IWH-Tarif-Check: Tariflohnplus reicht nicht - Reale Nettoverluste im Länderdienst
Die Tarifvertragsparteien des öffentlichen Dienstes der Länder haben sich
auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Für die ersten fünf Monate wurde
eine „Nullrunde“ vereinbart. Die erste Tariflohnerhöhung von 2,8%,
mindestens jedoch 100 Euro pro Monat, erfolgt ab April 2026. Elf Monate
später folgt die nächste Anhebung um 2,0%. Zum Ende der vereinbarten
Laufzeit im Januar 2028 werden die regulären Tabellenentgelte nochmals um
1,0% erhöht. Die Tariflohnzuwächse dürften damit leicht über den
erwarteten Preissteigerungen liegen.
Die derzeit absehbaren zusätzlichen
Belastungen durch weiter steigende Sozialabgaben und höhere Lohnsteuern
können dadurch jedoch nicht vollständig ausgeglichen werden.
Die Tarifparteien des Öffentlichen Dienstes der Länder haben kürzlich
einen neuen Tarifabschluss mit einer Laufzeit von 27 Monaten bis Januar
2028 erzielt. In den ersten fünf Monaten, beginnend im November 2025,
wurde keine Anpassung vereinbart. Ab April 2026 erfolgt eine erste
Steigerung von 2,8%, mindestens jedoch 100 Euro pro Monat. Damit
orientiert sich der Tarifabschluss der Länder in der ersten Stufe an dem
von Bund und Kommunen, der im Mai 2026 eine Erhöhung von ebenfalls 2,8%
der Löhne und Gehälter vorsieht. Im März 2027 folgt eine weitere
Anpassung um 2,0%, und zu Beginn des Jahres 2028 wird das Tabellenentgelt
nochmals um 1,0% erhöht. Diese letzte Stufe kurz vor Auslaufen des
Tarifvertrags hat jedoch in der aktuellen Tarifrunde nur eine marginale
Wirkung auf die Gehälter. Zusätzlich wurden verschiedene Sonderregelungen
getroffen, wie die Angleichung des Kündigungsschutzes in Ost- an
Westdeutschland, die Reduzierung der Wochenarbeitszeit an einigen
Universitätskliniken sowie eine Erhöhung der Vergütungen für
Auszubildende, Studierende und Praktikanten. Insgesamt steigen die Löhne
und Gehälter der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Länder im Jahr
2026 um 2,6% und im Jahr 2027 um 2,3%.
„Berücksichtigt man die bis zum Ende der Tarifvereinbarung erwartete
Verbraucher-preisinflation, dürfte der Tariflohnanstieg die
Kaufkraftverluste durch die Preissteigerungen durchaus ausgleichen“, so
Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident
des IWH. Demnach steigt für die Landesbeschäftigten der reale Tariflohn im
Jahr 2026 um etwa einen halben Prozentpunkt; im Jahr 2027 dürften sich
Lohnanstieg und Inflation allerdings bestenfalls die Waage halten. Jedoch
dürfte durch die deutlich gestiegenen Sozialversicherungsbeiträge sowie
die progressive Wirkung der Lohnsteuer im Jahr 2026 der reale Netto-
Tariflohn niedriger sein als im Jahr zuvor. Auch im Jahr 2027 dürften
sowohl die Sozialversicherungsbeiträge als auch die Lohnsteuer nochmals
überdurchschnittlich steigen und den realen Netto-Tariflohn weiter sinken
lassen. „Die vereinbarten Tarifsteigerungen erhöhen zwar die
Tabellenentgelte, dennoch müssen die Beschäftigten real mit weniger
verfügbarem Einkommen auskommen“, bewertet Holtemöller den Abschluss
zurückhaltend.
Alle bisherigen Ausgaben des IWH-Tarif-Checks sind auch auf der IWH-
Website nachzulesen.
