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Käferschnecke der Herzen: Online-Publikum gibt neuer Tiefsee-Art einen Namen

Ferreiraella populi gehört zu einer seltenen und spezialisierten Gruppe von Weichtieren, die ausschließlich auf versunkenem Holz in der Tiefsee leben.  Copyright: Chong Chen/JAMSTEC
Ferreiraella populi gehört zu einer seltenen und spezialisierten Gruppe von Weichtieren, die ausschließlich auf versunkenem Holz in der Tiefsee leben. Copyright: Chong Chen/JAMSTEC
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Im Rahmen einer Social-Media-Aktion haben die Senckenberg Ocean Species
Alliance, der wissenschaftliche Verlag Pensoft Publishers und der Science-
YouTuber „Ze Frank“ einen Namen für eine neu entdeckte Käferschnecke aus
der Gattung Ferreiraella gesucht. Aus über 8.000 in den sozialen Medien
eingereichten Vorschlägen wählte das Forschungsteam, das die neue Art
beschrieben hat, den Namen Ferreiraella populi aus.

Der lateinische Zusatz
„populi“ bedeutet wörtlich übersetzt „der Menschen“ und würdigt die
gemeinschaftliche Namensfindung. Die Studie, in der die neue
Käferschneckenart vorgestellt wird, ist heute in der Fachzeitschrift
„Biodiversity Data Journal“ erschienen.

Eine eisenhaltige Raspelzunge, ein winziger Schwanz und acht
Schalenplatten zum Schutz des weichen Körpers, an dessen hinterem Ende
Würmer leben, die sich von den Exkrementen der Molluske ernähren: So hat
der US-amerikanische Wissenschafts-YouTuber „Ze Frank“ in einem Video auf
seinem Kanal „True Facts“ die neu entdeckte Käferschnecke aus der Gattung
Ferreiraella vorgestellt. Eine Woche lang konnte das Internet-Publikum
Ende Januar in den Kommentaren zum Video einen wissenschaftlichen Namen
für die neue Art vorschlagen, die in beeindruckenden 5.500 Metern
Meerestiefe auf herabgesunkenem Holz lebt.
Im Rahmen der Social-Media-Aktion in Kooperation mit der Senckenberg Ocean
Species Alliance (SOSA) und dem Verlag Pensoft Publishers kamen so über
8.000 kreative Namensvorschläge zusammen. Das Forschungsteam, das die im
Jahr 2024 im nordwestpazifischen Izu–Ogasawara-Graben gefundene
Käferschnecke erstmals beschrieben hat, wählte dann den finalen Namen aus.
Ihre Studie mit der taxonomischen Beschreibung von Ferreiraella populi ist
heute im wissenschaftlichen Fachjournal „Biodiversity Data Journal“
erschienen.

„Wir haben der Käferschnecke den wissenschaftlichen Namen Ferreiraella
populi gegeben, um das Gemeinschaftserlebnis der öffentlichen Namenssuche
zu feiern“, erklärt Prof. Dr. Julia Sigwart, Co-Leiterin der Ocean Species
Alliance am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. „Das
YouTube-Video wurde in wenigen Tagen über 370.000-mal aufgerufen und
erhielt rund 10.000 Kommentare. Wir waren überwältigt von der Resonanz und
der riesigen Zahl kreativer Namensvorschläge. In der engeren Auswahl war
zum Beispiel auch Ferreiraella ohmu, in Anlehnung an ein
käferschneckenähnliches Wesen aus einem Film des japanischen
Zeichentrickstudios ‚Ghibli‘ und damit gleichzeitig eine Referenz an den
Fundort Japan.“

Die via Social Media beförderte Benennung der Käferschnecke entspricht
gleichzeitig etablierten wissenschaftlichen Standards: Jede in der Natur
neu gefundene Art erhält im Rahmen der taxonomischen Erstbeschreibung
einen wissenschaftlichen Namen. Dieser folgt dem binären
Nomenklaturprinzip von Carl von Linné und besteht aus zwei Teilen: dem
Gattungsnamen (erster Teil, großgeschrieben, kursiv) und dem Art-Epitheton
(zweiter Teil, kleingeschrieben, kursiv). Den Namen vergibt der oder die
Erstbeschreiber*in in einer wissenschaftlichen Publikation unter
Einhaltung internationaler Codes wie ICZN (Zoologie) oder ICN (Botanik).
Der Name muss neuartig, eindeutig und latinisiert sein. Epitheta werden
oft aus Merkmalen wie Farbe oder Größe abgeleitet, aber auch von
Fundorten, der Mythologie oder von Personennamen – etwa, um eine bestimmte
Person zu ehren.

Die neue Tiefsee-Käferschnecke Ferreiraella populi gehört zu einer
seltenen und spezialisierten Gruppe von Weichtieren, die ausschließlich
auf versunkenem Holz in der Tiefsee leben. „Die neue Art stellt eine
Ergänzung zu einer bislang nur wenig erforschten Linie von Käferschnecken
dar und liefert weitere Hinweise darauf, dass Holzfall-Ökosysteme in der
Tiefsee hochspezialisierte und noch weitgehend unentdeckte
Lebensgemeinschaften beherbergen“, erläutert Julia Sigwart.
Käferschnecken wirken optisch wie eine Mischung aus einer Schnecke und
einem Käfer. Statt einer spiral- oder kegelförmigen Schale, wie sie
Schnecken oder Napfschnecken besitzen, tragen sie acht separate
Schalenplatten, sogenannte Valven. So können sie sich bei Gefahr zu einer
schützenden Kugel zusammenrollen und flexibel an unregelmäßige Oberflächen
anpassen. Käferschnecken kommen sowohl in warmen Küstengewässern und
Korallenriffen als auch in der Tiefsee vor, wo sie in bis zu 7.000 Metern
Tiefe unter extremen Bedingungen und in absoluter Dunkelheit leben.

„Ferreiraella populi steht beispielhaft für die überwältigende
Artenvielfalt der Ozeane, die zum größten Teil noch unerforscht ist. Viele
Arten sterben aus, bevor wir sie überhaupt kennen. Das betrifft besonders
marine Wirbellose“, so Sigwart. „Es kann häufig zehn, wenn nicht 20 Jahre
dauern, bis eine neue Art untersucht, wissenschaftlich beschrieben,
benannt und publiziert ist. Mit der Senckenberg Ocean Species Alliance
haben wir es uns deshalb zur Aufgabe gemacht, diese Abläufe zu
vereinfachen und gleichzeitig die Öffentlichkeit für diese faszinierenden
Tiere zu begeistern. Gemeinsam via Social Media einen Namen für die
Käferschnecke zu finden, ist dafür eine wunderbare Gelegenheit!
Ferreiraella populi ist nun zwei Jahre, nachdem sie gefunden wurde,
beschrieben und hat einen wissenschaftlichen Namen. Für den Schutz der
marinen Vielfalt ist das sehr wichtig, besonders angesichts der wachsenden
Bedrohungen, denen sie ausgesetzt ist, wie etwa dem Tiefseebergbau.“