Radio als Luxusgut: Studierende gestalten Plakatschau
Im Germanischen Nationalmuseum zeigen Lehramtsstudierende der Uni
Würzburg, wie die Radiowerbung der 1920er- und 1930er-Jahre Luxus, Technik
und Weltöffnung inszenierte.
Regelmäßige öffentliche Radiosendungen gibt es in Deutschland seit dem 29.
Oktober 1923: An diesem Tag begann der Programmbetrieb der „Funk-Stunde
Berlin“. Wie wurde das Radio in seiner Anfangszeit, den 1920er- und
1930er-Jahren, beworben? Und was sagt diese Werbung über den damaligen
Stellenwert des Radios aus?
Dieser Frage geht eine neue Plakatpräsentation im Germanischen
Nationalmuseum Nürnberg (GNM) nach, die von Lehramtsstudierenden der
Universität Würzburg konzipiert wurde. Entstanden ist sie im
Wintersemester 2025/26 in der Geschichtsdidaktik im Seminar „Das Plakat“
unter der Leitung von Dr. Miriam Montag-Erlwein. Kooperationspartner war
die Graphische Sammlung des GNM mit ihrem Leiter Dr. Christian Rümelin.
Zuerst eine Exkursion ins Museum
Zum Auftakt besuchte das Seminar im November 2025 die Graphische Sammlung
mit ihren rund 20.000 Plakaten. Dort analysierten die Studierenden
historische Originale aus Werbung, Fotografie und Konsumkultur. Die
Exkursion diente auch dazu, den künftigen Präsentationsort unmittelbar
neben dem Studiensaal des Museums kennenzulernen und gestalterische
Möglichkeiten zu diskutieren.
Das Museum gab das Rahmenthema vor: Werbeplakate zum Radio. Vor Ort
wählten die Studierenden potenzielle Objekte aus und begründeten ihre
Entscheidungen gegenüber Dr. Rümelin. Anschließend entwickelten sie ein
vollständiges Präsentationskonzept – von der Hängung über die Anzahl der
Informationstafeln bis zur thematischen Gruppierung.
Historische Werbeplakate erschlossen
Da viele der Plakate bislang kaum erforscht waren, mussten die
Studierenden sie zunächst erstmals wissenschaftlich erschließen. Jede
Person übernahm zwei Plakate, analysierte und interpretierte sie und
schrieb die Begleittexte für die Präsentation. Alle ausgewählten Objekte
wurden zudem von der Restaurierungsabteilung des GNM aufbereitet.
„Radio als Luxusgut in den 1920er- und 1930er-Jahren“: Unter diesem Titel
entstand eine Präsentation mit zwölf Werbeplakaten, die vier thematische
Perspektiven sichtbar macht:
• Das Radio als Designobjekt
Werbeplakate der Firmen Hornyphon und Minerva zeigen Radios als elegante
Art-Déco-Designstücke.
• Das Radio als Tor zur Welt
Die Werbung der 1930er-Jahre rückt Kurzwellenempfänger in den Mittelpunkt
– Geräte von Minerva und Ingelen, die Sendungen weit über Europa hinaus
empfangen konnten.
• Das Radio als Zeichen technischen Fortschritts
Eine Telefunken-Plakatreihe von 1937 verbindet Radios mit anderen
technischen Errungenschaften der Zeit wie Zug, Flugzeug, Dampfschiff und
Zeppelin.
• Das Radio als klangvolles Unterhaltungsobjekt
Marken wie His Master’s Voice, Hornyphon und Berliner Standard
visualisieren Klang und Unterhaltung als zentrales Verkaufsargument.
Präsentation bis Ende Juli zu sehen
Die Plakatpräsentation ist ab sofort bis Ende Juli 2026 im Gang beim
Studiensaal der Graphischen Sammlung des GNM zu sehen. Sie richtet sich an
alle Besucherinnen und Besucher des Hauses.
