Hochschule Hof erforscht neue Wege zu mehr Wassersicherheit an Schulen in Mexiko-Stadt
Wasserknappheit, Überschwemmungen und eine
überlastete Infrastruktur stellen Megastädte weltweit vor enorme
Herausforderungen. Besonders deutlich zeigt sich das unter anderem in der
23 Mio.-Einwohner-Metropole Mexiko-Stadt. Wie dort innovative Konzepte zur
nachhaltigen Wasserbewirtschaftung beitragen können, untersuchte
Christopher Funk, Student im Masterstudiengang „Sustainable Water
Management and Engineering“ der Hochschule Hof, während eines
Forschungssemesters im Wintersemester 2024/25. Im Auftrag des Instituts
für nachhaltige Wassersysteme (inwa) analysierte er das Potenzial des
sogenannten Schwammstadt-Konzepts an zwei Schulen in der mexikanischen
Metropole.
Das Schwammstadt-Konzept ist ein zentraler Bestandteil von Forschung und
Lehre am inwa. Christopher Funk hatte sich bereits als studentische
Hilfskraft mit entsprechenden Fragestellungen beschäftigt, als er den
Wunsch nach einem Forschungssemester im Ausland äußerte. Mexiko-Stadt bot
sich als Untersuchungsraum an, da die Stadt trotz hoher
Niederschlagsmengen unter massiver Wasserknappheit leidet. Große
Wasserverluste im Leitungsnetz, sinkende Grundwasserspiegel und die Folgen
des Klimawandels verschärfen die Situation zusätzlich.
Prof. Günter Müller-Czygan vom inwa erinnert sich: „Herr Funk sprach mich
auf das Forschungssemester in Mexiko-Stadt an, als wir gerade an der
Digitalisierung eines Gründachs an einer Grundschule in Schauenstein
arbeiteten. Daraus entstand die Frage, wie Schulen in Mexiko-Stadt mit den
Herausforderungen des Klimawandels umgehen und welche Rolle Schwammstadt-
Lösungen dabei spielen.“
Das Schwammstadt-Konzept: Wasser speichern statt ableiten
Das Schwammstadt-Konzept wurde Mitte der 2000er-Jahre entwickelt und ab
2013 in China systematisch eingesetzt, um Städte widerstandsfähiger gegen
Starkregen und Überschwemmungen zu machen. Die Grundidee ist einfach:
Regenwasser soll nicht möglichst schnell abgeleitet werden, sondern dort
gespeichert, wo es fällt. Durch Gründächer, Versickerungsflächen oder
bepflanzte Mulden kann Wasser im Boden zurückgehalten, gefiltert und dem
Grundwasser wieder zugeführt werden. Gleichzeitig sorgen diese Maßnahmen
in Trockenperioden für Verdunstung und damit für Kühlung – ein wichtiger
Beitrag gegen urbane Hitzeinseln. Auch in Mexiko-Stadt gibt es erste
Initiativen, die auf grün-blaue Infrastruktur und die Bedeutung von Böden
setzen. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel zwischen übergeordneten
städtischen Strategien und vielen kleineren Einzelmaßnahmen. Schulen
spielen in diesem Kontext eine besondere Rolle, da sie nicht nur Flächen
bieten, sondern auch Orte des Lernens und der Sensibilisierung sind.
Schulen als Schlüsselorte für Wassersensibilität
In seinem Forschungsprojekt konzentrierte sich Christopher Funk auf zwei
ausgewählte Schulen in Mexiko-Stadt. Ziel war es, zu untersuchen, welche
Schwammstadt-Elemente dort sinnvoll eingesetzt werden können, welche
Rahmenbedingungen ihre Umsetzung begünstigen oder hemmen und welche
Empfehlungen sich daraus ableiten lassen. Inspiriert war dieser Ansatz
durch frühere Untersuchungen der Hochschule Hof, die gezeigt hatten, dass
reale Schwammstadt-Lösungen auch im Grundschulunterricht einen großen
Mehrwert bieten können. „Es war beeindruckend zu sehen, wie sehr das
Schwammstadt-Konzept den Schulalltag bereichern kann“, berichtet Funk.
„Schon einfache, pragmatische Lösungen zeigten spürbare Effekte im Umgang
mit Wasserknappheit.“
Wissenschaftlicher Ansatz mit Praxisbezug
Methodisch setzte die Studie auf einen sogenannten Mixed-Methods-Ansatz,
der qualitative und quantitative Verfahren kombiniert. Auf Basis einer
systematischen Literaturrecherche wurden soziale, wirtschaftliche und
politische Bewertungskriterien entwickelt, die anschließend durch
Interviews mit Schulleitungen und Lehrkräften ergänzt wurden. Die Aussagen
der Befragten wurden ausgewertet, vergleichbar gemacht und in einem
Entscheidungsmodell zusammengeführt, um das Gesamtpotenzial der
Schwammstadt-Ansätze an den Schulen zu bewerten.
Ergebnisse: Hohes soziales Potenzial, strukturelle Hürden
Untersucht wurden eine Grundschule im Stadtteil Iztapalapa sowie eine
weiterführende Schule im Bezirk Gustavo A. Madero. In beiden Fällen zeigte
sich ein hohes soziales Potenzial: Schwammstadt-Maßnahmen lassen sich gut
in den Schulalltag integrieren und stoßen bei Lehrkräften und Schülerinnen
und Schülern auf große Akzeptanz. Gleichzeitig traten deutliche
Einschränkungen zutage. Wirtschaftliche Unsicherheiten, insbesondere bei
Finanzierung und Wartung, sowie unklare Bauvorschriften und fehlende
politische Unterstützung begrenzen die Umsetzungsmöglichkeiten. Während
die weiterführende Schule aufgrund besserer finanzieller Rahmenbedingungen
etwas günstiger abschnitt, blieb das politische Umfeld an beiden
Standorten ein zentraler Hemmfaktor.
Handlungsempfehlungen und Ausblick
Aus den Ergebnissen leitete Christopher Funk konkrete Empfehlungen ab.
Dazu zählen unter anderem ein besserer Zugang zu Grünflächen, eine
stärkere Einbindung von Nachhaltigkeit in den Unterricht, die Förderung
externer Partnerschaften sowie klarere rechtliche Rahmenbedingungen und
eine intensivere Zusammenarbeit mit Behörden. Auch eine langfristige
Finanzierung und weiterführende Forschung mit größerer Stichprobe wurden
als wichtige nächste Schritte identifiziert.
Ein Beitrag zu nachhaltiger Stadtentwicklung
Das Forschungsprojekt zeigte somit, wie Hochschulforschung konkrete
Antworten auf globale Herausforderungen liefern kann. Am Beispiel von
Schulen wurde dabei deutlich, dass Schwammstadt-Konzepte nicht nur
technische Lösungen sind, sondern auch soziale und bildungsbezogene
Wirkung entfalten. Für Megastädte wie Mexiko-Stadt kann dies ein wichtiger
Baustein auf dem Weg zu mehr Wassersicherheit und nachhaltiger Entwicklung
sein – mit Impulsen aus Hof, die weit über die Region hinausreichen.
