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Aus Bauschutt wird neuer Rohstoff Recycling auf KI-Basis – DBU fördert Tübinger Startup

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 Jährlich fallen in Deutschland laut Umweltbundesamt
rund 86 Millionen Tonnen Schutt und Abfälle auf Baustellen an. Häufig
landen diese Materialien auf Deponien. So gehen allerdings wertvolle
Ressourcen verloren. Der Ausweg: Ein hochqualitatives Recycling des
Schutts vermeidet klimaschädliche Emissionen und hält wertvolle
Materialien im Wertstoffkreislauf – und das bei zertifiziert
gleichwertiger Qualität.

Um das Recycling von Material im Bausektor zu
automatisieren, entwickelt das Startup Optocycle aus Tübingen ein  System
auf Grundlage künstlicher Intelligenz (KI) zum Echtzeit-Monitoring. Die
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 170.000
Euro.

Echtzeit Qualitätsmonitoring in der Produktion von Recycling-Granulaten

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde sieht in der Baubranche großes
Potenzial für mehr Umweltschutz. Hier könnten mittelständische Betriebe
mit innovativen Lösungen Vorbildfunktionen erfüllen. Bonde: „Die
Errichtung neuer Gebäude folgt bereits klaren Vorgaben für mehr Effizienz
und Nachhaltigkeit. Gleiches muss künftig auch nach dem Abriss von Häusern
und Bauwerken beachtet werden.“ Einen Ansatz dafür liefere das Startup
Optocycle GmbH aus Tübingen. Im Rahmen der DBU-Green Startup-Förderung
haben sie ein KI-basiertes System zur automatischen, reproduzierbaren
Klassifizierung von Bauabfällen entwickelt. Darauf aufbauend soll nun ein
Prototyp das Echtzeit-Monitoring von RC-Körnungen – also recycelten
Gesteinskörnungen aus Bauschutt – ermöglichen. Die DBU fördert das
Vorhaben mit rund 170.000 Euro. Optocycle-Mitgründer Max-Frederick Gerken:
„Aktuell basiert in der Branche der Aufbereitungsprozess von Bauschutt
meist auf subjektiven Schätzungen.“ Auch das Endprodukt werde nur
stichprobenartig im Labor überprüft. Mit dem Optocycle-System ist nach
Gerkens Worten ein „Echtzeitmonitoring von Recycling-Gesteinskörnungen
möglich. Somit können die Qualität der Körnung verbessert und mehr
Material in die Beton-Produktion überführt werden“, so Gerken.

Weniger Abfälle auf der Deponie

Das System kombiniert laut Gerken moderne, optische Sensorik mit
künstlicher Intelligenz – und löse so ein altbekanntes Problem in der
Baubranche. Der Startup-Mitgründer: „Zurzeit schwankt oft die
Beschaffenheit der recycelten Rohstoffe.  Das bedeutet einerseits ein
wirtschaftliches Risiko für Unternehmen und führt andererseits zum Verlust
von wertvollen Materialien.“ Optocycle erwartet mithilfe seiner
Entwicklung eine 20 Prozent höhere Menge an recycelten, hochqualitativen
Gesteinskörnungen sowie 15 Prozent geringere Abfallreste, die sonst auf
Deponien landen würden. Dazu werden nach Gerkens Angaben sowohl der
eingehende Schutt „optimal klassifiziert“ als auch das Ergebnis
transparent überprüft. Kooperationspartner ist hierbei die Heinrich Feeß
GmbH, die laut Gerken bereits seit vielen Jahren mit Optocycle
zusammenarbeitet. Der Mitgründer weiter: „Die Technologie leistet einen
Beitrag für Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Wir helfen dabei, die
Qualität von Sekundärrohstoffen zu verbessern, die aus dem Bauschutt
gewonnen werden. Diese Lösung lässt sich zudem perspektivisch auf alle
Abfallströme übertragen."

Einfache Nachrüstung in bestehenden Bauschutt-Recyclinganlagen

Das System von Optocycle kann Gerken zufolge direkt in bereits bestehende
Anlagen zur Verarbeitung von Bauabfällen installiert werden– „direkt über
dem Fließband.“ Diese einfache Nachrüstung spare Kosten und ermögliche die
schnelle Umsetzung eines innovativen Bauschutt-Recyclings. „Denn nur wenn
das Recycling finanziell machbar ist, kann die Kreislaufwirtschaft in der
Baubranche Erfolg haben“, so Gerken – ein Ansatz, der auch schon bei der
Startup-Förderung durch die DBU im Vordergrund stand. Hier überzeugte das
entwickelte System mit hoher Genauigkeit bei der Klassifikation von
unterschiedlichem Bauschutt. Darauf soll laut Gerken nun aufgebaut werden,
um mit hochwertigen Sekundärrohstoffen Kreislaufwirtschaft in der
Betonherstellung attraktiver zu machen.

Jede gute Lösung sorgt für enorme Entlastung des Klimas

Kreislaufwirtschaft in der Baubranche hat nach den Worten des zuständigen
DBU-Referenten Dr. Volker Berding wichtige Effekte für den Klimaschutz:
„Die Produktion von immer neuem Beton sorgt für hohen Ausstoß von
klimaschädlichen Treibhausgasen.“ Einer WWF-Studie zufolge entstehen bei
der Herstellung von Zement – dem wichtigsten Bestandteil von Beton – acht
Prozent der gesamten globalen Treibhausgasemissionen. Berding: „Alles, was
zur einer Emissionsreduzierung beiträgt, hat also bereits einen großen
Effekt für den Klimaschutz.“ Eine Kreislaufwirtschaft funktioniere jedoch
nur, „wenn die Sekundärrohstoffe sich qualitativ nicht von einer
Neuproduktion unterscheiden. Genau diesen Schritt kann Optocycle mit einem
skalierbaren, optimierten Prototypen gehen.“