Hotels als Knotenpunkte im Quartier
Studie des Fraunhofer IAO zeigt Potenzial für Hotels als lokale Service-
und Support-Hubs. Eine neue Studie des Innovationsnetzwerks FutureHotel des Fraunhofer IAO
zeigt, welche Serviceangebote in der Nachbarschaft tatsächlich nachgefragt
würden, wo Versorgungslücken bestehen und welche Geschäftsmodelle für eine
community-orientierte Hotellerie realistisch erscheinen. Die lokale
Versorgung mit einem 24/7-Supermarkt, der Zugang zu einem Schwimmbad, die
Mitnutzung des Gartens oder einer Werkstatt eröffnet neue Geschäftsmodelle
für Hotels.
Eine neue Studie des Innovationsnetzwerks FutureHotel des Fraunhofer IAO
zeigt, welche Serviceangebote in der Nachbarschaft tatsächlich nachgefragt
würden, wo Versorgungslücken bestehen und welche Geschäftsmodelle für eine
community-orientierte Hotellerie realistisch erscheinen. Die lokale
Versorgung mit einem 24/7-Supermarkt, der Zugang zu einem Schwimmbad, die
Mitnutzung des Gartens oder einer Werkstatt eröffnet neue Geschäftsmodelle
für Hotels.
»Mit dem Hotel Service Ecosystem rückt das Hotel in seiner Rolle als
eingebetteter Akteur im lokalen Alltag in den Fokus und hinterlegt, wo
reale Bedarfe liegen und welche Angebote tatsächlich genutzt würden.
Unsere Daten zeigen: zu viele Nachbarn wissen nicht über die Angebote und
Nutzungsmöglichkeiten der umliegenden Hotels Bescheid.«
Co-Autorin, Prof. Dr. Vanessa Borkmann, Projektleitung sowie Leiterin des
Forschungsbereichs »Stadtsystem-Gestaltung« am Fraunhofer IAO
Ausgangspunkt der Studie ist eine ökosystembasierte Sichtweise auf
Serviceangebote der Hotellerie, in der Hotels nicht als isolierte
Anbieter, sondern als Knotenpunkte in einem Netzwerk aus Gästen,
Mitarbeitenden, lokaler Bevölkerung, Unternehmen und weiteren Partnern
verstanden werden. Der Rahmen adressiert zwei miteinander verbundene
Transformationsdimensionen:
1. Die neue Rolle und Relevanz von Hotels als sozial eingebettete Hubs,
2. Neue Geschäftsmodelle und ökonomische Chancen durch erweiterte
Serviceangebote und hybride Nutzungsmodelle.
Hoher Bedarf dort, wo Versorgungslücken bestehen
Ein Kernergebnis ist die hohe Relevanz alltagsnaher Versorgungsleistungen.
Zu den meistgewünschten Services gehören u. a. ein Kiosk mit Produkten des
täglichen Bedarfs und ein 24/7 Supermarkt. Auch im Bereich Erholung und
Gesundheit zeigt die Studie, wie sich klassische Hotelinfrastruktur für
breitere Zielgruppen öffnen ließe.
Erwartungen an Gemeinwohlbeiträge sind breit verankert
Mehrheiten verbinden mit Hotels explizit die Erwartung, über den
Kernbetrieb hinaus zum Gemeinwohl beizutragen. 60,2 Prozent stimmen zu,
dass Hotels die lokale Wohlfahrt durch zusätzliche Services und
Initiativen stärken sollen. Zudem unterstützen über 60 Prozent, dass
Hotels Regeln für das Verhalten von Gästen setzen, um lokale Normen und
Zusammenleben zu schützen.
Zahlungsbereitschaft und Membership Logiken
61,8 Prozent der Befragten wären bereit, für Services eines
Nachbarschaftshotels einen vergleichbaren Preis zu zahlen. Rund die Hälfte
zeigt Offenheit für Mitgliedschaftsmodelle, etwa für den Zugang zu
Hotelservices über ein spezifisches Membership Modell. Zudem äußern 47,4
Prozent Interesse an wechselseitigen Austauschlogiken, bei denen eigene
Leistungen gegen Zugang zu Hotelangeboten getauscht werden.
»Unsere Daten zeigen eine bemerkenswert klare Erwartungshaltung: Hotels
sollen nicht nur wirtschaften, sondern auch zur Lebensqualität beitragen.
Für die Praxis bedeutet das, Serviceentscheidungen stärker als Teil
lokaler Daseinsvorsorge und sozialer Infrastruktur zu denken, ohne die
ökonomische Tragfähigkeit aus dem Blick zu verlieren«
Ronja Geißendörfer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IAO
Bedeutung für Hotellerie, Kommunen und lokale Anbieter
Für Hotels liefert die Studie eine strukturierte Grundlage, um
Serviceportfolios an realen Bedarfen auszurichten und zugleich neue
Erlösquellen zu erschließen. Für Kommunen und Quartiersakteure bietet sie
Evidenz dafür, wo Hotels als Ergänzung zur lokalen Infrastruktur wirken
können, etwa bei Nahversorgung, Freizeitangeboten oder Mobilitätsservices.
Für Unternehmen und Dienstleister in der Nachbarschaft skizziert die
Studie Ansatzpunkte für Kooperationen, Co-Hosting Formate, lokale
Produktintegration und Loyalty Programme, um gemeinsam ein integriertes
lokales Serviceökosystem aufzubauen. Die empirische Studie knüpft an das
Whitepaper »FutureHotel – The Hotel Service Ecosystem as an Opportunity
Space for the Hotel of the Future« an, das den theoretisch konzeptionellen
Rahmen und das zugrunde liegende »Hotel Service Ecosystem Framework«
eingeführt hat. Im Projektkontext ist die Studie in die siebte
Forschungsphase (2022 bis 2025) des FutureHotel Innovationsnetzwerks
eingebettet, in dem das Fraunhofer IAO gemeinsam mit Partnern zentrale
Zukunftsfragen der Hotellerie bearbeitet.
