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Ahnenbild kehrt nach 250 Jahren zu den Māori zurück

Das Pou der Hinematioro im Museum der Universität Tübingen  Quelle: Valentin Marquardtr  Copyright: Universität Tübingen
Das Pou der Hinematioro im Museum der Universität Tübingen Quelle: Valentin Marquardtr Copyright: Universität Tübingen
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Universität Tübingen gibt kunstvoll geschnitztes Ahnenbild an  Māori-
Gemeinschaft in Neuseeland zurück - Britischer Seefahrer James Cook hatte
Pou der Hinematioro vor 250 Jahren nach Europa gebrachtDas „Pou der Hinematioro“ genannte Ahnenbild verkörpert die lebendige
Präsenz der Herrscherin Hinematioro. Sie lebte vor gut 250 Jahren, zur
Zeit von James Cook erster Landung, in Neuseeland und galt als
charismatische Führungsfigur.

Der britische Seefahrer und seine Crew
brachten das „Pou der Hinematioro“ 1771 nach London. Von dort gelangte es
über Umwege in die Ethnologische Sammlung der Universität Tübingen. Die
Universität Tübingen gibt es vermutlich im März an die Māori-Gemeinschaft
Te Aitanga-a-Hauiti zurück.

Das Pou ermöglicht eine spirituelle Verbindung zu den Ahnen

Das Pou ist einen Meter hoch und 33 Zentimeter breit und wurde aus rotem
Tatara-Holz mit Steinwerkzeugen geschnitzt. Es zeigt eine stehende Figur,
Ornamente und kunstvoll geriffelte Muster umspielen Zunge, Gesicht und
Körper. Ein Pou hat bei den Māori seinen Platz im heiligen
Versammlungshaus wharenui und ermöglicht eine spirituelle Verbindung zu
den Ahnen. Die gute Erhaltung des Pou der Hinema-tioro und die Verbindung
der Gemeinschaft zu der Skulptur über Kontinente und Jahrhunderte hinweg
machen die Skulptur einzigartig.

Historische Verantwortung

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski sagte: „Nicht
nur in unseren Museen, sondern auch in unseren Universitätssammlungen
befinden sich noch zahlreiche Kulturgüter aus kolonialen Kontexten, die in
heute nicht mehr vertretbarer unethischer Weise erworben wurden. Ich bin
froh, dass sich die Gremi-en der Universität ihrer historischen
Verantwortung bewusst sind und eine Rückga-be der Skulptur beschlossen
haben. Damit werden zugleich die Voraussetzungen dafür geschaffen, den
partnerschaftlichen Dialog mit der Community und Partnern in Neuseeland
weiterzuführen.“

Die Rektorin der Universität Tübingen, Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla
Pollmann, sagte: „Das Pou und seine Geschichte hat zu einer langjährigen
Beziehung zwischen der Māori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti und der
Universität Tübingen geführt. Diese Beziehung wollen wir auch in die
Zukunft hinein pflegen und einen positiven Beitrag zur Rückgabe von
Museumsstücken in Länder mit Kolonialge-schichte leisten.“

Victor Walker, der Sprecher der Māori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti,
sagte: „Das Pou repräsentiert unsere Herrscherin Hinematioro und die Reihe
ihrer Ahnen bis zum Beginn unserer Zeit als Gemeinschaft. Das Pou
verbreitet Lebenskraft mauri. Wenn wir es berühren oder in seiner Nähe
sind, spüren wir den Atem und die Präsenz unserer Ahnen und fühlen uns
lebendig.“ Die Gemeinschaft ist in Ūawa an der Ostküste der Nordinsel
zuhause und verfügt wie jede Māori-Gemeinschaft über mehrere Pous in ihrem
Versammlungshaus.

Wie kam das Pou an Bord der Endeavour?

Der britische Seefahrer James Cook landete am 8. Oktober 1769 in
Neuseeland. In den zwei Tagen nach Ankunft erschoss seine Mannschaft
mehrere Māori und segelte anschließend in die 60 Kilometer weiter nördlich
gelegene Ūawa-Bucht. Dort wurden sie von den Te Aitanga-a-Hauiti und ihrer
damaligen Anführerin Hinematioro friedlich empfangen. Wie genau das Pou
auf James Cooks Schiff Endeavour ge-langte, konnte bis heute nicht geklärt
werden.

James Cook kehrte 1771 mit dem Pou an Bord nach London zurück. Die
Holzskulp-tur der Ahnin wurde später einem Privatsammler in Wien vermacht
und von dort 1937 der Ethnologischen Sammlung der Universität Tübingen, wo
es für Jahrzehnte in Vergessenheit geriet. Der Kustos der Sammlung, Dr.
Volker Harms, entdeckte in den 1990er Jahren die Skulptur wieder,
erforschte seine Herkunft und nahm Kontakt nach Neuseeland auf. „Wir
konnten kaum glauben, dass das Pou all die Jahre und Reisen überstanden
hatte“, erinnert sich Victor Walker an das Wiederauftauchen des Pou. 2008
reiste die erste Delegation der Te Aitanga-a-Hauiti nach Tübingen,
darunter Victor Walker, und erwies dem Pou ihre Reverenz.

Debatte über Herkunft von Kulturgütern

In den Folgejahren entwickelte sich weltweit eine Debatte um die Herkunft
von Kul-turgütern in europäischen Museen. Viele Kulturgüter waren während
der Kolonialzeit durch Gewalt in den Besitz europäischer Sammler und
Museen gelangt und wurden von lokalen Gemeinschaften und den Regierungen
ihrer Länder zurückgefordert. Delegationen der Te Aitanga-a-Hauiti
besuchten regelmäßig das Pou in Tübingen – was die Bedeutung der Skulptur
unterstreicht. 2019 beschlossen beide Seiten eine vorläufige Leihgabe. Ab
Oktober 2019 befand sich das Pou der Hinema-tioro wieder für ein paar
Monate im Versammlungshaus der Te Aitanga-a-Hauiti in Ūawa.

2024 stellte die neuseeländische Regierung ein formales
Restitutionsbegehren. Noch einmal besuchte Victor Walker mit einer
Delegation im Oktober 2025 das Pou in Tübingen. Auch eine Schulklasse
reiste mit. Die Māori führten einen Haka, den traditionellen Tanz der
Māori, im Museum auf Schlosss Hohentübingen auf, wo das Pou derzeit
Herzstück der gemeinsam kuratierten Ausstellung “Te Pou o Hinemati-oro.
Celebrating Māori Heritage, Culture and Connection” ist. Die Ausstellung
schließt am 29. März.

„Wir freuen uns über die baldige Rückkehr des Pou nach Neuseeland“, sagt
Professor Ernst Seidl, Direktor des Museums der Universität Tübingen MUT.
„Für die Te Aitanga-a-Hauiti hat das Pou eine viel größere Bedeutung als
für uns. Wir haben dieses Thema bei vielen Kulturgütern, forschen intensiv
dazu und werden Rückga-ben auch von anderen Kulturgütern in die Wege
leiten, sobald die Herkunft geklärt ist.“