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Abtauchen in eine bedrohte Welt: THWS-Studierende laden zum virtuellen Spaziergang durch die Tiefsee ein

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Virtual-Reality-Anwendung beim Schweinfurter „Tag der Wissenschaft“
erlebbar. Studierende der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) machen
die Tiefsee in virtueller Realität (VR) erlebbar: In einem
interdisziplinären Experiment in Kooperation mit dem Alfred-Wegener-
Institut haben Studierende der Geovisualisierung gemeinsam mit
Studierenden der Wirtschaftsinformatik, des E-Commerce und des
Wirtschaftsingenieurwesens eine Anwendung entwickelt, um virtuell in eine
Meerestiefe von 4.000 Metern zu reisen. Die VR-Anwendung kombiniert
Technik mit ökologischer Verantwortung.

Es ist dunkel, es ist still, und der Druck ist gewaltig. Doch wer die
Virtual-Reality-Brille aufsetzt, spürt davon nichts – nur die Faszination
bleibt erhalten, während man in einer virtuellen Hightech-Tauchkapsel
langsam durch das ewige Blau der Ozeane gleitet. Was wie ein Videospiel
beginnt, ist das Ergebnis harter technischer und gestalterischer Arbeit,
hauptsächlich entstanden im siebten Semester des Studiengangs
Geovisualisierung. Unter der Leitung von Dozent Stefan Sauer und Prof. Dr.
Uwe Sponholz startete im Wintersemester 2025/26 das Projekt „Expedition
Tiefsee – Eine Reise zu den Schwarzen Rauchern“. Das Ziel: Einem breiten
Publikum die Schönheit, aber vor allem die akute Bedrohung eines der am
wenigsten erforschten Orte der Erde vor Augen zu führen.

Um die Tiefsee so realistisch wie möglich abzubilden, holte sich Sauer
geballte Expertise ins Boot. In einer Kooperation mit Dr. Frank Wenzhöfer
vom renommierten Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven erhielten
die Studierenden Einblicke, die normalerweise der Polar- und
Meeresbiologie-Forschung vorbehalten sind. „Frank Wenzhöfer hat uns in
einer Exkursion einen tiefen Einblick in die Geheimnisse der Tiefsee
gegeben“, berichtet Sauer. Diese Daten bildeten das Fundament für die
visuelle Umsetzung. Doch wie bringt man die Daten in den dreidimensionalen
Raum? Hier kam das MAVEL-Lab der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen der
THWS ins Spiel. Unter der Leitung von Prof. Dr. Uwe Sponholz, Experte für
Extended Reality (XR), konnten die Studierenden modernste Technik nutzen,
um ihre Vision mit der Entwicklungssoftware „Unity 3D“ zum Leben zu
erwecken.

Von Walgesängen und Schwarzen Rauchern

Während der interaktiven Fahrt in 4.000 Meter Tiefe begegnen den Reisenden
majestätische Meeresschildkröten, verspielte Delfine und filigrane
Quallen, die durch das virtuelle Wasser gleiten. Die Atmosphäre wird durch
ein Sounddesign unterstützt, das unter die Haut geht: Über virtuelle
Außenmikrofone sind die melancholischen Gesänge von Walen zu hören.
Doch je tiefer die Kapsel sinkt, desto mehr wandelt sich das Bild. Am
dunklen Meeresgrund angekommen, zeigt sich das eigentliche Anliegen des
Projekts. Die Studierenden haben die „Schwarzen Raucher“ nachgebaut –
hydrothermale Quellen, die wie Unterwasservulkane wirken. In ihrem Umfeld
tummeln sich Tiefsee-Asseln, Seesterne und Seegurken. Es gibt
Eisfischnester zu sehen und sogar das imposante Skelett eines verendeten
Wals, ein sogenannter „Whalefall“, der in der Natur ein ganzes Ökosystem
speist.

Doch der Schein eines intakten Ökosystems trügt, denn schnell werden die
Spuren menschlichen Eingreifens sichtbar: Der Tiefsee-Bergbau hat bereits
begonnen. Das Projekt thematisiert den Abbau von Manganknollen – wert-
volle Rohstoffe, die für moderne Elektronik begehrt sind, deren Gewinnung
aber den Meeresboden unwiederbringlich verwüstet. In der VR-Anwendung wird
dieser Konflikt schmerzhaft deutlich. Schwere Abbaufahrzeuge pflügen durch
das Bild, wirbeln gigantische Staubwolken auf und hinterlassen eine Spur
der Zerstörung in einem Ökosystem, das Jahrtausende zum Wachsen gebraucht
hatte.

„Wir wollen nicht nur zeigen, was dort unten ist, sondern was wir gerade
dabei sind zu verlieren“, erklärt Sauer. Hier zeige sich die wahre Stärke
der Geovisualisierung: Sie übersetze komplexe ökologische Probleme und
trockene Daten in eine emotionale Erfahrung. Karten und Diagramme könnten
zwar informieren, aber die virtuelle Begegnung mit einer bedrohten Welt
schaffe ein bleibendes Bewusstsein.

Kombination aus Informatik, Design und Geografie

Dass solche Projekte an der THWS realisiert werden, unterstreiche die
Ausnahmestellung des Studiengangs Geovisualisierung, so Dozent Sauer. Hier
lernen Studierende nicht nur, wie man klassische 2D-Karten erstellt,
sondern sie werden zu Experten für 3D-Animation, VR-Programmierung und
interaktive Medien ausgebildet. „Es ist eine Schnittstelle zwischen
Informatik, Design und Geografie, die in der modernen Arbeitswelt – von
der Stadtplanung bis zum Umweltschutz – händeringend gesucht wird“, betont
Sauer.

Dabei helfen unterschiedliche Werkzeuge mit künstlicher Intelligenz: So
wurde Gemini beim Erzeugen der Bilder für das Storyboard eingesetzt, Chat-
GPT beim Programmieren und Erstellen der Personas sowie Meshy.AI für das
Generieren von 3D-Modellen. Mit 3D-Scans von Polycam konnten sogar die
Modelle der Studierenden als virtuelle Begleiter mit auf die Reise
geschickt werden.

Die „Expedition Tiefsee“ beweist: In Würzburg wird nicht nur für die
Prüfung gelernt, sondern für die Welt von morgen. Dozent Stefan Sauer ist
überzeugt: „Die Studierenden des siebten Semesters haben gezeigt, dass
Geovisualisierung weit mehr ist als nur ‚Bilder machen‘. Es ist ein
Werkzeug, um die unsichtbaren Orte unseres Planeten zu schützen.“

Wer die VR-Anwendung „Expedition Tiefsee – Eine Reise zu den Schwarzen
Rauchern“ selbst erleben und das MAVEL-Lab kennenlernen möchte, hat dazu
Gelegenheit beim „Tag der Wissenschaft“ am Freitag, 8. Mai. Von 16 bis 21
Uhr öffnet die THWS ihre Labore und Hörsäle am Standort Schweinfurt. Das
MAVEL-Lab befindet sich am Campus Ledward, Konrad-Zuse-Straße 2, und kann
im Rahmen einer Führung besichtigt werden.
Das Hauptprogramm des „Tags der Wissenschaft“ findet am Campus Ignaz Schön
(Ignaz-Schön-Straße 11) statt und umfasst Führungen mit offenen Laboren,
Experimenten und Workshops sowie Vorträge, Informationen zu Studiengängen
und Infoständen. Außerdem hat die Mensa bis 20 Uhr geöffnet.

Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten
Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer
Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung.
Mit rund 9.100 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als
60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites
Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur
regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark
international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und
Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen
englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.