin Salwa Houmsi.
Bei der Lesung und anschließenden Diskussion, am Samstag, 14. März (14:00
bis 15:30 Uhr), geht es darum, wie man in Zeiten der Polarisierung wieder
richtig streiten lernt. Dass dies möglich ist, demonstrieren Professor
Meron Mendel und Saba-Nur Cheema. Der israelisch-deutsche Pädagoge und
Direktor der Bildungsstätte Anne Frank und die deutsch-pakistanische
Erziehungswissenschaftlerin und Politologin Saba-Nur Cheema sind nicht nur
privat ein Paar. Sie publizieren auch gemeinsam, unter anderem über den
Konflikt zwischen Israel und Palästina. In ihrer FAZ-Kolumne „Muslimisch-
jüdisches Abendbrot“ blicken sie gemeinsam auf die sich zunehmend
polarisierende Welt. Ihr Motto dabei ist „raus aus den Echokammern“ und
„rein in die Grauzonen“.
Den Abschlussvortrag am Samstag um 16:00 Uhr über Deradikalisierung und
Gewaltprävention hält Peter Anhalt. Der Theologe und Supervisor leitet den
Fachbereich Rechtsextremismus im Violence Prevention Network Berlin. In
seinem Vortrag „Zwischen Wut und Weltbild: Emotionen in Radikalisierung
und Prävention“ zeigt Anhalt anhand konkreter Fälle, wie sich biografische
Erfahrungen und kollektive Dynamiken verbinden, und wie emotional
aufgeladene Situationen in gewaltvolles Denken und Handeln umschlagen
können.
Alle Stadthaus-Veranstaltungen sind kostenfrei – um Spenden wird gebeten!
„Die Ulmer Denkanstöße überzeugen Jahr für Jahr mit brandaktuellen und
hochbrisanten Themengebieten. Wer einmal bei den Ulmer Denkanstößen dabei
war, der möchte jedes Jahr hin. Die Vortragsreihe zu unterstützen, ist uns
eine Herzensangelegenheit“, so Martin Buch, Stiftungsratsvorsitzender der
Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg. Wie in
den Jahren zuvor sorgt die Stiftung als Mitveranstalterin und
Unterstützerin zu einem großen Teil dafür, dass der Eintritt zu allen
Veranstaltungen im Stadthaus für die Besucherinnen und Besucher kostenfrei
ist. Die Filmvorführung im Xinedome kostet 5 Euro.
Die gesammelten Spenden gehen in diesem Jahr an die Bewährungs- und
Straffälligenhilfe Ulm e.V. Der Betrag wird wie in den Jahren zuvor wieder
von der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank verdoppelt und am
Ende der Denkanstöße als symbolischer Scheck öffentlich übergeben. Das
detaillierte Programm sowie – nach Abschluss der Veranstaltung – die
Aufzeichnung der Beiträge gibt es online unter www.ulmer-denkanstoesse.de.
