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Hochschule Geisenheim beruft Dr. Michael Helmut Hagemann zum Professor für Nachhaltigen Obstbau

Prof. Dr. Michael Helmut Hagemann  Quelle: Woody T. Herner  Copyright: Hochschule Geisenheim/Woody
Prof. Dr. Michael Helmut Hagemann Quelle: Woody T. Herner Copyright: Hochschule Geisenheim/Woody
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Zum 1. Januar 2026 hat Dr. Michael Helmut Hagemann die Professur für
Nachhaltigen Obstbau an der Hochschule Geisenheim übernommen. Der Biologe
und Agrarwissenschaftler verbindet ein tiefes Verständnis molekularer
Mechanismen mit Praxiserfahrung im Obst- und Hopfenbau.

Von Biocontrol bis Pflanzenschutzpraxis: wissenschaftliche Wurzeln in NRW
und Südostasien

Hagemann studierte Biologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
und schloss seine Diplomarbeit am Institut für Bodenökosysteme der
Universität Bonn ab. Dort arbeitete er an biologischen
Pflanzenschutzstrategien – insbesondere an pilzbasierten Antagonisten.
Diese frühe Erfahrung prägt bis heute seinen Ansatz, Pilze und
Mikroorganismen nicht nur als Schaderreger, sondern auch als potenzielle
Partner im nachhaltigen Gartenbau zu verstehen.

Während seiner Promotion an der Universität Hohenheim forschte Hagemann
mehrere Jahre in Vietnam an Mango-Beständen. Neben der detaillierten
Untersuchung der transkriptionellen Regulation des Fruchtabfalls – einem
Prozess, der funktional dem Junifruchtfall des Apfels ähnelt – führte er
vor Ort Pflanzenschutzschulungen durch und entwickelte praxisnahe Lösungen
für lokale Produzenten.

Hopfenforschung, Viroiddiagnostik und Netzwerkbildung

Nach seiner Promotion widmete sich Hagemann zunehmend der Hopfenforschung
und molekularbiologischen Pflanzenpathologie. Zunächst forschte er in der
Hopfenzüchtung an der genetischen Charakterisierung zentraler Bitter- und
Aromabiosynthesepfade.
Mit dem Auftreten des Citrus Bark Cracking Viroids (CBCVd) in Bayern im
Jahr 2019 übernahm Hagemann eine zentrale Rolle in der wissenschaftlichen
Risikobewertung. Gemeinsam mit Hopfenpflanzern, der Bayerischen
Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Julius Kühn-Institut entwickelte
er Diagnoseverfahren, Strategien zur Risikominimierung sowie RNA-Abbau und
Viroid-Infektionsstudien.

Als „praktischer Molekularbiologe im Gartenbau“ etablierte er robuste RT-
qPCR-Methoden, forschte zur Viroid-Pflanze-Interaktion und baute parallel
ein internationales Netzwerk zur Viroidforschung auf, das heute mehrere
europäische Institutionen verbindet.

Der Apfel als künftiger wissenschaftlicher Schwerpunkt

Trotz seiner intensiven Arbeit im Hopfen blieb der Apfel kontinuierlich
ein Forschungsschwerpunkt. Über gemeinsame Publikationen, zahlreiche
Abschlussarbeiten und zusammen mit dem Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee
entwickelte Hagemann ein breites thematisches Portfolio – von
Wurzelentwicklung und Bewässerungsstrategien bis zu Fruchtqualität,
Stressphysiologie und Pflanzengesundheit.

„Ich freue mich sehr, den Apfelanbau künftig zu meinem langfristigen
Forschungsschwerpunkt machen zu können“, sagt Hagemann. „Die Vielfalt der
Herausforderungen – Trockenstress, neue Pathogene, Mikrobiomveränderungen,
innovative Züchtungen – macht den Apfel zu einer Kultur, an der
Nachhaltigkeit konkret erforscht und umgesetzt werden kann. Und wenn ich
auf die Evolutionsgeschichte des Apfels schaue, freue ich mich besonders
darauf, diesen promiskuitiven Zwitter künftig im Detail untersuchen zu
dürfen.“

Mit dem Amtsantritt trat Hagemann die Nachfolge von Prof. Dr. Peter Braun
an, dessen Arbeiten zu kompakt wachsenden Säulenäpfeln sowie sein
Engagement im Humusaufbau wichtige Impulse für den nachhaltigen Obstbau
gesetzt haben und setzen.
„Es ist spannend, in einen gut etablierten Forschungsbetrieb einsteigen zu
dürfen, in dem an praxisrelevanten Themen mit großer Tiefe und Kontinuität
gearbeitet wird“, betont Hagemann.

RNA-Forschung für den praktischen Obstbau

In seiner zukünftigen Forschung plant Hagemann, RNA-, Virus- und
Mikrobiom-basierte Ansätze gezielt weiterzuentwickeln, da sie langfristig
eine wichtige Rolle im nachhaltigen Pflanzenschutz spielen könnten. Seine
Viroid- und RNA-Expertise ermöglicht es ihm, pathogenbedingte
Stressreaktionen, regulatorische RNA-Netzwerke und kleine RNA-Signaturen
in Pflanzen präzise zu analysieren.

„Im Zeitalter neuer genomischer Techniken, globaler Virusstämme und
wachsender Anforderungen im Pflanzenschutz ist RNA-Kompetenz an der
richtigen Stelle entscheidend“, sagt Hagemann. „RNA-Analytik und Spray-
Induced Gene Silencing können künftig Werkzeuge sein, die wir
verantwortungsvoll in nachhaltige Anbausysteme integrieren.“

Zur Person

Prof. Dr. Michael Helmut Hagemann studierte Biologie und promovierte in
Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim. Seine Forschung umfasst
molekulare Pflanzenpathologie, nachhaltige Pflanzenschutzstrategien,
Viroiddiagnostik sowie praxisorientierte Obstbauwissenschaft. Er betreute
mehr in den letzten fünf Jahren über dreißig Abschlussarbeiten in
Obstbaubetrieben und Versuchseinrichtungen und engagiert sich für eine
enge Verbindung von Lehre, Forschung und Praxis. Zudem veröffentlichte er
bislang über 30 Fachartikel zu den genannten Themen.