Würzburger Start-up will Leichte Sprache zum Durchbruch führen
Für mehr Inklusion: Start-up KLAO von THWS- und JMU-Alumni entwickelt eine
KI-Lösung für öffentliche Einrichtungen
Öffentliche Einrichtungen müssen Informationen in Leichter Sprache
anbieten: Das Start-up KLAO hilft dabei mit seiner innovativen KI-Lösung.
Die Köpfe hinter dem innovativen Unternehmen sind Geschäftsführer Fabian
Schlausch, der an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU)
Sonderpädagogik studiert hat, sowie die beiden Alumni der Technischen
Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS), Svenja Fischer (Masterstudiengang
Marken- und Medienmanagement) und Abdullah Abdelrazek (Masterstudiengang
Artificial Intelligence).
Sechs Millionen Menschen in Deutschland auf Leichte Sprache angewiesen
Webseiten von Behörden, Mitteilungen der Bank oder Briefe von der
Versicherung seien so kompliziert geschrieben, dass selbst gut gebildete
Menschen mit Deutsch als Muttersprache den Inhalt manchmal schwer oder gar
nicht verstehen können. Wie muss es da erst den sechs Millionen Menschen
in Deutschland gehen, die auf eine leicht verständliche Sprache angewiesen
sind? Menschen zum Beispiel, die Deutsch als Fremdsprache lernen, kognitiv
eingeschränkt sind oder Lernschwierigkeiten haben. Um die Inklusion dieser
Gruppen zu ermöglichen, hat der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren
schrittweise Vorgaben erlassen, die öffentliche Einrichtungen und
Unternehmen verpflichten, die sogenannte Leichte oder Einfache Sprache zu
verwenden.
Leichte Sprache wird nur selten angeboten
Die Leichte Sprache ist eine vereinfachte Form des Deutschen, mit kurzen
Sätzen und einfachen Wörtern. Ihre Regeln sind seit dem Jahr 2025 in der
Norm DIN SPEC 3429 beschrieben. Ein Übersetzungsbeispiel aus dem
Wetterbericht: „Die Witterungsbedingungen werden sich im Laufe des Tages
verschlechtern; es ist mit starken Windböen und Niederschlägen zu
rechnen.“ Vereinfacht ausgedrückt: „Das Wetter wird heute schlechter. Es
wird viel Wind geben. Und es wird regnen.“ Fabian Schlausch erklärt:
„Trotz der gesetzlichen Verpflichtung bieten gut 90 Prozent der
öffentlichen Einrichtungen keine Informationen in Leichter Sprache an.“ Um
hier für Fortschritt zu sorgen, treibt er seit dem Jahr 2024 das Start-up
KLAO („Klare Automation“) voran.
Menschen mit Lernschwierigkeiten arbeiten mit
Das Würzburger Start-up unterstützt öffentliche Einrichtungen dabei, Texte
effizient in zertifizierte, regelkonforme Sprache zu übersetzen. Dafür hat
es eine Software entwickelt, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basiert.
Laut Fabian Schlausch schließt KLAO eine Lücke: „Wer umfangreiche Texte in
Leichter Sprache braucht, kann das bislang von Agenturen erledigen lassen,
was sehr teuer ist. Oder man verwendet gängige KI-Tools. Dann aber gibt es
am Ende meistens Ergebnisse, die weder DIN-konform noch zufriedenstellend
sind.“
Fachwissen auf drei Gebieten vereint
Das Start-up KLAO hat noch eine Besonderheit zu bieten, denn es setzt auf
soziale Inklusion: „Menschen mit Lernschwierigkeiten prüfen und
zertifizieren die Texte gemeinsam mit uns“, erklärt der Gründer. Erst
dadurch werde eine vollständige DIN-Konformität gewährleistet.
Um seine Firma voranzutreiben, hat Geschäftsführer Fabian Schlausch ein
interdisziplinäres Team zusammengestellt, das Expertise in den Bereichen
Sonderpädagogik, KI und Marketing besitzt. Er selbst ist Sonderpädagoge
und verantwortlich für Strategie, Vertrieb und Kooperationen. Sein
Geschäftspartner Abdullah Abdelrazek ist CTO (Chief Technical Officer) und
entwickelt die KI-Architektur von KLAO. Durch seinen THWS-Master in
Artificial Intelligence bringt er seine Erfahrung in der
Softwareentwicklung mit ein. Als CMO (Chief Marketing Officer)
vervollständigt Svenja Fischer durch ihren THWS-Master in Marken- und
Medienmanagement das Trio und steuert Marketing, Kommunikation und
operative Prozesse. Unterstützung bekommt das Start-up von JMU-Alumnus
Raphael Schrauth, der als Sonderpädagoge und zertifizierter Übersetzer für
Leichte Sprache tätig ist.
Zur Entstehung des Start-ups
Die Idee für KLAO entstand, als Fabian Schlausch noch Student der
Sonderpädagogik war. Er arbeitete als Hilfskraft in einem
Forschungsprojekt über digitale Barrierefreiheit mit. „Dabei kam das Thema
Leichte Sprache immer wieder auf – verbunden mit der Frage, wie sich große
Textmengen zuverlässig in Leichte Sprache übersetzen lassen“, erzählt er.
Ein Impuls für den damaligen Studenten war das Aufkommen von ChatGPT: Er
fing damit an, selbst eine KI für Leichte Sprache zu bauen und zu testen.
Dieses Produkt verfolgte er nach dem Abschluss seines Studiums weiter.
Derzeit erhält das KLAO-Team drei exist-Gründungsstipendien des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, ko-finanziert vom
Europäischen Sozialfonds, die zwölf Monate laufen. In dieser Zeit kann das
Team mit Unterstützung der JMU seinen Businessplan ausarbeiten und sich
auf den Markteintritt vorbereiten.
Die nächsten Ziele
Das exist-Stipendium endet im August 2026. Bis dahin möchte das Team neue
Finanzierungsquellen erschließen und möglichst viele weitere Kundinnen und
Kunden gewinnen. Aktuell unterhält KLAO Geschäftskontakte mit mehreren
öffentlichen Verwaltungen, darunter die Stadt Würzburg und das Landratsamt
Fürstenfeldbruck.
Zur Website des Start-ups KLAO
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten
Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer
Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung.
Mit rund 9.100 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als
60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites
Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur
regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark
international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und
Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen
englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
