„Die DSG Stroke Unit Winter School hat sich mit ihrem interprofessionellen Charakter etabliert!“
Viel gelernt! „Wer in diesem Jahr nicht bei der DSG Stroke Unit Winter
School auf der ANIM mit dabei war, der hat so richtig was verpasst!“,
resümiert Prof. Waltraud Pfeilschifter, 1. Vorsitzende der DSG, spontan am
Ende der eintägigen Veranstaltung. Der kleine Kreis aus Ärzt:innen sowie
Fachpflegenden und Therapeut:innen habe exzellente Wissenschaft und
begeisternde Expert:innen erlebt, die ihre Erkenntnisse passgenau für den
Transfer in die eigene klinische Arbeit darstellten. Zudem wurde lebhaft
diskutiert und in den Pausen das persönliche Gespräch gesucht und gefunden
– ganz im Sinne des Netzwerkgedankens.
Sie sei zum Beispiel wirklich überrascht gewesen, so DSG-Präsidentin
Pfeilschifter, wie viele Patient:innen mit suboptimal sitzenden
Trachealkanülen oder Schleimhautläsionen durch eine Trachealkanüle in der
Frühreha ankommen. Dr. Bettina Otto, Chefärztin der Neurologische
Frührehabilitation Bonn – Bad Godeshöhe, stellte zu diesem Thema als erste
Referierende ihre eigene Studie vor, für die sie 240 Patient:innen
untersucht hatte. Bei 19 Prozent stellte die Neurologin mit ihrem Team
Verletzungen der Trachea fest und in sogar 65 Prozent der Fälle war die
Trachealkanüle nicht optimal positioniert. „Ein klarer Appell an uns
Akutversorger, hier nicht davon auszugehen ‚Kanüle drin – alles gut!‘,
sondern genau zu schauen“, sagt Waltraud Pfeilschifter.
Take-Home-Message: Hervoragende Referent:innen und spannende Themen
Prof. Julian Bösel, Chefarzt der Klinik für Neurologie des Friedrich-
Ebert-Krankenhaus Neumünster, legte in seinen Vortrag den Fokus auf die
Indikationsstellung für die Trachealkanüle. So habe die Setpoint-Studie –
vor allem die multizentrische Setpoint-Studie 2 – gezeigt, dass es keine
Überlegenheit für eine frühe Tracheotomie gibt. „Ich empfehle selbst bei
schwer Betroffenen, wann immer es möglich erscheint, einen primären
Extubationsversuch“, erklärte Bösel.
Die Take-Home-Message von PD Dr. Sriramya Lapa, Leiterin der Sprach- und
Schluckdiagnostik im Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie am
Universitätsklinikum Frankfurt, war: „Frühe FEES-Diagnostik,
Identifizierung von einer Konsistenz, die die Patientinnen und Patienten
aspirationsfrei schlucken können und damit frühe Schluckrehabilitation!“.
In knapp sechs Stunden zahlreiche Themen der Stroke Unit beleuchtet
Die Hot Topics aus dem Advanced-Practice-Nursing-Netz
Carmen Lange, Jens Renner und Bianca Schmidt-Maciejewski – Advanced
Practice Nurses aus renommierten Neurozentren in Deutschland – bildeten
den Mittelpart der Winter School. „Was allen Teilnehmenden auch wieder die
qualitativ hervorragende Arbeit vor Augen geführt hat“, lobte Waltraud
Pfeilschifter. Advanced Practice Nurses, die mit wissenschaftlichem
Hintergrund in der Klinik tätig sind, aus ihrer Arbeit
Pflegeforschungsfragen entwickeln und die Ergebnisse wieder zurück in die
Praxis tragen, sind ein Gewinn für jedes ambitionierte interprofessionelle
Team!“
Da die Gesellschaft in Deutschland in den letzten Jahren diverser geworden
ist und Deutschland für den Personalgewinn auf internationale Fachkräfte
angewiesen ist, widmete sich die Winter School im dritten und letzten Teil
dem Schwerpunktthema „Kulturelle Hintergründe, interprofessionelle
Zusammenarbeit und kritische Situationen“. So berichtete Abdul Aziz
Batarfi, Neurologe aus Frankfurt Höchst, von seinem Ankommen in
Deutschland nach dem Medizinstudium in seinem Heimatland Saudi-Arabien und
zeigte Hürden und Hilfestellungen bei der fachlichen und persönlichen
Integration auf. PD Dr. Farid Salih, Neurologe und Intensivmediziner aus
der Charité Berlin, machte auf die Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten
kommunikativer Bedürfnisse von Patient:innen und Familien mit schweren
neurologischen Erkrankungen aufmerksam.
Zudem schilderte PD Dr. Nazife Dinc, Neurochirurgin aus Jena, einen
kommunikativen „Critical Incident“, der sich an kultureller
Verschiedenheit entfachte und suchte mit den Teilnehmer:innen nach
Möglichkeiten, derartige Situationen professionell zu lösen und einen
guten gemeinsamen Weg für Patient:innen, Familien und Behandlungsteams zu
finden.
„Insgesamt ein reichhaltiger und lohnender Fortbildungstag für das ganze
Team“, so Waltraud Pfeilschifter. „Und schon bald eröffnet sich die
nächste Möglichkeit: Entweder auf dem DSG26 oder der DSG Summer School.
Wir sehen uns!“
