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Mehr Schutz und Forschung notwendig: Globale Artenvielfalt der Bienen bisher deutlich unterschätzt

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Eine wissenschaftliche Studie liefert erstmals fundierte Schätzungen zur
Bienenartenvielfalt auf globaler, kontinentaler und nationaler Ebene.
Zugleich macht sie deutlich, wie wichtig die internationale taxonomische
Grundlagenforschung ist, um Wissenslücken zu schließen und die
Biodiversität wirksam zu schützen.

Stuttgart, 24.02.2026.
Forschende schätzen, dass es auf der Erde mindestens 1,5 Millionen
Insektenarten gibt, wobei die tatsächliche Zahl vermutlich noch deutlich
höher liegt und unbekannt ist. Diese Wissenslücken zu schließen ist
grundlegend, um Artenrückgänge zu verfolgen, Lebensräume zu schützen und
die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen besser beurteilen zu können. Ein
internationales Team unter der Leitung von Dr. James Dorey von der
University of Wollongong (Australien), darunter Dr. Michael Orr vom
Naturkundemuseum Stuttgart, hat nun eine umfassende, statistisch fundierte
Schätzung der Anzahl der Bienenarten auf allen Kontinenten und in allen
Ländern weltweit vorgelegt. Mit ihren Berechnungen und veröffentlichten
Methoden zur Artenerfassung liefern sie eine neue Grundlage für die
globale Biodiversitätsforschung. Die Ergebnisse zeigen, wie viele
Bienenarten noch nicht klassifiziert oder bislang übersehen wurden – ein
Aspekt, der für den weltweiten Naturschutz und die Ernährungssicherheit
entscheidend ist. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature
Communications veröffentlicht.

Bienen sind der Schlüssel für gesunde Ökosysteme:
Als zentrale Bestäuber sind Bienen für intakte Ökosysteme und eine
nachhaltige Landwirtschaft unverzichtbar. Nur auf Basis verlässlicher
Schätzungen der Artenvielfalt lassen sich Naturschutzmaßnahmen gezielt
priorisieren, die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen beurteilen und
evolutionäre Prozesse besser verstehen.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine große Anzahl von Wildbienenarten noch
unentdeckt ist, von denen viele möglicherweise bereits bedroht sind. Wir
wissen sehr wenig über ihren Beitrag zu Ökosystemen und können die Folgen
ihres Verschwindens für die Biodiversität und die Landwirtschaft nicht
abschätzen. Umso dringlicher ist es, diese Arten zu entdecken,
wissenschaftlich zu beschreiben und ihre Rolle genauer zu untersuchen“,
sagt Dr. Michael Orr, Entomologe am Naturkundemuseum Stuttgart.

Bislang unterschätzte Artenvielfalt:
Frühere Schätzungen zur weltweiten Bienenvielfalt waren oft unsicher oder
beruhten auf unvollständigen Daten. Mithilfe globaler Datensätze,
Beschreibungen von Arten,

Länderchecklisten, wissenschaftlicher Aufzeichnungen sowie statistischer
Schätzungen der Artenvielfalt haben die Forschenden die Zahl der
Bienenarten auf globaler, kontinentaler und Länderebene ermittelt. Sie
konnten die Zahl der Bienenarten auf mindestens 24.705 bis 26.164
beziffern. Dies legt nahe, dass weltweit 3.700 bis 5.200 bislang
unbekannte oder unbeschriebene Wildbienenarten existieren. Durch die
Quantifizierung dieser enormen Artenvielfalt, die die Grundlage für
Ökosysteme und die globale Nahrungsmittelproduktion bildet, unterstreicht
die Studie die dringende Notwendigkeit, biologische Vielfalt angesichts
des weltweiten Umweltwandels besser zu schützen und zu erfassen.

Kooperationen wichtig für die globale Biodiversitätsforschung:
Laut den Autor*innen der Studie stehen der Schutz, die Erforschung und die
Taxonomie von Wildbienen weltweit vor Herausforderungen wie zum Beispiel
Datenmangel, Aussterben sowie politischen und kulturellen Hindernissen.
Das Forschungsteam empfiehlt, dass wohlhabendere Staaten gezielt den
wissenschaftlichen Kompetenzaufbau sowie länderübergreifende Kooperationen
fördern.
„Diese Herausforderungen sind besonders deutlich in Afrika, Asien, Mittel-
und Südamerika, wo eine hohe Artenvielfalt auf einen Mangel an Kapazitäten
und Finanzmitteln trifft. Selbst in reichen Ländern wie Australien gibt es
Probleme mit der Art und Weise, wie wir Arten beschreiben, und wir
unterschätzen wahrscheinlich die Anzahl der Arten, die wir haben“, erklärt
der Erstautor der Studie Dr. James Dorey von der University of Wollongong
in Australien.
Eine verstärkte internationale Zusammenarbeit und die molekulare Erkennung
von Arten werden sich als entscheidend erweisen, um die derzeitigen
Wissenslücken zu schließen.

Innovatives Analysetool für weltweite Forschung:
Die meisten bislang unentdeckten Bienenarten erwarten die
Wissenschaftler*innen in Asien, gefolgt von Afrika, Südamerika,
Nordamerika, Europa und Ozeanien. Mit ihrem frei verfügbaren,
statistischen R-Paket-Framework stellen die Forschenden ein Werkzeug
bereit, das dabei hilft, das Wissen über verschiedene Tier- und
Pflanzengruppen zu erweitern. Es ermöglicht zuverlässige Schätzungen der
Artenvielfalt auf der Grundlage unterschiedlicher Datensätze,
automatisiert Analysen, vergleicht Ergebnisse und führt Schätzungen für
verschiedene Regionen durch. Dies ermöglicht es Forschern weltweit, nach
einheitlichen Standards zu arbeiten und einen gemeinsamen internationalen
Konsens über die Artenzahlen zu erzielen, was eine wichtige Grundlage für
gezielte Schutzmaßnahmen darstellt.