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Glatteis-Trauma: Interdisziplinäre Versorgung von älteren Patientinnen und Patienten

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Über die Hälfte aller Patientinnen und Patienten mit schweren
Sturzverletzungen ist über 65 Jahre alt. Heilung und Regeneration von
Knochenbrüchen hängt maßgeblich von abgestimmter Therapie ab. Dresdner
setzen auf enge Zusammenarbeit von Altersmedizin, Orthopädie und
Unfallchirurgie.



Eisige Temperaturen, glatte Gehwege und rutschige Straßen: Das aktuell
kalte und schwankende Winterwetter erhöht das Sturzrisiko erheblich.
Besonders betroffen sind ältere Menschen. Mehr als die Hälfte aller
Patientinnen und Patienten mit schweren Sturzverletzungen sind über 65
Jahre alt. Knochenbrüche – allen voran Hüftfrakturen – haben in dieser
Altersgruppe oft gravierende Folgen für Mobilität, Selbstständigkeit und
Lebensqualität. Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden werden
diese Patientinnen und Patienten mit einer bundesweit besonderen Expertise
behandelt: Hier arbeiten Traumatologie und Altersmedizin eng und
strukturiert zusammen. Ziel ist es, ältere Unfallpatientinnen und
-patienten nicht nur operativ optimal zu versorgen, sondern sie so schnell
und sicher wie möglich wieder mobil zu machen. Die besondere Dresdner
Expertise in der Versorgung älterer Unfallpatientinnen und -patienten
spiegelt sich beim Kongress Alterstraumatologie & Osteologie wider, der
vom 26. bis 28. Februar in Frankfurt/Main stattfinden.

Die anhaltend kalten Temperaturen und Glättephasen in der aktuellen
Wintersaison bleiben nicht folgenlos – gerade für ältere Menschen. In den
ersten Wochen des neuen Jahres bis Mitte Februar haben die Medizinerinnen
und Mediziner am UniversitätsCentrum für Orthopädie, Unfall- & Plastische
Chirurgie (OUPC) des Universitätsklinikums Dresden allein 71 Patientinnen
und Patienten mit Frakturen an Handgelenken, Ellenbogen, Schulter oder
Schenkelhals behandelt, die älter als 65 Jahre sind. Insgesamt sind damit
78 Prozent dieser Verletzten älter als 65 Jahre. Bei den
Handgelenksfrakturen verzeichnet das OUPC einen Anstieg um 24 Prozent im
Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Verglichen mit dem Vorjahreswinter ist
bereits jetzt ein Anstieg dieser Verletzungen um 19 Prozent zu verzeichnen
– viele der Fälle sind bei Glätteunfällen passiert. „Bei der Versorgung
von älteren Menschen müssen Medizinerinnen und Mediziner besonders auf die
Bedürfnisse, körperlichen und psychischen Besonderheiten sowie
Herausforderungen im Alltag der Patientinnen und Patienten achten. Dafür
ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche
wichtig. Genau das spiegelt sich in der Alterstraumatologie wider“, sagt
Prof. Lorenz Hofbauer, Bereichsleiter Endokrinologie, Geriatrie und
Knochenstoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Dresden. Er ist
einer der Präsidenten beim Alterstraumatologie Kongress 2026.

Wie das funktionieren kann, zeigen die Medizinerinnen und Mediziner aus
Dresden. Hier arbeitet die Geriatrie eng mit dem UniversitätsCentrum für
Orthopädie, Unfall- & Plastische Chirurgie (OUPC) zusammen. „Bei älteren
Menschen ist ein Knochenbruch nie nur eine Verletzung des Knochens“, sagt
Prof. Klaus-Dieter Schaser, Ärztlicher Direktor des OUPC,
„Vorerkrankungen, Begleitverletzungen und das erhöhte Risiko für
Komplikationen müssen von Anfang an bei der Planung und Priorisierung der
OP mitgedacht werden. Genau hier liegt die Stärke unseres
interdisziplinären Ansatzes.“ Die enge Zusammenarbeit mit der
Altersmedizin ist dabei entscheidend.

Prof. Lorenz Hofbauer, der ebenfalls das UniversitätsCentrums für Gesundes
Altern leitet, betont: „Unser Ziel ist es, Komplikationen wie Delir,
Immobilität oder Infektionen zu vermeiden. Durch die gemeinsame Betreuung
können wir Therapie, Pflege und Rehabilitation optimal aufeinander
abstimmen.“ Dass dieser Ansatz wirkt, zeigt sich im klinischen Alltag.
„Eine frühzeitige Mobilisation ist der Schlüssel“, sagt Prof. Lorenz
Hofbauer. „Sie entscheidet maßgeblich darüber, ob Patientinnen und
Patienten nach einem Sturz wieder in ihr gewohntes Leben zurückfinden.“

„Eine der besonderen Stärken der Dresdner Universitätsmedizin ist die enge
Verzahnung vieler Fachbereiche. Von der interdisziplinären Zusammenarbeit
profitieren die Patientinnen und Patienten direkt – bei Diagnose, Therapie
und Rehabilitation. Und das auch über die etablierten Klinikstrukturen
hinweg“, sagt. Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des
Uniklinikums Dresden.

Die besondere Dresdner Expertise in der Versorgung älterer
Unfallpatientinnen und -patienten steht auch im Fokus des
Alterstraumatologie & Osteologie Kongresses 2026. Vom 26. bis 28. Februar
findet in Frankfurt am Main einer der wichtigsten Fachkongresse zur
Knochengesundheit im deutschsprachigen Raum statt. Zum Osteologie Kongress
werden rund tausend Ärztinnen und Ärzte sowie medizinische Fachkräfte
erwartet, um sich über aktuelle Entwicklungen in Diagnostik, Therapie und
Prävention von Osteoporose und Frakturerkrankungen auszutauschen.
Ausrichtende Fachgesellschaften sind die Deutsche Gesellschaft für
muskuloskelettale Radiologie (DGMSR), die Deutsche Gesellschaft für
Unfallchirurgie (DGU) und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG).
Kongresspräsidenten des Osteologie Kongresses 2026 sind Prof. Karl-
Friedrich Kreitner und Prof. Ulrich Liener. Parallel dazu findet der
Alterstraumatologie-Kongress unter der Leitung von Prof. Lorenz Hofbauer
und Dr. Rüdiger Neef statt. Der interdisziplinäre Kongress bringt
Expertinnen und Experten aus Orthopädie, Unfallchirurgie und Osteologie
zusammen und setzt wichtige Impulse für die Versorgung einer immer älter
werdenden Gesellschaft. Dresdner Klinikerinnen und Kliniker sind dort mit
mehreren Vorträgen vertreten:
•       Dr. Clemens Roitzsch und PD Dr. Anne Postler (OUPC):
Begleitverletzungen von Patienten mit proximaler Femurfraktur
•       PD Dr. Robert Haußmann (PSY und UCGA): Management des Delirs nach
Hüftfrakturen
•       PD Dr. Elena Tsourdi (MK III und UCGA): Langzeittherapie der
Osteoporose – was gibt es Neues?