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Abschied von einem Umweltpionier DBU-Umweltpreisträger Dr. Georg Winter verstorben

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 Abschied von einem Umweltpionier: Die Deutsche Bundesstiftung
Umwelt (DBU) trauert um Dr. Georg Winter, der im Alter von 84 Jahren
verstorben ist. Jurist und Unternehmer Winter wurde von der DBU 1995 in
Bonn für seine Leistungen beim vorbeugenden Umweltschutz und eine
umweltorientierte Unternehmensführung mit dem Deutschen Umweltpreis
ausgezeichnet. „Dr. Winter hat mit seinem Wirken maßgeblich zum
verstärkten Umweltbewusstsein in der Wirtschaft beigetragen. Unser
Mitgefühl gilt den Angehörigen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

Umweltschutz als Unternehmensziel

Während heutzutage Nachhaltigkeits-Parameter in Unternehmensstrategien
gang und gäbe sind, war das Anfang der 1970er-Jahre noch Neuland. Winter
änderte das: Als Mitgesellschafter und Mitgeschäftsführer des 1847
entstandenen Familienunternehmens Ernst Winter & Sohn GmbH mit Sitz in
Hamburg etablierte er Umweltschutz als ein Unternehmensziel. Mehr noch:
Ein integriertes System umweltorientierter Unternehmensführung wurde peu à
peu auf sämtliche Bereiche des Unternehmens übertragen. Die Öffnung der
Wirtschaft für umweltorientiertes unternehmerisches Handeln wird auch als
Winter-Modell bezeichnet.

Mehr umweltorientierte Produktion

Die Mitte des 19. Jahrhunderts von Goldschmied Ernst Winter gegründete
Firma hatte sich zur ersten deutschen Fertigungsstätte für
Diamantwerkzeuge entwickelt. Ende der 1950er-Jahre stellte das Unternehmen
als erste Firma in Europa Werkzeuge mit synthetischem Diamant als
Schleifmittel her. DBU-Umweltpreisträger Winter stellte in den 1980er-
Jahren die Weichen für den in Deutschland ersten baubiologischen
Industriebau, so wurden etwa in der Produktion umweltschädliche
Chlorkohlenwasserstoffe vollständig ersetzt.

Initiator für das Haus der Zukunft

Winter gelang noch etwas anderes: Unter seiner Ägide entstand aus dem
einstigen Firmensitz in Hamburg-Eimsbüttel das Haus der Zukunft als
Kompetenzzentrum für nachhaltiges Wirtschaften, heute Heimat für mehr als
zwei Dutzend gemeinnützige Verbände und gewerbliche Betriebe. 1999 erhielt
das Haus der Zukunft den ersten deutschen Gebäudepass, heute bekannt als
Energieausweis für Gebäude. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Die
Ideen und Initiativen von Dr. Georg Winter sind prägnante Marksteine auf
dem Weg zu mehr Umweltschutz und haben bleibende Spuren hinterlassen. Sie
zeigen, dass Ökonomie und Ökologie keine Gegner sind. Im Gegenteil: Mit
Umweltschutz lässt sich Geld verdienen.“

Ideengeber und Gründer nachhaltiger Umweltverbände

Der Name Georg Winter ist untrennbar mit der Gründung von zwei
Unternehmensbündnissen verbunden: Dazu zählt zum einen der seit 1985
bestehende „Bundesdeutsche Arbeitskreis für umweltbewusstes Management“,
kurz B.A.U.M., sowie zum anderen das „International Network for
Environmental Management“ (INEM). B.A.U.M. ist heute Europas größter
nachhaltiger Unternehmensverband mit Ziel einer klimafreundlichen und
zugleich zukunftssicheren Wirtschaft. Das 1991 gegründete INEM ist ein
weltweiter Dachverband gemeinnütziger nationaler Wirtschaftsverbände für
ein zielgerichtetes Umweltmanagement. Der Verband würdigt Winter als
„einen der größten Pioniere des nachhaltigen Managements“.

Bonde: prophetischer Weitblick für mehr Natur- und Klimaschutz

DBU-Generalsekretär Bonde würdigt Winters „zur damaligen Zeit fast
prophetischen Weitblick. Er hat in frühen Jahren erkannt, dass
erfolgreiches Wirtschaften den Schutz von Natur, Klima, Artenvielfalt und
Biodiversität benötigt.“ Tatsächlich hat Winter bereits als Kind Gedanken
zum Thema entwickelt: Im Alter von elf Jahren beschrieb er in einem Essay,
dass man ein Naturreservat von der Größe der Schweiz schaffen müsse – ganz
ohne Lärm und Verkehr und mit einer vor Auslöschung geschützten Tierwelt.