Weiterentwickeln statt Warten: MFT und AWMF treiben Weiterentwicklung des Medizinstudiums voran
Der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF) legen Empfehlungen zur Weiterentwicklung des
Medizinstudiums vor. Zentrale Verbesserungen sollen nicht weiter
aufgeschoben werden.
Nachdem eine politische Entscheidung zur Verankerung der Ziele des
Masterplans Medizinstudium 2020 in der Ärztlichen Approbationsordnung an
Uneinigkeiten über die Finanzierung und die konkrete Umsetzung gescheitert
ist, gibt es aus der Politik seit Monaten keine Bewegung mehr. Der Bedarf,
das Medizinstudium weiterzuentwickeln, besteht jedoch fort. Vor diesem
Hintergrund veröffentlichen MFT und AWMF Empfehlungen, wie zentrale
Masterplanziele auch innerhalb der derzeit geltenden Approbationsordnung
umgesetzt werden können.
„Wir können es uns nicht leisten, weitere Jahre auf politische
Entscheidungen zu warten. Die veränderte Versorgungsrealität und die
gesellschaftlichen Anforderungen lassen dies nicht zu. Wir setzen daher
eigene Impulse zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums“, betont Prof.
Dr. Kadmon, Präsidentin des MFT. Mit den Empfehlungen können die
Medizinischen Fakultäten ihr Curriculum jetzt eigenverantwortlich
anpassen. Die Vorschläge ersetzen jedoch keine Reform der
Approbationsordnung, mit der für die genannten Ziele eine höhere
Verbindlichkeit erreicht und weitere Ziele adressiert werden könnten. Für
eine solche Reform wären weiterhin zusätzliche finanzielle Mittel für die
Medizinischen Fakultäten erforderlich.
Empfehlungen zur strukturellen Weiterentwicklung
Priorität haben laut MFT und AWMF:
-ein longitudinales Curriculum zum wissenschaftlichen Denken und Handeln
einschließlich eines Leistungsnachweises,
-ein erleichterter Zugang zu ambulanten Lehr- und Lernangeboten sowie
deren Stärkung (einschließlich der Nutzung bestehender Möglichkeiten in
Famulatur und Praktischem Jahr (PJ)),
-die Vermittlung und Prüfung praktischer Kompetenzen, die für Famulatur
und PJ relevant sind, z.B. in Form von Parcoursprüfungen,
-verbesserte Lehr- und Lernbedingungen im PJ sowie
-die Weiterentwicklung schriftlicher Staatsexamensprüfungen –
einschließlich der Unterstützung der digitalen Transformation und eines
bestmöglichen Constructive Alignment, damit Lehre und Prüfungen konsequent
zusammenpassen.
Zusätzlich werden neue relevante Themen – wie zum Beispiel
Katastrophenmedizin oder Digitalität in der Medizin – im Rahmen der
Weiterentwicklung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs
Medizin (NKLM) integriert. Dieser wird durch die Medizinischen Fakultäten
in Zusammenarbeit mit der AWMF entwickelt und durch den MFT koordiniert.
Fortschritt und Versorgung nachhaltig sichern
Aus Sicht der AWMF ist wissenschaftliche Kompetenz eine unverzichtbare
Grundlage ärztlichen Handelns. Nur so ließen sich medizinischer
Fortschritt, Leitlinienarbeit und qualitativ hochwertige
Patientenversorgung nachhaltig sichern. „Wissenschaftliches Denken und
Handeln muss daher expliziter als bislang Gegenstand des Studiums sein.
Diesbezügliche Kompetenzen sollten noch vor Beginn einer Dissertation in
Form einer wissenschaftlichen Projektarbeit nachgewiesen werden“, so Prof.
Dr. Treede, Präsident der AWMF.
Mit ihrem gemeinsamen Vorgehen, bei dem sich beratend auch das Institut
für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) und die
Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) eingebracht
haben, senden MFT und AWMF ein deutliches Signal an Politik und
Gesellschaft: Eine nachhaltige Weiterentwicklung des Medizinstudiums wird
ohne politische Unterstützung nicht möglich sein.
